Dialog: Zeit zum Friedenstifen

Anglikanischer Alterzbischof warnt vor Antisemitismus und Islamophobie

(14.3.2016) - Alterzbischof warnt vor Antisemitismus an britischen Hochschulen.
Anlass war Aufführung des umstrittenen Theaterstücks "Sieben jüdische Kinder"

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London, 14.3.2016 (KAP/KNA) Das frühere anglikanische Kirchenoberhaupt Rowan Williams hat die britische Regierung vor einem wachsenden Antisemitismus an Universitäten gewarnt. Anlass war die Aufführung des umstrittenen Theaterstücks "Sieben jüdische Kinder" von Caryll Churchill durch eine Israel-Boykottinitiative an der Universität York, wie die Zeitung "Sunday Times" berichtet. Churchills Theaterstück von 2009 behandelt den Gazakonflikt; es wurde wiederholt als antisemitisch krisitiert.  

Er sei "sehr geschockt" darüber gewesen, was er dort gesehen habe, so Williams. "Das war wirklich mieses Zeug, aber es scheint leider derzeit nicht ungewöhnlich zu sein", wird der Geistliche zitiert, der seit dem Ende seiner Amtszeit als Erzbischof von Canterbury wieder als akademischer Lehrer in Cambridge arbeitet.

Williams schrieb laut der Zeitung einen Brief an den Vorsitzenden der jüdischen Studentenvereinigung von York, Zachary Confino. Dieser hatte über die Sozialen Netzwerke anonyme antisemitische Kommentare erhalten, nachdem er gegen die Aufführung des Stücks durch die "Gesellschaft für Palästinensische Solidarität" protestiert hatte.

Der Ex-Primas erklärte weiter, jeder, der - wie er selbst - alarmiert sei über Islamphobie, müsse auch in Sorge sein über die Stigmatisierung anderer religiöser Minderheiten. Dies gelte in besonderer Weise für das Judentum. Eine Ablehnung jeder Form von Antisemitismus schließe eine kritische Haltung gegenüber politischen Aktionen des Staates Israel keineswegs aus, betonte Williams.

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Erzbischof von Marseille: Dialog mit Islam darf nicht verhärten

(13.3.2016) - Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Pontier: Nicht in Falle der IS-Terroristen tappen, die Gesellschaft spalten wollen

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Paris, 13.3.2016 (KAP) Die Christen in Frankreich dürfen gegenüber dem Islam nicht verhärten. Das fordert der Vorsitzende der katholischen Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof Georges Pontier, in einem am Sonntag veröffentlichten Interview im Vorfeld der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Lourdes. Der Weg der Kirche sei der Dialog. Man dürfe nicht in die Falle der Terroristen des "Islamischen Staates" tappen, die die Gesellschaft spalten wollten. Ansonsten spiele man Fundamentalisten aller Lager in die Hände, so der Erzbischof von Marseille.

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Kardinal Marx: Christen dürfen nicht den Hass wählen

(13.3.2016) - Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: "Stimme niemandem geben, der Hass verbreitet oder Rassismus predigt, der ausgrenzt und ein Freund-Feind-Schema propagiert"

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Berlin, 13.3.2016 (KAP) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die Gläubigen dazu aufgefordert, nicht für fremdenfeindliche Kandidaten und Programme zu stimmen. "Ein Christ darf seine Stimme niemandem geben, der Hass verbreitet oder Rassismus predigt, der ausgrenzt und ein Freund-Feind-Schema propagiert", sagte er im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der politische Streit sei "enthemmter geworden", beklagte der Kardinal.

Am Sonntag stehen Urnengänge in den drei deutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt auf dem Programm. Nach den Umfragen waren ein starkes Abschneiden der fremdenfeindlichen AfD und Verluste für die Regierungspartei CDU zu erwarten.

Deutliche Kritik äußerte Marx in dem Interview auch an dem unionsinternen Streit über die Flüchtlingspolitik. Manche Äußerungen aus der CSU hätten ihn "zumindest irritiert", sagte der Erzbischof von München und Freising. Der Begriff der Obergrenze suggeriere eine Lösung, "die so nicht zu finden ist", fügte er hinzu. "Mir wäre wirklich lieber, dass in einer solchen herausfordernden Situation die Regierung gemeinsam und im vertrauensvollen Miteinander agiert."

Weiters verteidigte der Erzbischof den Rücktritt des Pfarrers im oberbayerischen Zorneding, der sein Amt nach rassistischen Drohungen aufgegeben hatte. "Seine Entscheidung muss ich als Bischof respektieren, obwohl ich den Rückzug bedauere", sagte Marx. Die Auseinandersetzungen vor Ort seien "nicht gut gelaufen". Das habe jedoch Konsequenzen gehabt, es seien auch Versöhnungsgespräche geführt worden.

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Flucht und Migration, verfolgte Christen

(11.3.2016) - Wir dokumentieren den Wortlaut der ersten zwei Abschnitte aus der Presseerklärungen zur Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz

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Wien, 11.3.2016 (KAP) "Kathpress" dokumentiert den Wortlaut der Presseerklärungen der Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz, die von 7. bis 10. März 2016 in Linz tagte:

1. Die Ursachen von Flucht und Migration solidarisch beheben

Weltweit haben Flucht, Vertreibung und Migration ein noch nie gekanntes Ausmaß angenommen. Einmal mehr wird deutlich, dass die Menschheitsfamilie darauf angewiesen ist, wie in einem gemeinsamen Haus in Frieden und Gerechtigkeit zusammenzuleben. Die gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen nach Europa sind das Ergebnis eines brutalen Krieges im Nahen Osten, aber auch Folge aussichtsloser Lebensbedingungen in den Ländern des Südens. Ihre Ursachen, Auswirkungen und Lösungen sowie die Folgen der größten humanitären Katastrophe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs müssen lokal und global gleichermaßen angegangen werden. Die katholische Kirche leistet als weltweite Gemeinschaft mit einem globalen und lokalen Netzwerk dabei ihren Beitrag. Christliche Nächstenliebe bleibt der Anspruch und das Maß im Umgang mit Menschen in Not, und dazu zählen besonders Verfolgte, Schutzlose und Flüchtlinge.

