Dialog: Zeit zum Friedenstifen

Aus dem Archiv

Ein Blick in unser Archiv bringt oft Überraschendes zu Tage. Ein Blick auf die ersten Erklärungen zeigt auf, dass noch immer enormer Dialogbedarf in unserer Gesellschaft zum Thema Christen und Muslime vorhanden ist.

2011-11-05 Initiative muslimischer Österreicher-innen zum Ableben von Paul Schulmeister

Initiator der Plattform Christen und Muslime

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Die Nachricht
vom Ableben unseres langjährigen Freundes Paul Schulmeister hat uns unmittelbar
vor dem Opferfest mit großer Trauer erfüllt. Sein erklärtes Anliegen war der
Aufbau von Vertrauen zwischen Menschen verschiedener Religionen. Mit seiner
Menschlichkeit erfüllte er diesen selbstgewählten Auftrag mit inspirierendem
Geist, der zum Impulsgeber für den interreligiösen Dialog wurde. Als erfahrener
 politischer Analyst hatte ihn die mögliche Tragweite der Karikaturenkrise
2006 bestürzt und zum Handeln angeregt. So ist seiner Initiative die Gründung
der Plattform Christen und Muslime zu verdanken, für die er sich bis zuletzt
mit großem Engagement einsetzte. Anlässlich unserer letzten Begegnung bei einem
interreligiösen Iftar-Mahl im Bundeskanzleramt wurden gemeinsame Pläne für die
Zukunft besprochen.  Wir als Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen und
Mitgründer der Plattform Christen und Muslime werden die Arbeit in seinem
Geiste und in seinem Andenken weiterführen.  Unser  herzliches
Beileid gilt seiner Familie, seinem Freundeskreis und den christlichen
Mitgliedern der Plattform Christen und Muslime.



Für die IMÖ Initiative muslimischer
Österreicher-innen



Carla Amina Baghajati, Omar AL-Rawi,
Mouddar Khouja und Tarafa Baghajati.
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2010-01-07 Schärfste Verurteilung des Anschlags auf koptische Gläubige in Ägypten

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich verurteilt das Attentat auf koptische Gläubige ..... in der ägyptischen Kleinstadt Nag‘ Hammadi aufs schärfste. Sieben Menschen, sechs Kopten und ein muslimischer Wachmann der Kirche, sind  den blindlings in die Menge abgefeuerten Schüssen zum Opfer gefallen.

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Gleichzeitig möchten wir insbesondere den Kopten in Österreich unser aufrichtiges Mitgefühl und Beileid aussprechen. Es ist eine schöne Geste, dass nun schon seit etlichen Jahren auch muslimische Vertreter zum orthodoxen Weihnachtsfest der Kopten eingeladen werden. .....

Diesen Geist gegenseitiger Anerkennung und Respekts suchen wir als Gläubige unterschiedlicher Bekenntnisse zu leben.

Umso deutlicher müssen die Worte in Richtung all jener ausfallen, die Hass und Zwietracht zu stiften suchen. Wenn das Schüren negativer Emotionen dann in blanke Gewalt umschlägt, wird sichtbar, wie gefährlich eine solche Saat der Feindschaft und der Intoleranz ist.

Als Muslime empfinden wir es als Frevel an den eigenen Glaubenswahrheiten das friedliche Zusammenleben der Religionen zu verletzen. Es ist zutiefst betrüblich und Besorgnis erregend, wie gerade zu religiösen Feiertagen mörderische Aggression unschuldige Opfer in den Tod reißt. Diese Feiertage sollten vielmehr auch das Verbindende der Religionen zu Bewusstsein bringen, gerade in ihrer sozialen Verantwortung.

Wien, am 7. Jänner 2010

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati

Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Mitglied des Obersten Rates

Tel. 06991 2381075 oder 01 2595449

e-mail: baghajati@aon.at

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2010-01-04 Türkisches Religionsamt für Öffnung der Pauluskirche in Tarsus

Ankara, 04.01.2010 (KAP) Das türkische staatliche Religionsamt (Diyanet Isleri Baskanli/DIB) hat sich dafür ausgesprochen, die Pauluskirche in Tarsus wieder als Gotteshaus zu öffnen. Diese Auffassung habe seine Behörde auch den zuständigen staatlichen Stellen übermittelt, sagte DIB-Leiter Ali Bardakoglu laut türkischen Medienberichten vom Montag.

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Die Kirche in Tarsus war während des vergangenen Paulusjahres vorübergehend für Gottesdienste geöffnet. Sie dient seitdem aber wieder als Museum. Kurienkardinäle und Bischöfe aus zahlreichen Ländern haben die Türkei mehrmals aufgerufen, die Kirche im
Geburtsort des Apostels Paulus wieder für Gottesdienste zu öffnen.

Bardakoglu sagte den Berichten zufolge, in der Türkei wie in der ganzen Welt habe die religiöse Toleranz möglicherweise nachgelassen. Sein Land müsse aber die Religionsfreiheit achten und etwaige Defizite beseitigen. "Wenn es an einem Ort eine christliche Gemeinde gibt und wenn diese eine Kirche einrichten will, dann müssen wir helfen", sagte der Leiter des Religionsamtes. Das gelte auch für die Pauluskirche.

Das Problem des seit den 1970er Jahren geschlossenen orthodoxen Priesterseminars Chalki bei Istanbul könne ebenfalls im Rahmen der Religionsfreiheit gelöst werden, sagte Bardakoglu. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte unterdessen die Öffnung des Seminars von Verbesserungen der Lage für die türkische Minderheit in Griechenland abhängig.

Das Priesterseminar wurde 1971 im Zuge eines Verbotes privater Hochschulen in der Türkei geschlossen. Wegen der fortdauernden Schließung sieht sich das Ökumenische Patriarchat in seiner Existenz bedroht. Nach türkischen Vorschriften darf das Patriarchenamt nur
von einem türkischen Staatsbürger bekleidet werden, der zudem in Istanbul leben muss. Solange das Seminar geschlossen ist, kann kein geistlicher Nachwuchs ausgebildet werden.

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2009-05-25 Christen und Muslime gemeinsam für Dialog und Demokratie

Tagung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog und des jordanischen Instituts für Interreligiöse Studien über "Religion und Zivilgesellschaft" - Kardinal Tauran: "Von den Religionen geht keine Gefahr aus"

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Amman-Vatikanstadt, 25.05.2009 (KAP) Christen und Muslime sollen gemeinsam für eine Kultur des Dialogs, gegen Gewalt und für den Aufbau demokratischer Staaten eintreten. Das geht aus dem Schlussdokument eines interreligiösen Treffens in der jordanischen Hauptstadt Amman hervor. "Religion und Zivilgesellschaft" war das Thema der gemeinsamen Tagung des Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien und des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Es sei notwendig, die Jugend zum Respekt und zum Dialog und zur Zurückweisung jeder Form von Gewalt zu erziehen, wird in dem Schlussdokument betont. Religionen spielten eine besondere Rolle beim Aufbau einer Gesellschaft, die nicht nur auf Machtstreben gründet, so die Teilnehmer des Treffens.

Kardinal Jean-Louis Tauran, der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, sagte dazu im Gespräch mit "Radio

Vatikan": "Es ist wichtig, dass die muslimischen Gläubigen mit uns übereinstimmen, dass unsere beiden Religionen Werte vermitteln sollen, die zum Aufbau von Kultur und Gesellschaft beitragen, damit die Menschen in Freiheit und gegenseitigem Respekt leben können. Von den Religionen geht keine Gefahr oder Bedrohung aus, sie leisten vielmehr einen Beitrag zum Gemeinwohl".

Die Nahost-Reise des Papstes habe in den Beziehungen zwischen Christentum und Islam zwar keine neue Seite aufgeschlagen, erklärte Tauran nach dem Treffen, doch die positive Resonanz auf den Besuch Benedikts XVI. in der Hussein-Moschee in Amman und im Jerusalemer Felsendom habe auch die Tagung positiv beeinflusst.

Die Ansprachen des Papstes hätten klar die Verbindung zwischen Vernunft und Glaube, zwischen Glaube und Kultur dargelegt, erinnerte

Tauran: "Ich denke, der Papst hat sehr gut gezeigt, wie die Gläubigen der drei großen Religionen Werkzeuge für den Frieden sein können. Nicht die Religionen führen Krieg, sondern einzelne ihrer Anhänger".

Eine nächste gemeinsame jordanisch-vatikanische Tagung ist innerhalb der nächsten zwei Jahre in Rom geplant.

(ende)

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2009-05-11 Jordanische Reaktion auf die Regenburger Rede und die Folgen .....

"Ich möchte Eurer Heiligkeit für das Bedauern danken, dass Sie nach der Regensburger Rede äußerten", sagte Prinz Ghazi gegenüber Papst Benedikt XVI. Und er verneigte sich vor dessen "Courage, seinem Gewissen zu folgen und es auszusprechen, egal, ob es gerade die Mode des Tages ist".

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Der SPIEGEL dazu: "Der Papst scheint am Hofe der Haschemiten respektierter zu sein als in weiten Landstriche nördlich der Alpen."

Sollte Europa doch auch nachdenken über seine Beziehungen zu Religionen, Islam, Kirche und Papst?

Vertreter des Königs von Jordanien stellt sich schützend hinter Benedikt XVI.

Prinz Mohammed Bin Ghazi Bin Talal dankt Papst Benedikt XVI. für Courage

AMMAN, 10. Mai 2009 (ZENIT.org).- Religionen dürften nicht politisch manipuliert werden, denn das sei der "wahre Katalysator für Spannung und Spaltung", bekräftigte Papst Benedikt XVI. gestern in Amman. "Die Muslime verehren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Und als an den einen Gott Glaubende wissen wir, dass die menschliche Vernunft selbst Gabe Gottes ist."

Religion schütze die Gesellschaft vor den "Auswüchsen eines ungezügelten Ego" und stelle sicher, "dass Freiheit Hand in Hand mit der Wahrheit ausgeübt wird".

Religionsfreiheit sei nicht nur eine Frage des Kultes, sondern meine etwa auch das Recht von Minderheiten auf volle Beteiligung am Arbeitsmarkt.

Viele islamische Religionsführer hätten an dieser Stelle auf eine formale Entschuldigung des Papstes für seine Regensburger Rede 2007 gehofft, berichtete Arab News heute. "Was der Papst gesagt hat, war keine Entschuldigung", stellte Hammam Said fest, Vorsteher der  Muslim-Bruderschaft in Jordanien und Professor der "University of Jordan". "Wir erwarteten, dass er sich klar entschuldigen würde", so Scheich Yusef Abu Hussein, Mufti aus Karak, gegenüber AFP nach der Rede des Papstes.

Sowohl AFP als auch Reuters würdigten in diesem Zusammenhang die Geste von Dr. Prinz Mohammed Bin Ghazi Bin Talal, dem Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Stiftung Ali Al-Beit für Islamisches Denken und Mitunterzeichner des Briefes der 138 islamischen Gelehrten an den Papst: "Dem Ratgeber des jordanischen Königs Abdallahs war es doch genug für ein versöhnliches Entgegenkommen", berichteten die genannten Nachrichtenagenturen.

"Ich möchte Eurer Heiligkeit für das Bedauern danken, dass Sie nach der Regensburger Rede äußerten", sagte Prinz Ghazi gegenüber Papst Benedikt XVI. Und er verneigte sich vor dessen "Courage, seinem Gewissen zu folgen und es auszusprechen, egal, ob es gerade die Mode des Tages ist".

"Freundlicher geht es kaum", kommentierte Spiegel online.

"Der Papst scheint am Hofe der Haschemiten respektierter zu sein als in weiten Landstriche nördlich der Alpen."

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2009-05-09 Amman- Religionsfreiheit ist mehr als Kultfreiheit

Die gemeinsame Sendung von Christen und Muslimen
Papst Benedikt XVI.: Religionsfreiheit ist mehr als Kultfreiheit: Begegnung mit muslimischen Religionsführern, Diplomaten und Universitätsrektoren

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AMMAN, 9. Mai 2009 (ZENIT.org).- Der Vormittag des zweiten Tages der Pilgerreise Benedikts XVI. ins Heilige Land fand mit dem Besuch der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman seinen Abschluss. Die Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee, die am 12. April 2006 eröffnet wurde, ist die größte Moschee Jordaniens. Der amtierende König Abdullah II. hatte sie für seinen 1999 verstorbenen Vater Hussein errichten lassen.

Nach dem Besuch begegnete Papst Benedikt vor der Moschee den muslimischen Religionsführern, dem Diplomatischen Korps und den Rektoren der jordanischen Universitäten.

Der Bischof von Rom hob in seiner Rede den positiven Beitrag hervor, den die Religion für das Erziehungswesen, die Kultur, den Sozialbereich und andere Sektoren der jordanischen Gesellschaft leiste. Der Widerspruch, der aufgrund von Spannungen und Spaltungen zwischen Anhängern verschiedener religiöser Traditionen entstehe, könne zwar nicht bestritten werden, aber oft sei es auch der Fall, dass die ideologische Manipulierung der Religion - manchmal zu politischen Zwecken - den wahren Katalysator für Spannung und Spaltung und gelegentlich sogar für Gewalt in der Gesellschaft darstelle. „Angesichts dieser Situation, in der die Gegner der Religion nicht nur danach trachten, ihre Stimme zum Schweigen zu bringen, sondern sie durch ihre eigene zu ersetzen, verspürt man um so brennender den Bedarf an Gläubigen, die ihren Prinzipien und Überzeugungen genau entsprechen."

Der Papst würdigte die Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee: Sie sei eine der Stätten des Kultes, die sich wie Juwele über den ganzen Erdkreis erhöben. „Jahrhunderte hindurch haben diese Heiligtümer Menschen zu ihren heiligen Orten angezogen, damit sie dort verweilen, beten, sich der Gegenwart des Allmächtigen bewusst werden und erkennen, dass wir alle seine Geschöpfe sind."

Die gemeinsame Sendung von Christen und Muslimen

Benedikt XVI. zeigte sich besorgt darüber, dass heute einige Menschen mit zunehmendem Nachdruck behaupteten, dass die Religion mit ihrem Anspruch gescheitert wäre, von ihrem Wesen her Brückenbauer und Stifter von Harmonie zu sein, ein Ausdruck der Gemeinschaft unter den Menschen und mit Gott. Gerade wegen der „Bürde ihrer gemeinsamen Geschichte" müssten Muslime und Christen bestrebt sein, als Gläubige erkannt und anerkannt zu werden - als Menschen des Gebetes, „die bemüht sind, die Gebote des Allmächtigen zu halten und ihnen gemäß zu leben, die barmherzig und mitfühlend sind, die konsequent alles Wahre und Gute bezeugen, die stets den gemeinsamen Ursprung und die Würde aller Menschen bedenken, die der Höhepunkt des göttlichen Schöpfungsplans für die Welt und die Geschichte bleiben".

Der Papst würdigte die Bemühungen der religiösen Führer und der Politiker Jordaniens im Erziehungswesen, die darauf abzielten, dass das öffentliche Gesicht der Religion ihr wahres Wesen zeigen könne. Ein großes Verdienst komme dabei den zahlreichen Initiativen des interreligiösen Dialogs zu, die von der königlichen Familie und der diplomatischen Gemeinschaft unterstützt würden und zeitweise in Verbindung mit dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog durchgeführt worden seien.

Gemeinsame Initiativen sollten daher Christen und Muslime dazu veranlassen, die wesentliche Beziehung zwischen Gott und seiner Welt noch gründlicher zu erforschen - „so dass wir miteinander bestrebt sein mögen sicherzustellen, dass die Gesellschaft mit der göttlichen Ordnung in Harmonie mitschwingt".

Das Miteinander von Glauben und Vernunft

Benedikt XVI. verwies anschließend auf die Aufgabe, die in der Herausforderung bestehe, „im Rahmen von Glaube und Wahrheit das enorme Potential menschlicher Vernunft zum Guten heranzubilden". Diesbezüglich bekräftigte der Heilige Vater: „Tatsächlich beschreiben die Christen Gott unter anderem als schöpferische Vernunft, die die Welt ordnet und leitet. Und Gott hat uns mit der Fähigkeit ausgestattet, an seiner Vernunft teilzuhaben und so gemäß dem Guten zu handeln. Die Muslime verehren Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Und als an den einen Gott Glaubende wissen wir, dass die menschliche Vernunft selbst Gabe Gottes ist und dass sie zu ihrem höchsten Niveau aufsteigt, wenn sie in das Licht der göttlichen Wahrheit getaucht ist."

Wenn die menschliche Vernunft durch den Glauben geläutert werde, so bedeute dies keine Schwächung, sondern eine Stärkung, „um der Überheblichkeit zu widerstehen und über ihre eigenen Grenzen hinauszugreifen". So werde die menschliche Vernunft darin bestärkt, „ihrem erhabenen Zweck zu folgen, der Menschheit zu dienen, wobei sie unser gemeinsames innerstes Streben zum Ausdruck bringt und den öffentlichen Diskurs lieber ausweitet, als ihn zu manipulieren oder einzuschränken".

Die Religion könne auf diese Weise die Gesellschaft von den Auswüchsen eines ungezügelten Egos schützen, das danach strebe, „das Endliche zu verabsolutieren und das Unendliche in den Schatten zu stellen". Ein derartiges Verständnis von Vernunft stelle eine Herausforderung dar: Christen und Muslime seien gemeinsam dazu berufen, alles zu suchen, was recht und richtig sei. So würden alle daran erinnert, dass die „gemeinsame menschliche Würde es ist, welche die allgemeinen Menschenrechte begründet, die für jeden Mann und jede Frau in gleicher Weise gelten, unabhängig von religiöser, sozialer oder ethnischer Zugehörigkeit". Und in diesem Zusammenhang verwies der Papst darauf, „dass das Recht auf Religionsfreiheit sich über die Frage des Kultes hinaus erstreckt".

Frieden im Irak!
Abschließend gedachte Benedikt XVI. der Menschen im benachbarten Irak, von denen viele in Jordanien Zuflucht und Aufnahme gefunden haben. Der Heilige Vater forderte eine Fortsetzung der Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Förderung des Friedens und der Versöhnung. „Möge die Vernunft, die von der Größe der göttlichen Wahrheit geadelt wird und in Demut vor ihr steht, fortfahren, das Leben und die Institutionen dieser Nation zu formen. So mögen die Familien blühen und alle in Frieden leben und dabei zur Kultur beitragen und von ihr Nutzen ziehen, die dieses ehrwürdige Königreich eint!"

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2009-05-09 Der christlich-jüdisch-muslimische Dialog ....

Die Präsenz der Christen im Heiligen Land und der christlich-jüdisch-muslimische Dialog. (pressegespräch mit Papst Benedikt XVI. im Flugzeug.

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AMMAN, 9. Mai 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen den zweiten Teil des Gesprächs, das Papst Benedikt XVI. gestern, Freitag, auf dem Flug von Rom nach Amman (Jordanien) mit den Journalisten geführt hat, die ihn auf seiner Pilgerreise ins Heilige Land begleiten.

-- P. Lombardi: Heiligkeit, diese Reise hat zwei wesentliche Dimensionen des interreligiösen Dialogs: mit dem Islam und mit dem Judentum. Sind das zwei Richtungen, die nichts miteinander zu tun haben, oder wird es auch eine gemeinsame Botschaft geben, eine Botschaft, die mit allen drei Religionen zu tun hat, die sich auf Abraham beziehen?

-- Benedikt XVI.: Sicherlich gibt es auch eine gemeinsame Botschaft, und es wird Gelegenheit geben, sie darzulegen. Und auch wenn es einen Unterschied in den Ursprüngen gibt, so besitzen wir doch gemeinsame Wurzeln, weil - wie ich schon gesagt habe - das Christentum aus dem Alten Testament hervorgeht und das Neuen Testament ohne das Alte nicht existieren würde, da es sich andauernd auf die „Schrift" bezieht, das heißt auf das Alte Testament. Aber auch der Islam ist in einer Umgebung entstanden, in der sowohl der Judaismus als auch die verschiedenen Zweige des Christentums (...) präsent waren, und all diese Umstände spiegeln sich in der Tradition des Korans wieder.

So haben wir also von unseren Ursprüngen her vieles gemeinsam  und auch im Glauben an den einen Gott. Deshalb ist es wichtig, auf der einen Seite den Dialog mit beiden Seiten beizubehalten, mit den Juden und mit dem Islam, und auf der anderen Seite auch einen dreiseitigen Dialog zu führen. Ich selbst habe eine Stiftung für den Dialog zwischen den drei Religionen mitgegründet, in der Persönlichkeiten wie der Metropolit Damaskinos und der Oberrabbiner von Frankreich, René Samuel Sirat, usw. vereint waren, und diese Stiftung hat auch eine Ausgabe der Bücher der drei Religionen veröffentlicht: Koran, Neues Testament und Altes Testament. Aus diesem Grund muss der dreiseitige Dialog weitergehen. Er ist sehr wichtig für den Frieden und auch - sagen wir es so -, um die eigene Religion gut zu leben.