Spät, aber doch haben die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten erkannt, dass die Zukunft des europäischen Friedensprojekts davon abhängt, eine gemeinsame und menschliche Antwort auf Flucht und Migration zu finden. Sie wird nur gelingen, wenn es dabei zu einer gerechten Aufteilung jener Verantwortung kommt, die bislang nur von einigen wenigen Ländern des Kontinents getragen wird. Oberste Priorität hat dabei das Menschenrecht auf Asyl: Dieses heilige Recht muss überall in der EU durch faire, qualitätsvolle und rasche Verfahren sowie bestmögliche Betreuung der Schutzsuchenden garantiert sein. Wichtig sind Möglichkeiten des sicheren und legalen Zugangs zu Schutz in Europa, beispielsweise durch Resettlement und humanitäre Aufnahmeprogramme.

Die Bilder, die uns in diesen Tagen aus der Krisenregion in und um Syrien, aber auch aus dem griechisch-mazedonischen Grenzgebiet erreichen, dürfen uns nicht gleichgültig lassen. Der Krieg in Syrien muss endlich beendet werden, ebenso die Verfolgung ethnischer und religiöser Minderheiten, von der Christen weltweit am stärksten betroffen sind. Wer für sich und seine Familie in der Heimat eine lebenswerte Zukunft sieht, wird dort bleiben oder auch wieder dorthin zurückkehren. Dafür bedarf es neben fairer Wirtschaftsbedingungen gerade in den reichen Ländern auch der Bereitschaft zum Teilen. Für die Soforthilfe und die Entwicklungszusammenarbeit braucht es daher mehr Mittel, die in Österreich und in den allermeisten Ländern weit unter den internationalen Vereinbarungen liegen. Hilfe vor Ort ist unabdingbar, denn sie erreicht Menschen dort, wo sie diese am dringendsten brauchen.

Österreich hat in den letzten Monaten gezeigt, wie viel es für Flüchtlinge leisten kann: Fast 800.000 Menschen sind seit September auf ihrem Weg in andere Länder durch unser Land gezogen. Knapp 90.000 Asylanträge wurden 2015 in Österreich gestellt. Vor diesem Hintergrund hat sich auch die kirchliche Flüchtlingshilfe laufend verstärkt. Zentral dabei ist das Wirken der Caritas, die sich auf das kirchliche Netz (Pfarren, Diözesen, Orden) und das freiwillige Engagement vieler aus Kirche und Zivilgesellschaft stützen kann. So sind derzeit knapp 9.000 Asylwerber in Caritasquartieren im Rahmen der Grundversorgung untergebracht. Das sind rund 10 Prozent aller Grundversorgungsplätze, wofür vielfach kirchliche Gebäude genützt werden. Rund 32.000 Personen werden von der Caritas mobil betreut, sodass derzeit insgesamt knapp 41.000 Menschen - somit fast jeder zweite Asylwerber in Österreich - von der kirchlichen Caritas betreut werden. Dies alles geschieht neben der viel umfangreicheren Hilfe für Notleidende im Inland.

Immer wichtiger wird jetzt eine ernsthafte und in die Tiefe wirkende Integration, die fördert und fordert. Integration ist ein wechselseitiger Prozess: Es geht um die menschliche Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten, die jedoch ihrerseits bereit sein müssen, die positiven Werte der Gesellschaft, die sie aufnimmt, zu bejahen, ihre Gesetze zu befolgen und am Gemeinwohl mitzuwirken. Integration gelingt dort am besten, wo Menschen einander vertrauen und füreinander Verantwortung übernehmen. Es ist Aufgabe des Staates und der gesellschaftlichen Institutionen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Die letzten Monate haben gezeigt, wie sehr sich viele in Kirche und Gesellschaft freiwillig bei der Hilfe für Flüchtlinge und ihrer Integration engagieren. Dafür sagen wir Bischöfe ein tief empfundenes Danke und bitten gleichzeitig darum, nicht nachzulassen. Dieses Zeugnis gelebter Nächstenliebe gibt Zuversicht, dass wir die Herausforderungen gemeinsam schaffen können.

2. Verfolgte Christen brauchen Hilfe

Der brutale Mord an vier Ordensfrauen im Jemen, die den von der seligen Mutter Teresa gegründeten "Missionarinnen der Nächstenliebe" angehören, hat in diesen Tagen große Betroffenheit ausgelöst. Diese Morde sind aber kein Einzelfall: Weltweit werden rund 100 Millionen Christen verfolgt, und alle fünf Minuten wird ein Christ wegen seines Glaubens getötet. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit ereignet sich die zahlen- wie flächenmäßig umfangreichste Christenverfolgung der Geschichte. Umso unverständlicher ist das weit verbreitete Schweigen dazu in Österreich und in den meisten westlichen Ländern. Mehrfach haben Persönlichkeiten außerhalb der Kirche wie der jüngst verstorbene jüdische Verleger Lord George Weidenfeld oder der Präsident des World Jewish Congress, Ronald Lauder, dieses Schweigen öffentlich kritisiert und sich für verfolgte Christen eingesetzt.

Bei nüchterner Betrachtung der Fakten wird deutlich, dass fundamentalistische Strömungen in der islamischen Welt massiv zur gegenwärtigen Christenverfolgung beigetragen haben. In nahezu allen islamischen Ländern im Nahen Osten, in Asien und Afrika werden Christen wie "Bürger zweiter Klasse" behandelt und sie sind oft schutzlos den Behörden oder der Mehrheitsbevölkerung ausgeliefert. Aber es gibt auch andere Beispiele, wo Christen in islamisch geprägten Staaten wie Tunesien, Marokko, Jordanien, Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten bessere Lebensverhältnisse haben.