-- Eine letzte Frage: Heiligkeit, Sie haben oft das Problem des Rückgangs der Christen im Nahen Osten und in besonderer Weise im Heiligen Land angesprochen. Es handelt sich um ein Phänomen, das verschiedene Gründe hat, die politischer, wirtschaftlicher und sozialer Natur sind. Was kann man konkret tun, um die christliche Präsenz in der Region zu unterstützen? Welchen Beitrag hoffen Sie mit Ihrer Reise zu leisten? Gibt es in der Zukunft für diese Christen Hoffnung? Werden Sie auch eine besondere Botschaft für die Christen von Gaza haben, die Sie in Bethlehem treffen werden?

-- Benedikt XVI.: Sicherlich gibt es Hoffnung, denn jetzt ist, wie Sie gesagt haben, zwar ein schwieriger Moment, aber auch ein Augenblick der Hoffnung, des Neuanfangs, eines neuen Impulses auf dem Weg zum Frieden, und wir wollen die Christen im Heiligen Land und im ganzen Nahen Osten ermutigen, zu bleiben, ihren Beitrag in diesen Ländern ihrer Ursprünge zu leisten: sie sind ein wichtiger Bestandteil der Kultur und des Lebens dieser Regionen.

Konkret hat die Kirche neben Worten der Ermutigung, neben dem gemeinsamen Gebet, vor allem Schulen und Krankenhäuser. In diesem Sinn haben wir die Präsenz von sehr konkreten Wirklichkeiten: unsere Schulen bilden eine Generation aus, die die Möglichkeit haben wird, im öffentlichen Leben präsent zu sein. Wir sind dabei, in Jordanien die katholische Universität zu gründen: dies scheint mir eine großartige Perspektive, wo die jungen Menschen - sowohl Muslime als auch Christen - zusammenkommen, gemeinsam lernen, wo sich eine christliche Elite bildet, die vorbereitet ist, um gerade für den Frieden zu arbeiten. Aber im Allgemeinen sind unsere Schulen eine sehr wichtige Gelegenheit, um den Christen eine Zukunft zu eröffnen, und die Krankenhäuser zeigen unsere Präsenz.

Darüber hinaus gibt es viele christliche Vereinigungen, die den Christen auf unterschiedliche Weise helfen und ihnen mit konkreten Unterstützungen Anreize geben, damit sie bleiben. So hoffe ich, dass die Christen wirklich den Mut, die Demut, die Geduld aufbringen können, in diesen Ländern zu bleiben, ihren Beitrag zur Zukunft dieser Länder anzubieten.

-- P. Lombardi: Danke, Heiligkeit. Mit diesen Antworten haben Sie uns geholfen, unsere Reise von einem spirituellen Gesichtspunkt, einem kulturellen Gesichtspunkt aus richtig einzuordnen. Ich wiederhole die Glückwünsche, auch seitens aller Kollegen, die bei diesem Flug dabei sind, und auch seitens anderer, die gerade ins Heilige Land fliegen, um gerade auch vom Gesichtspunkt der Information her mitzuwirken und zu helfen, damit diese Ihre so anspruchsvolle Mission erfolgreich ist. Ihnen und allen Ihren Mitarbeitern einen guten Flug, und gute Arbeit auch meinen Kollegen!

[Transkription von Radio Vatikan, ZENIT-Übersetzung von Domink Hartig]

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2009-05-09 Christen und Juden sind untrennbar miteinander verbunden

Papst Benedikt XVI. am Berg Nebo: Mit Glauben und Hoffnung auf die Zukunft blicken

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AMMAN, 9. Mai 2009 (ZENIT.org).- Zu Beginn seines zweiten Tages in Jordanien besuchte Papst Benedikt XVI. am heutigen Morgen die antike byzantinischen Basilika der Moses-Gedenkstätte auf dem Berg Nebo. Der Heilige Vater betonte an dem altehrwürdigen Ort, von dem aus Moses das gelobte Land sehen durfte, aber sterben musste, ohne es selbst zu betreten (vgl. Dt 32,38-50; 34,1-5), dass uns die alte Tradition der Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten an „das unzertrennbare Band zwischen der Kirche mit dem jüdischen Volk" erinnere.

„Von Anfang an hat die Kirche in diesen Ländern in ihrer Liturgie der großen Gestalten der Patriarchen und Propheten gedacht, als Zeichen ihrer großen Wertschätzung für die Einheit der beiden Testamente. Unsere heutige Begegnung schenke uns eine neue Liebe zum Kanon der Heiligen Schrift und ein Verlangen, alle Hindernisse auf dem Weg der Versöhnung zwischen Christen und Juden in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit im Dienst des Friedens, zu dem uns das Wort Gottes ruft, zu überwinden!"

In seiner Ansprache am symbolträchtigen Ort, der dem Judentum und dem Christentum in gleicher Weise heilig ist, dankte Benedikt XVI. vor allem auch den Franziskanern der Kustodie für ihre jahrhundertelange Präsenz im Heiligen Land.

Es sei angemessen, dass seine Pilgerreise auf diesem Berg beginne, von dem Moses aus der Ferne aus das verheißene Land erblickt habe: „Die wunderbare Aussicht vom Vorplatz dieses Heiligtums lädt uns ein, darüber nachzudenken, wie jene prophetische Vision auf geheimnisvolle Weise den großen Heilsplan umfasste, den Gott für sein Volk vorbereitet hatte." Auf den Höhen des Bergs Nebo lade das Gedenken an Moses ein, nicht nur voller Dankbarkeit Gottes große Taten in der Vergangenheit zu betrachten, sondern auch voller Glauben und Hoffnung in die Zukunft zu blicken.

Moses habe das verheißene Land am Ende seines irdischen Pilgerwegs aus der Ferne betrachtet. Sein Beispiel erinnere die Menschen auch heute noch daran, dass sie ebenfalls ein Teil der die Zeiten überdauernden Pilgerschaft des Gottesvolkes durch die Geschichte seien. „Auf den Spuren der Propheten, der Apostel und der Heiligen sind wir berufen, mit dem Herrn zu gehen, seine Sendung weiter zu tragen, für die Frohbotschaft von Gottes allumfassender Liebe und von seinem Erbarmen Zeugnis zu geben."

Auftrag der Christen sei es, durch die Nächstenliebe und das Bemühen, Sauerteig der Versöhnung, der Vergebung und des Friedens in der Welt zu sein, zum Kommen des Reiches Christi beizutragen.

„Seit frühester Zeit sind die Christen zu den Stätten gepilgert, die in Verbindung mit der Geschichte des auserwählten Volkes, mit den Ereignissen des Lebens Christi und mit den Anfängen der Kirche in Verbindung stehen", so der Papst. Absicht seiner Reise sei es, diese Tradition fortzusetzen und im Gebet und in der Betrachtung jene Stätten zu sehen, zu berühren und auszukosten, die durch die körperliche Gegenwart Jesu Christi, seiner Mutter, der Apostel und der ersten Jünger, die ihn nach seiner Auferstehung von den Toten gesehen hätten, gesegnet worden seien.

„Hier auf den Spuren der unzähligen Pilger, die uns in allen Jahrhunderten vorausgegangen sind, sind wir herausgefordert, das Geschenk unseres Glaubens in größerer Fülle schätzen zu lernen und in jener Gemeinschaft zu wachsen, die alle Grenzen der Sprache, der Rasse und der Kultur überwindet."

Abschließend brachte der Heilige Vater die Hoffnung zum Ausdruck, dass seine Begegnung mit den Juden eine neue Liebe zum Kanon der Heiligen Schrift zur Folge haben werde sowie das Verlangen, „alle Hindernisse auf dem Weg der Versöhnung zwischen Christen und Juden in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit im Dienst des Friedens, zu dem uns das Wort Gottes ruft, zu überwinden".

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2009-05-07 Interreligiöser Dialog Christentum und Islam in Österreich ....

Der interreligiöse Dialog zwischen Christentum und Islam könne nur dann zur Verständigung und zu einem friedvollen Miteinander beitragen, wenn das gegenseitige Wissen von der Religion des jeweils anderen weiter vertieft wird.
Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich betont "Verantwortung aller Gläubigen vor Gott für den Frieden" - Generalsekretäre der Europäischen Ökumenischen Räte tagten in St. Pölten und Wien

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Wien, 30.04.09 (KAP) Der interreligiöse Dialog zwischen Christentum und Islam könne nur dann zur Verständigung und zu einem friedvollen Miteinander beitragen, wenn das gegenseitige Wissen von der Religion des jeweils anderen weiter vertieft wird. Dies betonte der lutherische Altbischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Herwig Sturm, im Gespräch mit "Kathpress". Anlass des Gesprächs war die jährliche Tagung der Generalsekretäre der europäischen Ökumenischen Räte, die heuer vom 27. bis 30. April in St. Pölten und Wien stattfand. Thematisch standen Fragen einer intensiveren Begegnung von Christen und Muslimen im Mittelpunkt der Tagung.

Unter den angereisten 16 Teilnehmern habe es einen breiten Konsens in der Wahrnehmung gegenseitiger Informationsdefizite gegeben, so Sturm. "Wir wissen viel zu wenig voneinander. Nur wenige Christen wissen wirklich, was ein Muslime glaubt. Und auch im Islam gibt es oft sehr skurrile Vorstellungen vom Christentum", sagte der ÖRKÖ-Vorsitzende. Daher wolle man auch ein gemeinsames Papier verabschieden, in dem die beteiligten Kirchen auf die "gemeinsame und einander verbindende Verantwortung aller Gläubigen vor Gott für den Frieden" hinweisen und zu gegenseitigen Begegnungen ermutigen wollen.

Beeindruckt haben sich die Teilnehmer von der Art des Umgangs mit dem Islam in Österreich gezeigt, so Sturm weiter. Österreich genieße nicht zuletzt aufgrund der nahezu 100 Jahre alten Tradition der staatlichen Anerkennung des Islam eine "Vorbildfunktion". Auch die Tatsache, dass man mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) einen einheitlichen Repräsentanten und Gesprächspartner des Islam habe, werde von den Teilnehmern mit Interesse verfolgt.

Die Tagung fand im St. Pöltener Bildungshaus St. Hippolyt statt. Neben der Diskussion von Grundsatzreferaten und Berichten aus den jeweiligen Teilnehmerländern standen darüber hinaus auch Besuche in einer Wiener Moschee und in der Wiener Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) sowie eine Führung durch den Stephansdom auf dem Programm. Beeindruckt zeigte sich Sturm vom Besuch der Moschee. Als vorbildhaft etwa auch für christliche Kirchen bezeichnete der ÖRKÖ-Vorsitzende die regelmäßigen Tage der offenen Tür in der Moschee. Hier werde bewusst die Begegnung auch mit Andersgläubigen gesucht; eine Offenheit, die er bei manchen christlichen Kirchen vermisse, so Sturm.

Zu einem intensiven Austausch insbesondere über die Fragen des islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in Österreich kam es dann bei der Begegnung mit der Pressereferentin der IGGiÖ, Carla Amina Baghajati, und der islamischen Religionspädagogin Amena Shakir in der IRPA. In Österreich gibt es derzeit rund 45.000 muslimische Schüler, denen rund 400 islamische Religionslehrer gegenüber stehen.

Baghajati betonte bei dem Gespräch das hohe Maß an Anerkennung, das die islamische Religionspädagogik von Seiten des Staates aber auch an den öffentlichen Schulen genieße. Zwar gebe es insbesondere im Blick auf die Unterrichtszeiten, die oft in den Nachmittagsstunden liegen, noch Verbesserungsbedarf, doch gebe es bereits eine breite Kooperation und oftmals fächerübergreifende Projekte auch mit katholischen und evangelischen Religionslehrern.

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2009-03-19 Domführung für muslimische Religionspädagogik-Studenten

Wiener Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl führte die Gruppe "im Geist Kardinal Königs" durch den Stephansdom

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Wien, 18.3.09 (KAP) Eine christlich-muslimische Begegnung "der besonderen Art" fand im Wiener Stephansdom statt: Auf ausdrücklichen Wunsch von muslimischer Seite führte die Wiener Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl eine Gruppe von 25 muslimischen Studierenden der Religionspädagogik rund drei Stunden durch den Stephansdom. Es sei eine "offene und von wohlwollendem Interesse" geprägte Begegnung gewesen, so Annemarie Fenzl im Gespräch mit "Kathpress". Beeindruckt habe sie das detaillierte Wissen der jungen muslimischen Besucher über das Christentum.

Zu den Stationen der Führung zählte u.a. das Grab Kardinal Königs in der Unterkirche. Sie habe die Führung als Beitrag zur Verständigung der monotheistischen Religionen "ganz im Geiste Kardinal Königs" angelegt, sagte Annemarie Fenzl. Die Persönlichkeit Kardinal Königs sei den muslimischen Studierenden wohlbekannt gewesen. Besondere Zustimmung habe sie für den von Kardinal König stammenden Hinweis geerntet, dass Christen und Muslime nur durch die Überwindung der gegenseitigen Ängste und Vorurteile zu einem besseren und friedvollen Miteinander finden können. Eine Erweiterung des Wissens über die Religion des jeweils Anderen sei da ein wesentlicher Schritt. Die Domführung sei auch für sie selbst "eine spannende Bereicherung"

gewesen, da sie durch die Fragen der muslimischen Studierenden den Dom "mit ganz anderen Augen" kennengelernt habe, so die Diözesanarchivarin.

Großen Zuspruch fand unter den Studierenden vor allem ein Zitat Kardinal Königs, mit dem Annemarie Fenzl die Führung eröffnet. Es stammt aus einem Vortrag Kardinal Königs vor dem "Lions Club"

Wien-Europa am 5. Dezember 1994 unter dem Titel "Christentum und Islam - Möglichkeiten und Grenzen eines Dialoges". Wörtlich heißt es in dem Zitat: "Es gehört zu den weitreichenden, die Menschheit belastenden Missverständnissen, dass die drei monotheistischen Religionen - Judentum, Christentum, Islam - untereinander durch geschichtliche Missverständnisse und Vorurteile verfeindet, zerstritten und von einem an der Wurzel sitzenden Misstrauen erfüllt sind...Es ist tragisch, dass diese drei ganz klar monotheistischen Religionen, für die es keine Parallele in der Religionsgeschichte der Menschheit gibt, ihre gemeinsame religiöse Basis noch immer nicht sehen. Denn gerade heute sollten sie sich gemeinsam einsetzen für Völkerverständigung, Gerechtigkeit und Frieden. Und das alles im Namen des einen, einzigen Gottes, des Schöpfers des Universums und des Menschen, der nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen ist".

Interreligiöse Führungen

Im Gespräch mit "Kathpress" kündigte Annemarie Fenzl an, dass sie gemeinsame interreligiöse Führungen im Stephansdom für Christen, Juden und Muslime erwäge. Es gebe zahllose Gemeinsamkeiten in den drei monotheistischen Religionen, denen sich auch im Stehpansdom nachspüren lasse. Solche Führungen könnten helfen, "den anderen besser zu verstehen und Gemeinsamkeiten zu erkennen", so Fenzl.

Über die wechselvolle Geschichte der Juden im Spiegel des Wiener Stephansdoms hat Fenzl bereits eine eigene Führung konzipiert. Den Stephansdom dabei als "christlich-jüdisches Denkmal" zu begreifen, sei insbesondere für Christen "nicht ganz einfach". Orte, an denen dieses schwierige Thema in besonderer Weise greifbar wird, sind etwa die Barbarakapelle mit ihrem spätbarocken Kruzifix, in dessen Fuß zwei mit Asche aus Auschwitz und Mauthausen gefüllte Kapseln eingelassen sind, die Reliquienkammer und das Hauptportal des Domes.

(ende)

18.03.2009 13:48

K200902707

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2009-01-31 Christen und Muslime gemeinsam für Qualität im Religionsunterricht

Christlich-islamischer Begegnungsabend im Erzbischöflichen Palais, Kardinal Schönborn bietet Islamischer Glaubensgemeinschaft verstärkte Kooperation im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Religionslehrern an (KATHPRESS 31.1.2016)

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Wien, 31.1.09 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) eine verstärkte Kooperation im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Religionslehrern angeboten. Bei einem christlich-islamischen Begegnungsabend am Freitag im Wiener Erzbischöflichen Palais, an dem u.a. auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Prof. Anas Schakfeh, teilnahm, erinnerte Schönborn an die Pflicht der Kirchen und Religionsgemeinschaften, ihre Verantwortung für die Qualität des konfessionellen Religionsunterrichts auch wirklich wahrzunehmen.

"Wir als katholische Kirche tun das in der jetzigen schwierigen Situation, indem wir die Hand ausstrecken und ein verlässliches Angebot machen: Wir sind bereit, die Entwicklung des islamischen Religionsunterrichts noch stärker als bisher mit Rat und Tat zu begleiten und unsere Erfahrungen zu teilen", sagte der Wiener Erzbischof.

Die katholische Kirche, so der Kardinal, mache dieses Angebot auch, weil die Anstrengungen der Islamischen Glaubensgemeinschaft bekannt seien, sich für eine Qualität des Unterrichts einzusetzen, die den "rechtlichen Standards in Österreich und Europa" entsprechen. Dazu gehöre zweifellos auch das Bekenntnis "zur Demokratie und zu den Menschenrechten", so Schönborn.

Den konfessionellen Religionsunterricht, der allen gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften "in vorbildlicher religionsrechtlicher Offenheit" ermöglicht werde, bezeichnete Schönborn als "kostbaren Wert". Dieser Unterricht gebe "den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, mit ihren religiösen und kulturellen Wurzeln vertraut zu werden". Nur so könne sich eine eigene, wohl begründete persönliche Überzeugung entwickeln.

IGGiÖ-Präsident Schakfeh dankte dem Wiener Erzbischof bei der Veranstaltung für die angebotene vertiefte Zusammenarbeit, die sich etwa in den Kontakten zwischen der IGGiÖ und dem Wiener Erzbischöflichen Schulamt bereits "bewährt" habe. "Wir nehmen die Sache ernst", sagte Schakfeh zur laufenden Debatte um den islamischen Religionsunterricht. Die Islamische Glaubensgemeinschaft habe Untersuchungen eingeleitet. Man wolle nüchtern und sachlich geeignete Maßnahmen treffen. "Emotionen sind nicht immer ein guter Ratgeber", unterstrich Schakfeh.

Er sei aber auch betroffen über die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe auf die Islamische Glaubensgemeinschaft, sagte Schakfeh; es werde so getan, "als ob alle muslimischen Religionslehrer antidemokratisch und fanatisch sind". Selbst die derzeit in der Diskussion stehende Studie zeige, "dass die absolute Mehrheit der muslimischen Religionslehrer nicht so ist"; fast 80 Prozent der befragten Lehrer hätten sehr positive Antworten gegeben. Gleichzeitig erneuerte Schakfeh seine Kritik an den Fragestellungen und den Methoden der Studie: "Ich bin überzeugt: Hätte man die Lehrer direkt nach dem Stellenwert der Demokratie gefragt, hätten sie eine andere Antwort gegeben".

  

Katholische Schule mit muslimischen Religionslehrern

  

Im Zentrum des Festprogramms bei dem christlich-muslimischen "Abend des Kennenlernens" stand die Präsentation des katholischen Schulzentrums der Schulschwestern in der Friesgasse in Wien-Fünfhaus.

Das Gymnasium hat als erste katholische Privatschule islamische Religionslehrer eingestellt. Derzeit bieten drei muslimische Lehrer Religionsunterricht für rund 150 muslimische Schülerinnen und Schüler an, die die katholische Privatschule besuchen. Im Gebäude wurde auch ein eigener muslimischer Gebetsraum eingerichtet.

"Die Friesgasse ist nicht nur Modell für pluralistisches Leben in der Schule, sondern auch ein Beispiel, wie das Zusammenleben bereichert und wie wir aufeinander zugehen können", stellte Kardinal Schönborn fest. Auch IGGiÖ-Präsident Schakfeh würdigte die "hervorragende Atmosphäre" in der Schule: "Es geht nicht um Toleranz, die gibt es woanders auch. Im Schulzentrum Friesgasse gibt es Respekt - und dafür bin ich dankbar".

"Wir wollen eine Übungsschule des Friedens sein", sagte die Direktorin des Schulzentrums, Hofrätin Sr. Beatrix Mayerhofer. Das ehrliche Miteinander zwischen Menschen mit unterschiedlichen Religionsbekenntnissen, das sich alle Welt für die Zukunft wünsche, werde im Schulzentrum gelebt, so Sr. Beatrix. Unter den 1.500 Kindern und Jugendlichen, die im gesamten Schulzentrum - es umfasst neben einer AHS auch eine Handelsschule, eine kooperative Mittelschule und eine Volksschule - fänden sich Schüler mit 40 verschiedenen Muttersprachen und 20 verschiedenen Religionsbekenntnisse. Der selbstverständliche Umgang und der Respekt für alle Religionen fördere das gegenseitige Verständnis und den Zusammenhalt unter den Schülern, betonte Sr. Mayerhofer.