Die massiven Menschenrechtsverletzungen gegen Christen dürfen nicht stillschweigend hingenommen werden. Es ist daher begrüßenswert und wichtig, dass das Europäische Parlament vor wenigen Wochen am 4. Februar eine Resolution beschlossen hat, in der die Verfolgung von Christen durch den IS im Nahen Osten ausdrücklich als Genozid qualifiziert wird. Diese Beurteilung ist von Bedeutung, weil dadurch ein internationales Vorgehen zum Schutz von Christen im Nahen Osten rechtlich möglich ist.

Für die Christen im Nahen Osten ist Schutz und Hilfe überlebensnotwendig, weil immer mehr von ihnen in der Flucht den einzigen Ausweg sehen. In Ländern wie Syrien, wo Christen seit 1.900 Jahren ununterbrochen leben, droht somit das Christentum sogar zu verschwinden.

Vor diesem Hintergrund ist es ein Gebot der Stunde, das Gebet und die konkrete Hilfe für unsere Schwestern und Brüder zu verstärken. Seit 2010 wurde durch einen Beschluss der Bischofskonferenz die Hilfe für die Länder des Nahen Ostens, besonders für Syrien, Jordanien und den Libanon, deutlich ausgeweitet. Betrug sie 2010 noch rund 2,6 Mio. Euro, so haben die katholischen Hilfswerke im vergangenen Jahr 175 Projekte im Umfang von 7,5 Mio. Euro unterstützt.

Aber auch die Christen, die nach Österreich geflüchtet sind, brauchen unsere Hilfe. Es muss gewährleistet sein, dass sie in unserem Land und besonders in Asylunterkünften keine Ausgrenzung und Bedrängung aufgrund ihres Glaubens erfahren.

Als konkretes Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung wird Kardinal Schönborn als Vorsitzender der Bischofskonferenz nach Ostern Christen im Irak besuchen.

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Diagonale Graz: Clara Trischler gewinnt diözesanen Filmpreis

(12.3.2016) - Mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung der Diözese Graz-Seckau geht an Kurzdoku zum Thema Flucht

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Graz, 12.3.2016 (KAP) "Zuhause ist kein Ort" lautet der Titel des Kurzdokumentarfilms, für den Regisseurin und Drehbuchautorin Clara Trischler am Samstag mit dem Filmpreis der Diözese Graz-Seckau ausgezeichnet worden ist. Die mit 4.000 Euro dotierte Auszeichnung für den Streifen zum Thema Flucht, der zwei Mal im Rahmen des laufenden österreichischen Filmfestivals Diagonale in Graz gezeigt wurde, überreichte Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten, im Grazer Orpheum stellvertretend für Bischof Wilhelm Krautwaschl. Die Jury, der auch Vorjahrespreisträgerin Lisbeth Kovacic angehörte, begründete ihre Entscheidung mit Trischlers "ungewöhnlichem Blick auf das allgegenwärtige Thema Flucht", wie es in einer Aussendung der Diözese Graz-Seckau am Samstag heißt.

In der 14 Minuten langen filmischen Auseinandersetzung mit der Geschichte ihrer Großeltern zeige Clara Trischler eine Flucht, "die nichts mit Armut zu tun hat, sondern mit dem Wunsch nach Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten für die nachfolgenden Generationen", so die diözesane Filmkonsulentin Natalie Resch. Dies erzwinge freilich immer auch ein Im-Stich-Lassen der zuhause Gebliebenen. Die Regisseurin stützte sich dabei auf privates Filmmaterial ihrer Familie; ihre Präsenz im Film zeigt gleichzeitig, wie die Entscheidung zur Flucht bis in die Gegenwart hinein wirkt.

Lobend erwähnte die Jury weiters einen Film, "der den Finger auf eine Wunde legt, der definitiv noch Aufmerksamkeit gewidmet werden muss: die fehlende Bereitschaft einer Stadt, sich mit einem Teil seiner Geschichte auseinanderzusetzen". Der Film "Eigensinn und Ansichtssachen" setzt der ausgelöschten jüdischen Bevölkerung von Judenburg (Steiermark) und deren wenigen Unterstützerinnen ein "notwendiges Denkmal". Auch dieser Kurzdokumentarfilm, der im Wettbewerb der Diagonale lief

Kurzdokumentarfilm von Miriam Raggam und Brigitta Freigassner lief im Wettbewerb der Diagonale.

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Sorge um öffentlichen Meinungsumschwung und politische "Heuchelei"

(11.3.2016) Vorsitzender der Bischofskonferenz bei Pressekonferenz nach Vollversammlung Sorge, dass bei Flüchtlingsthema "Pendel in die andere Richtung auszuschlagen droht" - Schließen der Balkanroute "kann nur provisorische Notmaßnahme sein".
Die "Heuchelei" bei der Vergabe öffentlicher Gelder für die Entwicklungs-zusammenarbeit.

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Auch wenn alle mitmachen ..... habt Mut zum eigenen Gewissen!

(3. 3. 2016) - Bischof Manfred Scheuer anlässlich der Überreichung des Kurt Schubert Gedächtnispreises für interreligiöse Verständigung in Linz: eine kritische Analyse der Gegenwart. Scheuer stellt der weltanschaulichen Beliebigkeit das Gewissenszeugnis gegenüber. Es steht wie ein Leuchtturm gegen die Resignation in das Schicksal, es bezeugt, dass der Einzelne nicht einfach machtlos anonymen Prozessen ausgeliefert ist.