  

Vertrauen zwischen Christen und Muslimen wächst

  

Zum "Abend des Kennenlernens" hatte Kardinal Christoph Schönborn Vertreter türkisch-islamischer und katholischer Organisationen eingeladen. Anwesend waren neben Prof. Schakfeh u.a. der türkische Botschafter Selim Yenel, Generalkonsul Sedat Önal und Botschaftsrat Mehmet Emin Cetin sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter türkisch-islamischer Vereinigungen, u.a. von "ATIB" (dem österreichischen "Ableger" des türkischen staatlichen Religionsamtes "Diyanet"). Auch Delegationen der "Muslimischen Jugend" und alevitischer Vereine nahmen teil.

Der Abend war die Fortsetzung einer Initiative von Dechant Martin Rupprecht, der die Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung der Erzdiözese Wien, leitet. Zum ersten Mal hatte Kardinal Schönborn im Dezember 2006 zu einem solchen Treffen eingeladen.

Dechant Rupprecht, der selbst gut türkisch spricht, hat bereits viele "Brücken des Verstehens" zwischen Christen und Muslimen in Wien gebaut. So knüpft er Kontakte zwischen katholischen Pfarrern und muslimischen Imamen und arrangiert Begegnungen zwischen muslimischen und christlichen Familien aus Anlass des islamischen Fastenmonats Ramadan. Zuletzt wurde eine Plattform für christlich-muslimische Paare gestartet.

Eine Frucht der neuen Kontakte war die Türkei-Reise von Kardinal Christoph Schönborn im vergangenen Herbst, als der Wiener Erzbischof auf Einladung des Präsidenten des türkischen Religionsamtes ("Diyanet"), Prof. Ali Bardakoglu, u.a. das Istanbuler "Zentrum für Islamforschung" (ISAM) besuchte und einen Vortag an der Islamisch-Theologischen Fakultät der Universität Ankara hielt. Der wichtige Besuch hat das Vertrauen vieler islamischer Organisationen in die katholische Kirche in Österreich nachhaltig gestärkt. (ende)

31.01.2009 12:07

K200901074

  

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2009-01-30 Islamischer Religionsunterricht

Ja zu konstruktiver Kritik -  Nein zu Diffamierung, Stellungnahm der Islamischen Glaubensgemeinschaft

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Im Schlechten liegt auch das Gute. - Angenehm kann für alle Beteiligten das Ergebnis einer der breiten Öffentlichkeit bisher nur in Auszügen bekannten Studie, bei der islamische Religionslehrer befragt wurden, gewiss nicht sein - genauso wenig der skandalheischende Umgang mancher Medien damit. In der Gemeinschaft ist die Betroffenheit groß. Nicht nur die Lehrerschaft fühlt sich an den Pranger gestellt. Generell wächst die Sorge, negativen Stereotypen und Ängsten gegen Muslime werde in einer Weise Nahrung gegeben, dass ernste Auswirkungen auf das gesellschaftlichen Klima in Österreich die Folge sind. Nun gilt es gerade in diesen Turbulenzen einen womöglich noch zielsichereren Kurs für die Zukunft zu finden. Durch die Debatte der letzten Tage aufgeworfene Fragen sind ernst zu nehmen.

So wie die Islamische Glaubensgemeinschaft in den vergangenen Jahren erfolgreich einen Schwerpunkt setzte, das Bewusstsein zu fördern, dass es absolut vereinbar ist, sich gleichzeitig als Muslim und als Österreicher zu fühlen und Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten zu bejahen und zu leben, muss es zutiefst betroffen machen, wenn gerade bei manchen möglichen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren dieses Gedankens anscheinend noch Nachholbedarf besteht. Von der Islamischen Glaubensgemeinschaft abgehaltene Imamekonferenzen hatten die Vereinbarkeit einer Identität als Muslim und Europäer theologisch begründet ausgeführt und nachhaltig zur Bewusstseinsbildung beigetragen.

  

Jetzt gilt es sachlich, nüchtern und fair eine Analyse der kompletten Studie vorzunehmen, um daraus Schlüsse für künftiges Handeln zu ziehen. Diese werden in zwei wesentliche Richtungen gehen: Aufklärung und noch mehr Präsenz der Fachinspektoren in Bezug auf den konkreten Unterricht, die ja nicht nur für Administratives zuständig sind, sondern auch bei Inhalten und Stil für Qualität zu sorgen haben. Schon seit einigen Wochen steht fest, dass Themenschwerpunkte der Lehrerfortbildung um die Begriffe „Demokratie" und „Menschenrechte" kreisen werden.

  

Festzuhalten ist, dass die Studie mit Zustimmung der Islamischen Glaubensgemeinschaft erfolgte. Die Fragebögen wurden bei einer Lehrerversammlung im Sommer 2007 verteilt. In der Selbstverständlichkeit die Freiheit der Wissenschaft zu respektieren war rückblickend verabsäumt worden, in die Formulierung der Fragestellung einzugreifen. Es hätte auffallen müssen, dass irritierende Wendungen darunter waren, die suggestiv eine Antwort vorgeben - was wohl auch nicht im Sinne eines fundierten Ergebnisses sein kann. Wenn bei den Fragen nach Demokratie und Menschenrechten der Anschein erweckt wird, dabei handle es sich um Gegensätze zum Islam, ist dies problematisch. Werden diese als a priori unvereinbar mit dem Islam dargestellt, mag dies zur negativen Antwort verleiten. Bei einer klaren Formulierung wie: „Sind Islam und Demokratie vereinbar?" wäre ein anderes Ergebnis zu erwarten gewesen. Dann steht zu vermuten, dass nicht 78 %, sondern an die 100 % die Demokratie bejaht hätten.

  

Eine ständige Qualitätssicherung und -steigerung  des islamischen Religionsunterrichtes ist seit Jahren nicht nur ein Anliegen der islamischen Glaubensgemeinschaft, sondern hier werden kontinuierlich wichtige Maßnahmen gesetzt. Dazu gehören an erster Stelle die Schaffung adäquater Bildungseinrichtungen für Religionslehrer: die IRPA für die Ausbildung, das IHL für die Fortbildung bereits in Dienst stehender Lehrer und die Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien. Im Auswahlverfahren der Lehrer ist eine strukturierte Aufnahmsprüfung generell Pflicht, auch für Absolventen der IRPA. Die Erhöhung der Zahl der Fachinspektoren von einer Person auf inzwischen acht brachte Verbesserungen für den Unterrichtsstil. Heute werden zusätzlich zu den Büchern Arbeitsblätter und anderes didaktische Material eingesetzt. Methodenvielfalt ersetzt den früher oft üblichen Frontalunterricht und schafft ein Klima, in dem sich die Schüler zu Mündigkeit entwickeln können. Die Ziele des Religionsunterrichtes, Orientierung gerade in der Frage der Identität zu geben, werden damit besser umgesetzt. (siehe auch die unten angeführten „Ziele des Religionsunterrichtes", bzw. http://www.derislam.at/islam.php?name=Themen&pa=showpage&pid=154 )  Stundenverlaufspläne sind an Stelle der bloßen Themenvorgabe durch den Lehrplan getreten und geben Unterrichtenden praktische Anleitung. Diese fließen auch in das Großprojekt einer Neuformulierung des Lehrplans ein.

  

Eine konkrete Beschuldigung gegen uns namentlich bekannte Personen liegt nicht vor. In der Studie geht es lediglich um eine statistische Erhebung. Wenn eine konkrete Person in der Klasse je Schülerinnen und Schüler anti-demokratisch oder die Prinzipien des österreichischen Rechtsstaates angreifend zu beeinflussen suchte, so würde dies - so erwiesen - geahndet.

  

Der islamische Religionsunterricht stellt ein wesentliches Mittel im Sinne der Integration in Österreich lebender Muslime dar. Dieser großen Chance und Verantwortung gewissenhaft nachzukommen und dabei Bereitschaft zu ständigen Verbesserungen zu haben, muss einen selbstverständlichen Arbeitsauftrag der Islamischen Glaubensgemeinschaft bilden.

  

Wien, am 29. Jänner 2009

  

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft

  

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati

Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Tel. 01 2595449 oder 06991 2381075

  

Ziele des Islamunterrichtes an öffentlichen Schulen

- Einheitliche und gesicherte Inhalte
Der Islam steht zunehmend im Brennpunkt. Umso wichtiger ist es für die muslimische Minderheit in Österreich der Jugend eine solide und ausgewogene Vermittlung religiöser Inhalte weitergeben zu können, die sowohl inhaltlich hochwertig ist, als pädagogischen Ansprüchen Folge leistet.

- Betonung des islamischen Weges der Mitte
Eine solide Ausbildung über islamische Inhalte gepaart mit einer zu eigenem kritischen Denken anregende Unterrichtsführung erzieht zu einer Haltung der Mäßigung, der Bewusstheit der eigenen gesellschaftlichen Verantwortung im Sinne des Gemeinwohls und einem ethischen Handeln, das auf gegenseitigen Respekt und Verständnis ausgerichtet ist. Der Islam bietet eine Fülle von Inhalten, die mit dem modernen Begriff „Friedenserziehung" zu beschreiben sind. Hier liegt ein Schwerpunkt der Arbeit der LehrerInnen.

- Förderung der eigenen Identität
Der Islamunterricht führt Kinder und Jugendliche zusammen, die aufgrund ihrer Herkunft einen unterschiedlichen Hintergrund haben. So wird eine lebendige Reflexion über die eigene Identität als Muslime gefördert. Das Verbindende steht im Vordergrund und jegliche chauvinistische Nationalismen werden im Rahmen der antirassistischen Ausrichtung des Islam kritisch zurückgewiesen. Gerade für junge Menschen der zweiten und dritten Generation bietet der Religionsunterricht eine wichtige Orientierung und einen geschützten Raum, um über die eigene soziale Rolle nachzudenken.

- Bewusstmachung der Kompatibilität einer islamischen Lebensweise mit dem Gefühl der Zugehörigkeit zu Österreich und Europa
Die Frage nach der Integration des Islam in Europa kann im Unterricht aufgegriffen werden und im Gespräch mit den SchülerInnen die Vereinbarkeit ihrer Identität als Muslime und Menschen, die den Lebensmittelpunkt Österreich teilen, herausgearbeitet werden.

- Umgang mit Vielfalt
Indem der Reichtum innerhalb des Islam für die SchülerInnen durch die Berücksichtigung der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und islamischen Rechtsschulen erfahrbar wird, werden auch Ansätze für eine positive Bewertung vielfältiger Zugänge geliefert, die zugleich vielfältige Lösungsmodelle anbieten können. Dabei unterstützt die gemeinsame Basis der zentralen Kernaussagen des Islam den innermuslimischen Diskurs, der hier einen einigenden Rückhalt findet.

- Förderung des konstruktiven innermuslimischen Dialogs
Muslime in Europa sehen sich einer Vielzahl von Herausforderungen gegenüber. Die Schule als ein Ort der Bildung schafft Voraussetzungen dafür, dass Muslime in Österreich ihr eigenes Profil gewinnen können und im späteren Leben fähig sind, kritisch und eigenständig an aktuelle Fragen zu gehen. Schließlich regt der Islamunterricht auch zu einer Beschäftigung mit Unterschieden zwischen Tradition und islamischer Lehre an.

- Eintreten für Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen
Die kritische Auseinandersetzung mit Traditionen, die mit dem Islam scheinbar begründet werden, aber diesem mitunter zuwiderlaufen, ist gerade bei der Behandlung der Stellung der Frau wichtig und kann helfen, alte dem Islam widersprechende Rollenmuster zu revidieren.

- Kompetenz im Umgang mit Vielfalt in der eigenen Gruppe als Schlüssel zu einer generellen Bejahung von Vielfalt
Unsere Gesellschaft ist pluralistisch und „Diversität" längst ein Fachwort, das Eingang in die Beschäftigung mit Wegen gefunden hat, die uns diese Vielfalt als gemeinsame Chance begreiflich und nutzbar machen. Wer sich mit Vielfalt innerhalb des eigenen Kontextes auseinander gesetzt hat, kann leichter die so gewonnen Erfahrungen gesamtgesellschaftlich übertragen.

- Wissen als Prämisse für einen breiten Dialog
Erfreulicherweise gewinnt der Dialog an immer größerer Bedeutung. Ein breiter Dialog, an dem große Teile der Bevölkerung teilhaben, verlangt nach Dialogpartnern, die durch ihre Sachkenntnis die Qualität des Diskurses sichern. Wird die „Brückenbauerfunktion" der jungen muslimischen Generation oft angeführt, so gehört dazu auch eine Ausbildung über den eigenen religiösen Hintergrund wie sie der Islamunterricht leistet.

- Integration durch Partizipation
Das Motto der Islamischen Glaubensgemeinschaft zum 25jährigen Jubiläum lässt sich ganz besonders auf den Islamunterricht umlegen. Ziel ist es schließlich, junge muslimische Menschen dazu heranzubilden, wertvolle Mitglieder in der Gesellschaft zu sein und sie zu ermutigen, durch Teilhabe an einem friedlichen und respektvollen Zusammenleben mitzuwirken.

Nutzen Sie die Gelegenheit für konstruktive Kritik !!

  

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2008-12-21 Religionsfreiheit für Christen und Muslime - Kardinal Schönborn

Kardinal Schönborn in Pressestunde zur Immigrationsdiskussion, Unterscheidung von Asyl und Immigration und Religionsfreiheit für Christen und Muslime in aller Welt.

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Im Laufe der heutigen Pressestunde kam die Rede auch auf die Religionsfreiheit für Christen und Muslime in der ganzen Welt. Kirchen und Moscheen sollten für die Religionsausübung eine Selbstverständlichkeit sein, auch wenn in diesem Land die Mehrheit Muslime oder Christen sind.

Beheimatung für Immigranten

 Zur Immigrationsdiskussion erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass ab den sechziger Jahren "Gastarbeiter" nach Österreich gerufen worden seien und "Menschen" gekommen sind. Diese Menschen gehörten zur Bevölkerung. Ihnen Integration und Beheimatung zu geben, müsse vom christlichen Standpunkt aus eine Selbstverständlichkeit sein. Außerdem müsse man nur an die Situation bei den Pflegeberufen denken, um zu verstehen, dass Österreich auf die Migranten angewiesen ist.

Grundsätzlich müsse man zwischen Asylgewährung und Immigration unterscheiden, unterstrich der Wiener Erzbischof. Das Asylrecht sei ein humanitäres Recht für verfolgte Menschen; ob Österreich hier dem internationalen Standard entspricht, müssten Experten diskutieren. Die Gestaltung der Immigration sei hingegen ein "politisches Ordnungsproblem".   

In diesem Zusammenhang betonte Kardinal Schönborn im Hinblick auf die Minarett-Diskussionen neuerlich, dass in einem Land, in dem Religionsfreiheit herrscht, der Bau von Gotteshäusern durch eine gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft wie den Islam selbstverständlich sei. Freilich müsse genau schauen, was religiöses Bedürfnis sei und was darüber hinausgehe. Ebenso sei es natürlich ein Skandal, dass in einem islamisch dominierten Land wie Saudiarabien die mindestens eine Million Katholiken im Land keinerlei Religionsfreiheit haben. "Aber unser österreichischer Weg ist der des Miteinanders und der Religionsfreiheit".

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2008-11-11 Biser-Stiftung ehrt muslimische Würdenträger

Auszeichnung würdigt christlich-muslimische Brückenschläge u.a. von Großmufti Mustafa Ceric und jordanischem Prinz Ghazi bin Muhammad (KATHPRESS)

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München, 11.11.08 (KAP) Die deutsche Eugen-Biser-Stiftung zeichnet drei muslimische Würdenträger aus. Mustafa Ceric, Großmufti von Bosnien-Hercegovina, der jordanische Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal und Scheich Al-Habib Ali Zain Al-Abidin Al-Jifri aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten den diesjährigen Eugen-Biser-Preis. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt ihren Beitrag zur Verständigung zwischen Muslimen und Christen und wird am 22. November in München verliehen.  

Initiative der 138 islamischen Gelehrten ist „von epochaler Bedeutung" 
Alle drei Preisträger gehören zu den ersten Unterzeichnern des Offenen Briefes von 138 islamischen Gelehrten an die christlichen Kirchen vom 13. Oktober 2007. Diese Initiative ist laut Biser-Stiftung "von epochaler Bedeutung für den interreligiösen Dialog". Das Gespräch zwischen Islam und Christentum müsse intensiviert werden, denn es sei "einer der Schlüssel für das friedliche Zusammenleben der Völker dieser Erde". Zwei der Ausgezeichneten nahmen auch Anfang November am Katholisch-Islamischen Forum im Vatikan teil.

Den Festvortrag hält der deutsche Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Als Laudatoren sprechen Prof. Wolfgang Heinzmann von der Biser-Stiftung, der katholische Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, Vorsitzender der Kommission für den interreligiösen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz, und der evangelisch-lutherische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, Nahostbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).  

Was ist die „Biser-Stiftung"? Was macht sie?
Die Stiftung führt das Werk ihres Namensgebers, des 90-jährigen katholischen Münchner Theologen und Religionsphilosophen Eugen Biser, fort. Sie ist, so ihr Motto, dem "Dialog aus christlichem Ursprung" verpflichtet.

In diesem Zusammenhang fördert sie auch Fachgespräche zwischen Christen und Muslimen. Zu ihren Partnern zählt etwa die islamisch-theologische Fakultät der Universität Ankara in der Türkei, mit der zurzeit ein mehrsprachiges interreligiöses Wörterbuch erarbeitet wird. (ende)

11.11.2008 15:08   

K200810218

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2008-10-29 Außenministerin Plassnik verurteilt Christenverfolgung in Mossul

(29.10.2008) Für freie Religionsausübung von Christen und Muslimen in aller Welt.
Die amtierende österreichische Außenministerin Ursula Plassnik hat die Christenverfolgung in der nordirakischen Metropole Mossul scharf verurteilt. (KATHPRESS)

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Wörtlich sagte die Ministerin: 
"Menschen wegen ihres Glaubens zu bedrohen, zu verfolgen und zu vertreiben, ist inakzeptabel. Die jüngsten Ereignisse im Nordirak sind nicht nur besorgniserregend, sie werfen auch einen Schatten auf den Aufbau einer offenen und demokratischen Gesellschaft im Irak".

Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind nach Todesdrohungen und Übergriffen allein in den letzten zwei Wochen 13.000 Christen aus Mossul geflohen. Österreich setze sich "nachhaltig" für die Rechte der Christen im Irak ein, betonte die Außenministerin.

Ursula Plassnik verwies auf den Einsatz der Europäischen Union zum Schutz der "legitimen Rechte" der christlichen Minderheit im Irak.

Auf Betreiben der EU seien "klare Schutzrechte für religiöse Minderheiten in die irakische Verfassung aufgenommen" worden. Jetzt gelte es, diesen Schutzrechten auch konkret im Alltagsleben zum Durchbruch zu verhelfen. Die EU setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass die Bagdader Regierung den irakischen Christen effektiven Schutz bietet und die Täter zur Verantwortung zieht, so Plassnik. Auch für den Irak gelte: "Vielfalt und Pluralismus sind keine Gefahren, sondern Kraftquellen für Entwicklung, Fortschritt und Frieden".

29.10.2008 08:38

K200809753

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2008-10-28 Nation = nicht Religion

Berliner ev. Theologe warnt vor Fehlinformationen zu Religionszuweisung (KATHPRESS)

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Berlin, 28.10.08 (KAP) Der Berliner evangelische Theologe Rolf Schieder hat mit Blick auf statistische Angaben zu mehr Genauigkeit aufgerufen. So basiere etwa die Zahl von mehr als drei Millionen Muslimen in Deutschland auf der falschen Annahme, dass alle Migranten aus islamisch dominierten Ländern automatisch Muslime sind. 

Schieder äußerte sich bei einer Vortragsveranstaltung mit dem Titel "Sind Religionen gefährlich?" des Forschungsbereichs Religion und Politik am Montagabend an der Berliner Humboldt-Universität.

Noch bis vor wenigen Jahren seien diese Migranten ihren Herkunftsländern zugeordnet worden, erinnerte Schieder. Durch das gesteigerte Interesse an Religion würden sie heute fälschlicherweise unter dem Obergriff "Muslime" zusammengefasst.