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Kurt Schubert Gedächtnispreis für interreligiöse Verständigung, Linz, 3. März 2016

„Nie werdet ihr stärker sein als die Geduld der Armen.“

(George Bernanos)

Das Scheitern menschlichen Größenwahns am gläubigen Gewissen

Politische Gewalttätigkeit war während der gesamten Dauer der Weimarer Republik an der Tagesordnung. Nationalsozialisten und Kommunisten lieferten sich fast täglich blutige Straßenkämpfe. Für den damaligen Gauleiter Goebbels waren die Toten in diesem Bürgerkrieg hoch willkommen. Sie wurden von der Propaganda zu Märtyrern der nationalsozialistischen Bewegung stilisiert und mit einem pompe funèbrezu Grabe getragen. Besonders gut für die propagandistische Ausschlachtung eignete sich der Fall Horst Wessel, der bald zum nationalsozialistischen Bilderbuch-Märtyrer wurde.[1] – Alle Ideologien haben ihre Märtyrer: Nationalsozialismus und Kommunismus („rote Helden“), Bürgerkriege und Revolutionen, Religionen und Kirchen, Reformation und Gegenreformation. Sind die Selbstmordattentäter ebenso Märtyrer wie die Zeugen der Gewaltlosigkeit? Ist Engelbert Dollfuss ein Arbeitermörder oder der erste Märtyrer des Nationalsozialismus? Und fast alle Religionen und Ideologien haben ihre Blutspur in der Geschichte hinterlassen und selbst Märtyrer geschaffen.

Die Masse – das große Tier?

Die einzelne Person und das Soziale, ein höchst ambivalentes Gefüge: Georg F.W. Hegel schreibt in seinen „Grundlinien der Philosophie des Rechts“[2] dem Staat einen gottgleichen Charakter zu. „Der Staat ist … das an und für sich Vernünftige. … Wie dieser Endzweck das höchste Recht gegen die Einzelnen hat, deren höchste Pflicht es ist, Mitglieder des Staats zu sein“ (WW 7, 399), weswegen es „nicht von der Willkür der Einzelnen abhängig“ sein darf, den Staat wieder zu verlassen (WW 7, 159). Es muss eine Institution geben, in der „das Interesse der Einzelnen als solcher“ nicht der „letzte Zweck“ ist (WW 7, 399). Das Einzelne ist für Hegel im Grunde genommen das Böse: „Dem allgemeinen Bewusstsein gilt die Einzelheit als das Böse.“ (WW 2, 506). Böse sein heißt „mich vereinzeln.“ (WW 16,264) Der Einzelne ist bloß Futter, Material für das Ganze. Der Hegelsche absolute Geist ist letztlich ein Moloch, dessen Gott-Sein am Tod des Menschen erkannt wird.

Simone Weil hat nach der Katastrophe des 1. Weltkriegs die ganz andere Seite unterstrichen: „Das Soziale ist unaufhebbar der Bereich des Fürsten dieser Welt. Dem Sozialen gegenüber hat man keine anderen Pflichten, als sich um die Beschränkung des Bösen zu bemühen. ... Das Soziale unter der Aufschrift des Göttlichen: berauschende Mischung, die jede Willkür in sich schließt. Der verkappte Teufel.“[3] Simone Weil verbindet hier Platons Politeia mit dem NT. Vom „großen Tier“, d.h. der Masse, der Menge, die nur nach Reflexen, Vorurteilen und Meinungen urteilt und handelt, spricht Platon im VI. Buch der Politeia. Simone Weil spricht vom „sozialen Tier“ und meint damit die Nation, die Partei, das Kollektiv, den Gesamtbereich der Herrschaft des Politisch-Sozialen.[4]

Diese Zeiten des Kollektivismus sind vorbei. Und doch: Auch wenn seit Jahrzehnten von Überwindung der Entfremdung, von Selbstfindung, Subjektivität, Identitätsbildung, von Selbstverwirklichung und Zivilcourage gesprochen wird, haben doch viele eine riesige Angst vor dem Ich, sie gehen auf im Man, in der Rolle, sie schwimmen in der Masse mit. Als Man lebe ich aber immer schon unter der unauffälligen Herrschaft der anderen. „Jeder ist der andere und keiner er selbst. Das Man ist das Niemand.“[5] Jürgen Habermas spricht hier von der Kolonisierung der Lebenswelt[6] etwa durch Verrechtlichung oder Ökonomisierung. Nicht wenige haben ihre Verantwortung vollständig an die verführerischen Sinnangebote und dramatischen Rollenspiele der Fernseh-Welt delegiert. Die Kolonisierung der Lebenswelt durch die modernen Kommunikationsmedien ist zur universellen Wirklichkeit geworden. Man müsste in den Spiegel der medialen Wunschbilder blicken und darin die Fratze einer verkrüppelten Identität erkennen.

Auch wenn alle mitmachen …

Journalisten, Werbeleute, Künstler, Juristen und Mediziner, Lehrer und Unternehmer, Theologen und Universitätsprofessoren stellten sich nicht selten in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie. Andere wurden verfolgt, ermordet oder hingerichtet, weil sie nicht mit der Masse gelaufen sind, nicht im Chor der Mehrheit mitgeplärrt haben, weil sie Widerstand geleistet haben. Sind sie Helden oder Heilige, Spinner oder Außenseiter, Dummköpfe oder Verbrecher, Märtyrer oder Selbstmörder, „Dreckwanzen“, „schwarze Minderwertigkeit“ oder „Krebsschaden“; eine „Kulturschande“ oder Staatsfeinde? Joseph Goebbels z.B. über Priester: „Nicht Martyrer, sondern Verbrecher machen wir aus ihnen.“

Der äußere Verblendungszusammenhang führte bei diesen Zeugen und Märtyrern zu keiner Abstumpfung des Gewissens, die Meinung der Massen nicht zur Anpassung der Urteilskraft, die Nazi-Ideologie nicht zur Menschenverachtung und Gottlosigkeit, die äußere Unfreiheit nicht zur Knechtung des Willens, das Gehabe der Macht der Starken nicht zum Willen zur Macht. Sie waren keine pubertären Neinsager. Ihr Nein gegenüber dem Bösen war nicht nekrophil oder arrogant. Sie haben ihr Gewissen und ihre Verantwortung nicht infantil delegiert, nicht an die anderen, nicht an das Volk, nicht an den Führer. Und sie haben geglaubt in einer Welt der Blindheit und der Verblendung. Sie haben nicht der Mehrheit nach dem Mund geredet und wollten sich nicht auf allgemeine Vorschriften und Regeln ausreden. Sie sind „einsame Zeugen“ des Gewissens, das sich nicht durch die Autorität der Obrigkeit suspendieren lässt. Sie hatten den Mut, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. „Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ So hieß Kants Antwort auf die Frage „Was heißt Aufklärung?“[7] Für die Zeugen in der Zeit des Nationalsozialismus ist im Gegensatz zu Kant und unseren Spätaufklärern das vorzügliche Objekt solcher Aufklärung nicht die Religion, sondern die gesellschaftliche und politische Ideologie.