Schieder warnte auch vor einer Verwendung des Begriffs "religiöser Fundamentalismus". Es sei falsch, in gleicher Weise evangelikale Christen in den USA und die religiöse Führung des Iran mit diesem Begriff zu belegen und damit auf eine Stufe zu stellen. Der Theologe plädierte für eine differenzierte Betrachtungsweise. (ende)

28.10.2008 15:33

K200809728

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2008-10-27 Pressesprecher des Vatikans will Bündnis mit Muslimen gegen Gewalt

Situation im Irak wird für Christen immer bedrohlicher

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ROM, 27. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Angesichts der Gewaltwelle gegen die Christen im Irak sollte gemeinsam mit den Muslimen eine Allianz gegen jede Form von Gewalt gebildet werden, verlautete es am Wochenende aus dem Vatikan.

Es sei angesichts der wachsenden Bedrohungen unaufschiebbar, ein Bündnis gegen jede Form von Fundamentalismus zu bilden, bekräftigte Jesuitenpater Federico Lombardi, Direktor des vatikanischen Pressebüros, in der jüngsten Ausgabe des vatikanischen Fernsehprogramms „Octava Dies".

Das ganze irakische Volk habe unter einem jahrzehntelangen Regime der Unterdrückung zu leiden gehabt, „doch gerade die alte christliche Gemeinschaft im Irak leidet unter einer systematischen Unterdrückung, die von einer unerhörten Welle der Gewalt und von Drohungen gekennzeichnet ist", erklärte der Pressesprecher des Heiligen Stuhls.

Gerade die Situation in Mossul sei ein Alarmzeichen für Christen weltweit. Die irakischen Christen dürften nicht im Stich gelassen werden, betonte Pater Lombardi SJ.

In der nordirakischen Stadt Mossul läuft derzeit eine Vertreibungswelle gegen irakische Christen. Sie suchen bei Freunden, Verwandten oder in Pfarrgebäuden Zuflucht. Immer mehr Menschen suchen in Syrien Sicherheit.

„Die Berichte von humanitären Organisationen und unabhängigen Nachrichtenagenturen zeigen, dass die Bedrohungen durch extremistische muslimische Gruppen weiter eskalieren. Von Straße zu Straße und Haus zu Haus werden Wahnsinnsbotschaften verkündet, etwa: ‚Sie sollten ihr Haus verlassen und diesen Bereich in 24 Stunden räumen. Wenn nicht, werden Sie zu Recht bestraft, und Sie werden getötet, denn das sind die Weisungen unserer islamischen Religion mit denen, die wie Sie das Kreuz verehren.'"

Die Gruppen, die derartige Dinge anstellten, müssten mit allen Mitteln bekämpft werden, forderte Lombardi. „Dazu müssten diejenigen, die für Frieden sind, gemeinsam diese Gräueltaten anprangern. Das sollte insbesondere in der muslimischen Welt passieren. Wir hoffen deshalb, dass die Dialoginitiativen mit den Muslimen, die Johannes Paul II. begonnen hat und Benedikt XVI. weiterführt, einen Beitrag dazu leisten werden. Christen und Muslime müssen gemeinsam dafür einstehen, dass man nicht im Namen Gottes töten darf, sondern im Gegenteil in seinem Namen jeden Menschen lieben und respektieren muss."

Bisher haben nach Angaben der Vereinten Nationen bereits 2.500 der rund 3.000 christlichen Familien die irakische Stadt Mossul fluchtartig verlassen - das sind rund 15.000 Männer, Frauen und Kinder oder über 80 Prozent der dort ansässigen Christen.
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2008-10-23 Kardinal Schönborn ermutigt Christen und Muslime ihren Glauben zu leben

Voraussetzung für Begegnung, "dass man versteht, wie jemand seine Heimat liebt"

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Wien, 23.10.08 (KAP) Mehr gesellschaftspolitisches Engagement und mehr Zivilcourage hat Kardinal Christoph Schönborn auch von den katholischen Laien eingefordert. Der Wiener Erzbischof äußerte sich am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion mit jungen Christen und Muslimen im Rahmen der "Akademie für Evangelisation" im Wiener "Figl-Haus". Die heutige Gesellschaft erleichtert es nicht, seinen Glauben zu leben.

"Was fehlt, sind Stimmen von kompetenten Laien" - "Bischöfe mischen sich nicht in die Parteipolitik ein, nehmen aber zu Grundsatzfragen Stellung"=

In Österreich herrsche noch immer ein zu starkes "Obrigkeitsdenken" vor, so der Kardinal; es werde immer an die Bischöfe appelliert. Im jüngsten Nationalratswahlkampf habe er viele Briefe und E-Mails erhalten, in denen eine Stellungnahme seinerseits eingefordert bzw. erbeten wurde. Der Wiener Erzbischof erinnerte in diesem Zusammenhang an den Grundsatz, dass sich die kirchliche Hierarchie in Österreich nicht in die Parteipolitik einmische. Kardinal Franz König habe hier beispielhaft den Rahmen vorgegeben: Es seien die Parteien selbst, die durch Programm, Praxis und Auswahl der handelnden Personen ihre Nähe oder Distanz zur Kirche definieren. In gesellschaftspolitisch relevanten Grundsatzfragen würden die Bischöfe aber sehr wohl ihre Stimme erheben und auf christliche Werte verweisen, unterstrich Kardinal Schönborn.

Dankbarkeit für Arbeit der Gastarbeiter
Auf das Migrationsproblem angesprochen, verwies der Kardinal darauf, dass man klar zwischen Asyl und Immigration unterscheiden müsse. Asyl sei ein Menschenrecht, das außer Frage stehe. Migration hingegen sei in erster Linie eine politische Frage. Im Hinblick auf die türkischen Immigranten dürfe man allerdings nicht vergessen, so Schönborn, dass die "Gastarbeiter" in den sechziger und siebziger Jahren von Österreich geholt worden seien. Sie hätten jene Arbeiten übernommen, für die sich keine Österreicher mehr fanden. Schönborn: "Es ist eine Frage des Anstands, dass man solche Dinge nicht vergisst".   

Nach Türkei-Besuch: Der Begegnung von Völkern liegt die Voraussetzung zugrunde , "dass man versteht, wie jemand seine Heimat liebt"
Bei seinem jüngsten Türkei-Besuch sei ihm verstärkt bewusst geworden, wie sehr der Integration könne nicht damit erfüllt sein, dass Türken feststellen, Österreich sei ihre "Heimat", so Kardinal Schönborn.
Angesprochen zur weltweiten Finanzkrise meinte der Wiener Erzbischof, dass diese Krise trotz aller Nöte, die sie mit sich bringt, auch heilsame Wirkungen haben könne. Die Krise werde den Menschen helfen, wieder auf den Boden der Realität zurückzukommen. Jahrzehntelang habe man über die Verhältnisse gelebt und so die kommenden Generationen übermäßig belastet.

Glaube als Christen und Muslime überzeugend leben
Bei der Diskussion herrschte Übereinstimmung, dass es für gläubige Menschen nicht leicht sei, ihre Überzeugung in der gegenwärtigen Gesellschaft zu leben. So berichtete die katholische Studentin Pamila Paulik, dass sie zwar persönlich kein Problem damit habe, sich zu ihrem Glauben zu bekennen; wenn sie aber beispielsweise für eine christliche Veranstaltung Werbung mache, erfahre sie viel Ablehnung.

Der in einer türkischen Gastarbeiterfamilie aufgewachsene Sinan Ertugrul beklagte, dass man als Muslim derzeit ständig mit der Anschuldigung konfrontiert werde, ein Terrorist zu sein. Es würde ihn weiters auch belasten, dass er sich zwar als Österreicher fühle, die Gesellschaft das aber nicht akzeptiere.

Die Studentin Elisabeth Hargassner, die sich selbst als suchenden Menschen bezeichnete, beklagte, dass sie keinen Christen begegnet sei, die sie über den Glauben informieren hätten können. Das erschwere ihr den Zugang zum christlichen Glauben.

23.10.2008 18:50

K200809588

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2008-10-09 Bischof Scheuer zur Begegnung von Christen und Muslimen

Im Rahmen des Kongresses "Heilig-Tabu" hielt Bischof Dr. Manfred SCHEUER, Innsbruck eine bemerkenswerte Predigt vor den christlichen und muslimischen Teilnehmern im Zisterzienserstift Stams. Thema: "Begegnung auf Augenhöhe", zum Miteinander von Christen und Muslimen.

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...."Toleranz besteht für mich darin, sich mit dem Anderen und Fremden wirklich auseinander zu setzen. Sie beinhaltet Interesse am Neuen, Neugier gegenüber dem Fremden und Andersartigen."

     ..... "Der Dialog mit anderen Religionen und Kulturen braucht Klarheit, Klugheit und Vertrauen, die Überzeugung des eigenen Glaubens und das und Wissen um die eigene Tradition.[6] In den Religionen mischen sich Heiliges und Gewalt, Wesen und Unwesen. Deshalb bedarf es beim Dialog auch die Bereitschaft zur Selbstkritik, zur Läuterung des Gedächtnisses und zum Lernen von den anderen." ... 

Predigt von Bischof Dr. Manfred SCHEUER (zum Download)

  

  

.....   Toleranz bedeutet aber nicht Selbstaufgabe. Vielmehr ist tolerantes Verhalten nur dort möglich, wo zugleich auch ein eigener Standpunkt, eine eigene Identität vorhanden ist. Wo beides verwirklicht ist, wo man eigene Identität besitzt und behält und wo man doch den anderen nicht unter die eigenen Maßstäbe zwingt, ist Toleranz gegeben. Toleranz besteht für mich darin, sich mit dem Anderen und Fremden wirklich auseinander zu setzen. Sie beinhaltet Interesse am Neuen, Neugier gegenüber dem Fremden und Andersartigen. Sie beinhaltet auch die Fähigkeit, sich in die Situation des Anderen hineinzudenken und hineinzufühlen (Empathie), die Welt und auch sich selbst sozusagen mit den Augen des Anderen sehen zu können.

Der Dialog soll nicht naiv sein, weder fundamentalistisch im Hinblick auf die eigene Glaubensüberzeugung, noch geprägt von einer gleichgültigen und permissiven Toleranz.   

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2008-07-04 Regierung soll sich für verfolgte Christen einsetzen

Im Menschenrechtsausschuss des Nationalrats haben sich in dieser Woche alle fünf Parlamentsparteien auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag geeinigt, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, sich auf europäischer und internationaler Ebene verstärkt für die Verteidigung der Religionsfreiheit und für die Opfer von Verfolgungen einzusetzen.