Mut zum Gewissen

1961 stand Adolf Eichmann in Jerusalem vor Gericht, eines der „Ungeheuer“, die für die massenhafte Tötung der Juden verantwortlich waren. Das vermeintliche Ungeheuer stellte sich während des Prozesses als pflichtbewusster Bürokrat dar, der nur die Befehle eines Höheren ausgeführt hatte. Das veranlasste Hannah Arendt, ihrem Prozessbericht den Titel zu geben: „Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen“. Das Wort von der Banalität des Bösen sollte die Durchschnittlichkeit des Täters bezeichnen; es legte nahe zu sagen: Die große Masse war nicht besser als Eichmann, jederzeit bereit, Gleiches unter gleichen Umständen zu tun. Es war der Sachverhalt des Schreibtischtäters, der kein spezifi­sches Unrechtsbewusstsein aufzubringen vermochte. In einer technisierten und bürokratisierten Welt wurden der Völkermord und die Ausrottung „überflüssig“ erscheinender Bevölkerungsgruppen geräuschlos und ohne moralische Empörung der Öffentlichkeit zur Gewohnheit. Die Einzigartigkeit des Holocaust erblickte Arendt im Fehlen jeglicher moralischer Dimensionen, damit in der ausschließlich bürokratischen Natur des Vorgangs. Persönliche und moralische Mediokrität des Angeklagten veranlasst zur Schlussfolgerung, die im Untertitel des Buches aufgenommen ist: Banalität des Bösen. Eichmanns Handlungen und Entscheidungen waren banal, gedankenlos, vordergründig ohne teuflisch dämonische Tiefe. „Dass eine solche Realitätsferne und Gedankenlosigkeit in einem mehr Unheil anrichten können als alle die dem Menschen vielleicht innewohnenden bösen Triebe zusammengenommen, das war in der Tat die Lektion, die man in Jerusalem lernen konnte."[8] Eichmann ent­schuldigt sich damit, dass er nicht als Mensch, sondern als bloßer Funktionär gehandelt habe.

Gewissenstäter der Vergangenheit wie Thomas Morus oder Franz Jägerstätter hatten einen hohen Preis für die Treue zu ihrem Gewissen bezahlt, einen Preis, der das Opfer des eigenen Lebens einschloss. Im Gewissenszeugnis strahlt die Würde der menschlichen Person auf. Das Gewissen so verstanden und gelebt ist kein Handlanger von Eigeninteressen. Es gibt nicht die Erlaubnis für alles und jedes, es ist nicht die Instanz der Beliebigkeit oder der Auflösung der Normen. Das Gewissen ist der Ort der Erfahrung des Unbedingten, das uns in Anspruch nimmt. Es ist der Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch. Bei der Gewissensentscheidung geht es um sittliche Urteilskraft. Der damalige Kontext waren Krieg und Frieden, Gerechtigkeit und Terror, Leben oder Tod. Beim Gewissenszeugnis geht es also ganz und gar nicht um Willkür oder Unverbindlichkeit, auch nicht um eine Skepsis gegenüber Ethik und Moral. Im Gegenteil: Aus der Rückschau erinnert der Gewissensprotest gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime daran, dass die Maßstäbe von Gut und Böse unverrückbar bleiben, auch wenn sie in der damaligen pervertierten öffentlichen Moral kaum Widerhall fanden  und ethische Werte auf den Kopf gestellt wurden. Das Gewissenszeugnis steht wie ein Leuchtturm gegen die Resignation in das Schicksal, es bezeugt, dass der Einzelne nicht einfach machtlos anonymen Prozessen ausgeliefert ist.

Die globale Aushöhlung von verbindlichem Recht entpuppt sich immer mehr als Komplizin der Gewalt und der Beliebigkeit. Im Zeitalter des kulturellen Pluralismus neigt der Mensch dazu - so der Wiener Kulturphi­losoph Günther Anders -, die widersprüchlichsten Auffassungen im Recht oder in der Religion gelten zu lassen. So kommt es zu einer weltanschaulichen Promiskuität: Wer aber an die­ser unterschiedslosen Liberalität, an dieser schlechten Gleichheit Anstoß nimmt, gilt als intolerant. Eine solche Liberalität, die unterschiedslos den Menschen gleiches Recht widerfahren lässt, eine unterschiedslose Güte gegen alles, schlägt letztlich um in Kälte und Rohheit gegen jedes.[9] Die Wendehälse sind überall dabei, die Widersprüche gehören zum System. Ja und Nein verkommen zu einer Frage des Geschmacks und der Laune, Leben oder Tod wird zur Frage des besseren Durchsetzungsvermögens, Wahrheit oder Lüge eine Frage der besseren Taktik, Liebe oder Hass eine Frage der Hormone, Friede oder Krieg eine Frage der Konjunktur. Die Unterscheidung zwischen Humanität und Barbarei, zwischen sittlichen Prinzipien und verbrecherischen Grundsätzen liegt dann auf der Ebene der bloßen Emotion oder des Durchsetzungsvermögens.[10]

Wer die Wahrheitsfrage grundsätzlich unter Ideologieverdacht stellt, wer sie ignoriert und marginalisiert, der eröffnet nicht einfach das große Spiel der Freiheit, sondern überlässt das Feld dem Konkurrenzkampf. Umgekehrt ist die Rede vom Gewissen und auch vom Martyrium unter das Gericht der Wahrheit zu stellen. Nicht die Intensität einer Überzeugung, die auch im Tod stand hält, nicht der Tod an sich, nicht der Heroismus der Hingabe, auch nicht die Radikalität des Sterbens an sich bezeugen schon die Wahrheit. Die kirchliche Tradition sah mit Augustinus (354-430) – gegen die Donatisten - nicht schon im Getötetwerden das Martyrium. Es ist nicht die Strafe oder der Tod an sich, sondern der innere Grund, die Ursache bzw. Gesinnung, die den Märtyrer Christi ausmachen.[11] Seit dieser Zeit wird im Christentum der religiöse Selbstmord geächtet. Jede Todessehnsucht bei einem potentiellen Märtyrer gilt seitdem als Infragestellung des Martyriums. Zu Recht steht gegenwärtig die Rede von Opfer, Verfolgung und Martyrium unter Ideologieverdacht, wenn Gewalt, Weltfeindlichkeit, Selbsthass, Todestrieb, Verfolgungswahn, Verschwörungsdenken, Feindbildbedürfnis oder Sündenbockmechanismen im Spiel sind. Jede zwanghafte, fanatische oder hysterische Identitätssicherung ist eine Zerrform des Glaubens.

Wahrheit ist nicht zu lösen von Freiheit,[12] sie steht unter dem Vorzeichen der geschichtlichen Konkretheit. Wahrheit meint zum einen Übereinstimmung von Denken und Gegenstand, hat aber auch einen interpersonalen Aspekt und einen existentiellen Bezug (Wahrhaftigkeit). Geschichtliche Wahrheit hat sich an der Sinnfrage zu bewähren.[13] Um der Humanität, aber auch um des christlichen Glaubens willen darf die Wahrheitsfrage nicht auf dem Altar der Beliebigkeit geopfert werden. „Um der Treue zu Jesus und dem von ihm verkündeten Gott willen, ist die Unterscheidung zwischen Glaube und Aberglaube, Wahrheit und Irrtum, Behauptung und Begründung in Sachen Religion notwendig. Aus Treue zu Jesus und seinem Vater dient diese Unterscheidung dem christlichen Zeugnis für eine Hoffnung auf ewiges Leben für alle, denen die Liebe Gottes gilt.“[14] Solidarität und Hoffnung darf nicht leidensimmun, abstrakt und geschichtslos sein. Hoffnung hat sich öffentlich im Angesicht der Gewalt, der konkreten Unversöhntheit und des Todes zu bewähren. Die Märtyrer sind in Situationen der Resignation vor der Unausweichlichkeit der Gewalt Zeugen der Hoffnung, dass Gewalt auch innergeschichtlich nicht das letzte Wort hat.

Schluss

„Wer nicht eine Vergangenheit zu verantworten und eine Zukunft zu gestalten gesonnen ist, der ist ‚vergesslich’, und ich weiß nicht, wie man einen solchen Menschen packen, stellen, zur Besserung bringen kann. … Die Güter der Gerechtigkeit, der Wahrheit, der Schönheit ... brauchen Zeit, Beständigkeit, ‚Gedächtnis’, oder sie degenerieren.“ (Dietrich Bonhoeffer)[15] Ich danke Dr. Irmgard Aschbauer und Mag. Ruth Steiner, dass sie der Gerechtigkeit und der Humanität ein Gedächtnis geben und gratuliere zum Kurt-Schubert-Gedächtnispreis.


 

[1] Jochen von Lang, Und willst du nicht mein Bruder sein ... Der Terror in der Weimarer Republik, Wien-Darmstadt 1989.

[2] Georg F.W. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (WW 7, ed. Moldenhauer/Michel), Stuttgart 1970.

[3] Simone Weil, Zeugnis für das Traktate – Briefe - Aufzeichnungen, Olten/Freiburg i. B. 2 1979, 196.

[4] Simone Weil, Zeugnis für das Gute 305.

[5] Martin Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 1980, 128.

[6] Jürgen Habermas, Theorie des kommunikativen Handeln Bd.2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M. 1981, 522ff.

[7] Immanuel Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, in: Ders., Akademie-Ausgabe, Bd. VIII, Berlin 1968, 33–42.

[8] Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banali­tät des Bösen. Mit einem Essay von Hans Mommsen, München 1964, 16.

[9] Theodor W. Adorno, Minima moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben (Ges. Schriften 4, hg. von R. Tiedemann) Frankfurt 1980, 85.

[10] Vgl. Georg F. W. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (WW 7, ed. Glockner) 19–37.

[11]„Christi martyrem non facit poena sed causa.” (Augustinus, Contra Cresconium Donatistam 3,47, in: PL 43,525).

[12] „Die absolute Religion ist so die Religion der Wahrheit und Freiheit.“ (Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II (Theorie Werkausgabe Bd. 17), 203.

[13] „Da die Lehre Christi aber für sich allein nur die Vorstellung, das innere Gefühl und Gemüt betrifft, so wird sie ergänzt durch die Darstellung der göttlichen Idee an seinem Leben und Schicksal. Jenes Reich Gottes als Inhalt der Lehre ist erst die noch vorgestellte, allgemeine Idee; durch dies Individuum tritt es aber in die Wirklichkeit hinein, so dass die, welche zu jenem Reich gelangen sollen, es nur durch jenes eine Individuum können. Das erste ist zunächst die abstrakte Angemessenheit von Tun, Handeln und Leiden dieses Lehrers zu seiner Lehre selbst, dass sein Leben ihr gänzlich gewidmet sei, dass er den Tod nicht gescheut und durch den Tod seinen Glauben besiegelt habe. Dass nämlich Christus Märtyrer der Wahrheit geworden, ist in nahem Zusammenhang mit solchem Auftreten. Indem die Stiftung des Reiches Gottes mit dem vorhandenen Staat, der auf eine andere Weise und Bestimmtheit der Religion gegründet ist, durchaus in geradem Widerspruch ist, so ist das Schicksal, menschlich ausgedrückt, Märtyrer der Wahrheit zu sein, im Zusammenhange mit jenem Auftreten. Dies sind die Hauptmomente der menschlichen Erscheinung Christi. Dieser Lehrer hat Freunde um sich versammelt. Christus, insofern seine Lehren revolutionär waren, ist angeklagt und hingerichtet worden; er hat so die Wahrheit mit dem Tode besiegelt.“ (Georg Friedrich Wilhelm Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Religion II, 286 [Theorie Werkausgabe Bd. 17, 423]).

[14] Thomas Söding, „Wer sich zu mir bekennt ...“ (Lk 12,8) Der Anspruch Jesu und die Universalität des Evangeliums, in: ders. (Hg.), Ist der Glaube Feind der Freiheit? Die neue Debatte um den Monotheismus (QD 196), Freiburg i.B. 2003, 53-122, hier 122.

[15] Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Hg. Von Eberhard  Bethge, Gütersloh 131985, 109f.

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Deutschland: Religionen aktiv gegen Fremdenhass und Antisemitismus

(8. 3. 2016) - Deutsche Bischofskonferenz, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Allgemeine sowie die Orthodoxe Rabbinerkonferenz , EKD und Rabbinerkonferenz gegen Fremdenhass

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Bonn, 8.3.2016 (KAP/KNA) Rabbiner und Vertreter der beiden großen Kirchen Deutschlands wollen Fremdenhass und Antisemitismus gemeinsam entgegentreten. Sie seien "tief besorgt" über die Zunahme fremdenfeindlicher Gewalt in den vergangenen Monaten, erklärten die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Allgemeine sowie die Orthodoxe Rabbinerkonferenz am Montag in Hannover. Zugleich würdigten sie bei ihrem Treffen den christlich-jüdischen Dialog.

Der stellvertretende DBK-Vorsitzende Bischof Norbert Trelle hob die hohe Bedeutung des Asylrechts hervor, "das einem Menschen nicht mit dem Hinweis auf eine willkürlich festgelegte Obergrenze versagt werden kann". Zudem kritisierte er die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union als "nicht handlungsfähig". Es sei "schwer nachzuvollziehen, warum es eine der wirtschaftlich stärksten und wohlhabendsten Regionen der Erde mit fast 500 Millionen Einwohnern überfordern soll, eine Million der Flüchtlinge aufzunehmen".

Mit Blick auf die Befürchtungen der jüdischen Gemeinden vor einer Zunahme des Antisemitismus versicherte Trelle, dass "die katholische Kirche auch weiterhin im Kampf gegen jede Form von Antisemitismus an der Seite der jüdischen Gemeinschaft stehen wird".

Rabbiner Andreas Nachama von der Allgemeinen Rabbinerkonferenz wandte sich gegen jede Form von Diskriminierung: "Juden sind ein Teil Europas. Antisemitismus hat hier sowenig Platz wie antiislamische Vorurteile." Ebenso fragwürdig sei es, "Flüchtenden von heute, die aus arabischsprachigen Ländern kommen, eben mal so generell Antisemitismus oder anti-christliche Haltungen zu unterstellen". Rabbiner Arie Folger von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz wies auf "die grundsätzliche Würde aller Menschen" hin. Diese dürfe nicht vergessen werden.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm wies darauf hin, bei der Aufnahme von Flüchtlingen auch die Anstrengungen außereuropäischer Länder zu würdigen. Gerade die Nachbarstaaten Syriens, aber auch afrikanischer Länder nähmen eine hohe Zahl an Flüchtlingen auf.

Am Sonntag hatte der Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Hannover die diesjährige "Woche für die Brüderlichkeit" unter dem Motto "Um Gottes Willen" gestartet. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung erhielt der jüdische Publizist Micha Brumlik die Buber-Rosenzweig-Medaille.

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KAICIID: Fischer betont Bedeutung der Religion für Integration

(3.2.2016)- Bundespräsident im Wiener Abdullah-Dialogzentrum: "Nur eine Religion, die Frieden zwischen den Menschen predigt, wird ihrem Auftrag gerecht"

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Wien, 3.2.2016 (KAP) Bundespräsident Heinz Fischer hat am Dienstagabend im Wiener König-Abdullah-Dialogzentrum (KAICIID) aus Anlass der von der UNO ausgerufenen "World Interfaith Harmony Week" vor den Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften Österreichs - mit Kardinal Christoph Schönborn an der Spitze - und der Diplomatie die Bedeutung des interreligiösen Dialogs auch für die Flüchtlingsfrage betont. Dabei werde u.a. der Ausformung eines europäischen Islam große Bedeutung zukommen, sagte Fischer. Im internationalen Bereich brauche es Dialogplattformen, wo auch "Sorgen, Wünsche und Probleme aus dem Bereich der Menschenrechte und des interreligiösen Dialogs sachlich, aber klar und offen angesprochen werden können".

Das KAICIID habe das Potenzial, durch seine Tätigkeit ein besseres Verständnis zwischen den Religionen zu schaffen und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Entfaltung und Weiterentwicklung der Menschenrechte zu leisten, betonte der Bundespräsident. Schließlich sei das KAICIID "die einzige internationale Organisation, in der führende Persönlichkeiten der fünf großen Weltreligionen gleichberechtigt zusammenarbeiten".

Im Blick auf Saudi-Arabien kritisierte Fischer die Todesurteile gegen 47 angebliche Terroristen. Diese hätten ihn "als überzeugten Gegner der Todesstrafe sehr geschmerzt". Zugleich verurteilte er auch die gewaltsamen Proteste gegen saudische diplomatische Vertretungen in Teheran.

Der Präsident warnte davor, die Bedeutung der Menschenrechte durch religiöse oder ideologische Gründe zu relativieren. "Meine persönliche Überzeugung ist, dass nur eine Religion, die Frieden zwischen den Menschen predigt, ihrem Auftrag gerecht wird."

Integration braucht interreligiösen Dialog

Fischer sprach sich auch dafür aus, die Integration von Flüchtlingen stärker zum Gegenstand des interreligiösen Dialogs zu machen. "Zu einer erfolgreichen Integration gehört nicht zuletzt auch die Klarstellung, dass extremistische Einstellungen Einzelner, die den Grundwerten unseres Staates und unserer Gesellschaft entgegengesetzt sind und die innere Sicherheit gefährden, nicht akzeptiert werden können."

Die "gelebte Realität" der österreichischen Muslime sei jene eines "Islams europäischer Prägung eingebettet in einen Staat mit einer demokratischen Grundordnung", zeigte sich Fischer überzeugt. "Es ist möglich, gleichzeitig guter Muslim und guter Österreicher zu sein", sagte Fischer. "Ich möchte daher bekräftigen, dass die bei uns dauerhaft lebenden Muslime ein wertvoller Bestandteil unserer Gesellschaft sein können und auch sein sollen."

Als Thema für den interreligiösen Dialog sieht Fischer auch die Unterschiede bei der Stellung der Frau in Familie und Gesellschaft, die "in der Praxis oft beträchtliche Schwierigkeiten" verursachen. Diese Frage müsse "offen diskutiert" werden. Allerdings sei auch in den westlichen Gesellschaften in Bezug auf die Gleichberechtigung "manches, was heute selbstverständlich ist, vor zwei oder drei Generationen noch absolut unvorstellbar" gewesen. "Das lässt Raum für die Hoffnung und Erwartung, dass sich die Stellung und die Rolle der Frau auch in anderen Gesellschaften, z.B. in jenen, die vom Islam geprägt sind, weiterentwickeln wird."

Anlässlich des Events fand vor dem KAICIID eine Mahnwache der Grünen gegen die Auspeitschungs-Bestrafung des saudischen Bloggers Raif Badawi statt. Etwa 40 Personen beteiligten sich.

(ende) fam/hkl/

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Arabische Kirchenführer und Scheichs verurteilen in Wien IS-Terroristen

(19.11.2014) - Veranstalter der Großkonferenz im Wiener Hilton-Hotel war das zuletzt wegen unbedachter Äußerungen seiner Ko-Vorsitzenden in die Kritik gekommene König-Abdullah-Dialogzentrum KAICIID

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Wien, 19.11.14 (KAP) Die in Wien zusammengekommenen Religionsvertreter aus der arabischen Welt - Scheichs, Imame und Bischöfe - haben am Dienstagabend gemeinsam die von IS-Terroristen im Namen der Religion verurteilte Gewalt verurteilt und die christlich-muslimische Koexistenz als "eine der Hauptsäulen der arabischen Zivilisation" bezeichnet. Auffallend an der Selbstverpflichtung ist unter anderem, dass der Christen und Muslime gemeinsame "mächtige und über allem waltende Gott" zu Hilfe gerufen wird.

"Wir rufen auf zur Beibehaltung der Diversität in den arabischen Gesellschaften, das unser Erbe seit Jahrtausenden ist", heißt es in der Schlusserklärung, die von mehr als 100 Religionsvertretern unterzeichnet wurde. Unter ihnen sind etwa der chaldäische (katholische) Patriarch Raphael Louis Sako (Bagdad) und der Scheich der Abdulaziz-Universität in Saudi-Arabien, Abdallah bin Mahfudh bin Bayyah. Bin Bayyah ist einer jener 138 führenden Islamgelehrten, die 2008 mit Papst Benedikt XVI. in Verbindung getreten waren. Für den Vatikan nahm der Sekretär des Päpstlichen Dialogrates, P. Miguel Ayuso Guixot, an der Konferenz teil.

Veranstalter der Großkonferenz im Wiener Hilton-Hotel war das - zuletzt wegen vage-unbedachter Äußerungen seiner Ko-Vorsitzenden in die Kritik gekommene - König-Abdullah-Dialogzentrum KAICIID. Die Abschlusserklärung ist hingegen eindeutig, und sie verurteilt die Gräueltaten der IS-Dschihadisten. Bezeichnet werden sie als "jene, die für sich eine 'Islamische Herrschaft' im Irak und in Syrien reklamieren". Terrorismus, Unterdrückung und Angriffe gegen Unschuldige sowie die Entweihung heiliger Stätten und die Zerstörung von kulturellem Erbe dürfe es zwischen den Religionen nicht geben.

Laut KAICIID war es das erste Mal, dass Religionsführer der sunnitischen, schiitischen, christlichen, mandäischen und jesidischen Gemeinden des Mittleren Ostens eine gemeinsame Deklaration gegen Gewalt im Namen der Religion verabschiedet hätten.

In ihrer "Wiener Deklaration gegen die Gewalt im Namen der Religion" verurteilen die Oberhäupter verschiedenster Glaubensrichtungen aus der betroffenen Region den "verbrecherischen Missbrauch der Religion zur Ausgrenzung, Unterdrückung, Verfolgung und Tötung von Menschen".

Gemeinsam stellen die Religionsführer fest, dass der aktuelle Konflikt im Irak und in Syrien die Anhänger jeder Religion betrifft.
Sie weisen nicht nur Gewalt im Namen der Religion zurück, sondern auch "die Anmaßung von Gruppen wie IS, ihr Handeln mit den Lehren des Islam zu rechtfertigen". Im Blick auf Menschenrechtsverletzungen werden Christen und Jesiden als primär Betroffene erwähnt.
Betont wird, dass jede Person unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung das Recht auf menschliche und würdevolle Behandlung hat und dass Gräueltaten im Namen der Religion Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Ebenso prangert die Deklaration die Unterstützung oder Finanzierung von Terrorismus an.

Die Religionsführer drücken ihre Solidarität mit jenen aus, die unter den aktuellen Ereignissen leiden, und insbesondere mit all jenen, die aus ihren Häusern und aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

Sie rufen die maßgeblichen politischen Kräfte und die internationale Gemeinschaft auf, nichts unversucht zu lassen, um diesen Menschen die Rückkehr in ihre Städte und Dörfer zu ermöglichen.

Als konkrete Handlungsempfehlungen stellen die Teilnehmer der KAICIID-Konferenz in der Erklärung eine Reihe von Initiativen zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und der Friedensbildung in der Region heraus. Die praktische Umsetzung dieser Initiativen solle durch ein ständiges interreligiöses Komitee sowie durch Arbeitsgruppen "verschiedener Institutionen des Dialogs und der Interreligiösität" beaufsichtigt werden.

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