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Wien, 4.7.08 (KAP) Im Menschenrechtsausschuss des Nationalrats haben sich in dieser Woche alle fünf Parlamentsparteien auf einen gemeinsamen Entschließungsantrag geeinigt, in dem die Bundesregierung aufgefordert wird, sich auf europäischer und internationaler Ebene verstärkt für die Verteidigung der Religionsfreiheit und für die Opfer von Verfolgungen einzusetzen. Basis für den Allparteienantrag waren die zunehmenden Berichte aus vielen Ländern über Diskriminierung, Repression und Verfolgung von Christen. So liegen etwa der Menschenrechtsorganisation "Christian Solidarity International" Berichte über staatliche, staatlich unterstützte oder tolerierte Gewalt gegen Christen in mehr als 30 Ländern der Welt vor. Besonders dramatisch ist die Situation im Irak, wo die Anzahl der Christen seit dem Beginn des Irakkrieges im Jahr 2003 drastisch zurückgegangen ist. Für weltweites Aufsehen sorgte im März die Ermordung des chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Mossul, Paul Faraj Rahho.

Der Menschenrechtsausschuss des Nationalrats appelliert nun, dass "die Rechte und Garantien, wie sie in der EU-Grundrechte-Charta verankert sind, auch verstärkt zu Leitlinien der Politik der EU im Rahmen der internationalen Beziehungen und des weltweiten Eintretens für die Sicherung der Menschenrechte gemacht werden". Österreich solle zudem im Rahmen seiner internationalen Menschenrechtsarbeit die Einhaltung und Durchsetzung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit stärker in die Diskussion einbeziehen, verlangen die Parlamentarier.
Den ursprünglichen Antrag zur Sicherung der Religionsfreiheit hatten der oberösterreichische ÖVP-Abgeordnete Wolfgang Großruck und sein steirischer Kollege Christian Füller von der SPÖ eingebracht.   

Debatte um Minarette
Im Zuge der Diskussion um den Entschließungsantrag zur Stärkung der Religionsfreiheit kam es im Menschenrechtsausschuss auch zu einer Fortsetzung der österreichischen "Minarett-Debatte".
Der FPÖ-Politiker Bernhard Vock meinte, dass Religionsfreiheit nicht bedeuten dürfe, "dass eine Minderheit der Mehrheit ihre Symbole aufdrängt". Gernot Darmann vom BZÖ warnte vor einem "Clash der Traditionen". Er habe nichts gegen religiöse Symbole, einiges aber gegen "Machtsymbole", so Darmann. Die SPÖ-Abgeordnete Gertraud Knoll stellte klar, dass Religionsfreiheit "die öffentliche Ausübung der Religion umfasse, und zwar unabhängig von Mehrheitsverhältnissen".

Staatssekretär Hans Winkler, der sich ebenfalls an der Debatte im Menschenrechtsausschuss beteiligte, plädierte für Respekt und Achtsamkeit in dieser Frage. Er unterstrich aber, dass die Menschenrechte unteilbar seien. Unter der Berufung auf die freie Ausübung der Religion können kein anderes Menschenrecht aufgehoben werden, meinte Winkler mit Blick auf mögliche Spannungen zwischen den Grundrechten auf freie Religionsausübung und auf freie Meinungsäußerung.

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2008-06-19 Der christlich-muslimische Dialog - Erfahrungen und Perspektiven

Vortrag von Dr. Paul SCHULMEISTER am Institut für Völkerrecht und internationale Beziehungen der Universität Graz (Univ. Prof. Dr. Wolfgang Benedek)  -  RESOWI-Zentrum

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Seit Jahren wächst die Zahl jener Zeitgenossen, die mit Besorgnis die Polarisierung zwischen dem (immer noch) christlich grundierten Westen und der islamischen Welt registrieren. Die Terroranschläge von 9/11 waren die große Zäsur.

Wenn ich von „Polarisierung“ spreche, meine ich eine zum Teil feindselige Spannung. Das reicht vom dänischen Karikaturenstreit bis zur tagespolitischen Instrumentalisierung der Islamophobie durch Rechtspopulisten in Österreich, von der Moscheen-Abwehr ängstlicher Kirchenvertreter bis hin zu Zeitungskommentaren mit Titeln wie „Der Islam selbst ist das Problem“.

Wenn ich aus meiner persönlichen Erfahrung über den christlich-muslimischen Dialog spreche, ist es notwendig zu betonen, dass ich weder Theologe noch Islamwissenschaftler bin. Doch als Journalist kann man an der Aufladung des weltpolitischen Klimas nicht vorbeisehen. Als sich der erwähnte Karikaturenstreit vor gut zwei Jahren wie ein Flächenbrand ausbreitete und die weltweiten Proteste gegen die Mohammed-Verspottungen rund 150 Menschenleben kosteten, hatte ich in Wien mit einigen Persönlichkeiten eine „Plattform Christen und Muslime“ gegründet: eine vertrauensbildende Maßnahme, für jedermann offen, zugleich eine Art bürgerschaftliche „schnelle Eingreiftruppe“, um ein allfälliges Aggressionspotential rechtzeitig zu entdecken und publizistisch dagegen anzugehen. Knapp 1500 Personen aus allen Lagern, haben sich der Initiative angeschlossen (www.christenundmuslime.at).

Aktiv getragen wird die Plattform von etwa zehn Personen  -  zur Hälfte Christen, zur Hälfte Repräsentanten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Wir kommen regelmäßig zusammen, veranstalten einen „Jour fixe“ mit kleinen Vorträgen und Diskussionen und haben viele Erklärungen zu aktuellen Ereignissen abgegeben. Statt des „Tags des Zorns“, den muslimische Hardliner aus Protest gegen die Regensburger Rede des Papstes ausgerufen hatten, haben wir uns im Herbst 2006 öffentlich zu einem „Tag des Dialogs“ auf dem Wiener Josefsplatz versammelt.

Am 21. Juni 2008 werden wir gemeinsam mit dem Österreichischen Alpenverein unter Führung seines Vizepräsidenten Dr. Ermacora den Peilstein mit seinem Gipfelkreuz im Wienerwald besteigen  -  eine ironische Anspielung auf die Aufregung des BZÖ-Obmanns Westenthaler, der auf einen gefälschten Künstlerbrief hereingefallen war und ernsthaft befürchtete, die Gipfelkreuze sollten künftig durch Halbmonde ersetzt werden. Jeder Teilnehmer an diesem „Kipferlsturm“ wird mit einem Kipferl belohnt und erhält eine Urkunde.

Ich erzähle das, um das bunte Spektrum meiner „Dialog-Erfahrungen“ anzudeuten. Dazu kommen natürlich viele Veranstaltungen im kirchlichen und akademischen Bereich. Die meisten meiner Erfahrungen sind eindeutig positiv. Natürlich sind sie begrenzt, ich bin kein illusionistischer „Gutmensch“.  Ein autochthoner Österreicher, der in einem Wohnquartier mit Integrationsproblemen lebt, wird wohl anderes berichten.

Inzwischen sehe ich auch manche Schwierigkeiten klarer als früher. Wenn ich daher für Realismus plädiere, dann auch dafür, uns keiner Täuschung hinzugeben. Meine Position ist eine Minderheitenposition. Wir hören zwar viel von Toleranz, aber insgeheim werden da und dort „Gefechtspositionen“ bezogen. Welche Zuschriften auf den Homepages mancher muslimischer Österreicher landen, spottet jeder Beschreibung. Es ist genau das, was auch an den sogenannten „Stammtischen“ immer ungenierter verbreitet wird.

Eine „akademische“ Kostprobe aus jüngster Zeit sei gestattet. Es handelt sich um einen Leserbrief in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“[1]. Ein Dr. Werner Schütz aus Berlin lobt zunächst das  -  wie er meint  -  längst erfolgte Absterben des Gottesglaubens in Europa, der aber jetzt womöglich wiederkomme. Er nennt Mohammed einen „Karawanenräuber“, den Koran ein „Buch, das zum Verbrechen aufruft“ und fordert dann wörtlich: „Wenn wir Europäer nicht vor die Hunde gehen wollen, müssen wir die Invasion dieses rückständigsten und widerwärtigsten Gottes aller derzeit existierenden Götter zurückschlagen. Wir müssen kämpfen“.

Angesichts solcher Stimmen habe ich von  „Gefechtspositionen“ gesprochen. Umgekehrt können wir auch nicht die Augen vor der Radikalisierung kleiner muslimischer Minderheiten in Europa verschließen  -  Stichworte Holland, Großbritannien und Frankreich. In Österreich ist es weithin friedlich  -  und so soll es auch bleiben. Das ist das Hauptziel der Plattform „Christen und Muslime“.

Nach dieser Vorbemerkung  ein kurzer Hinweis auf die Gliederung meines Vortrags:

1.    Zuerst will ich darlegen, was „Dialog“ im allgemeinen und was der christlich-muslimische Dialog im besonderen ist.

2.    Dann will ich kurz die politisch-gesellschaftliche Ausgangslage in Österreich und Europa beleuchten. Daraus ergeben sich

3.    Themenfelder für den allgemeinen und den christlichen Dialog mit den Muslimen. Diese Themenfelder ähneln z. T. einem Problemkatalog. Ihn zu hören, soll niemanden entmutigen.

Vor wenigen Tagen hatte ich den Bad Vöslauer Bürgermeister Christoph Prinz zum Jour fixe unserer „Plattform Christen und Muslime“ eingeladen und gebeten, uns einen Erfahrungsbericht über das Moscheebau-Projekt in seiner Stadt zu geben.

Auch Bürgermeister Prinz war anfangs ziemlich skeptisch, ob seine Gemeinde wohl zustimmen würde. Er leitete ein Mediationsverfahren ein, an dem alle Parteien im Gemeinderat teilnahmen (nur die FPÖ schied kurz vor der niederösterreichischen Landtagswahl aus). Laut Bürgermeister Prinz war das Mediationsverfahren enorm vertrauensbildend und ein großer Erfolg. Vor kurzem haben die Bauarbeiten für die Moschee in Bad Vöslau begonnen.

Es gibt also durchaus positive Erfahrungen. In der Gründungserklärung unserer Plattform heißt es unter anderem:

„Wir haben in Österreich eine gemeinsame geschichtliche Erfahrung: sie lehrt uns, dass Begegnung bereichert, Stereotypen und Feind- bilder aber den Frieden zerstören …

Wir haben eine gemeinsame Gegenwart …

Längst schon gibt es keine getrennten Lebenswelten mehr. Hundert-tausende Muslime gehören heute zur österreichischen Alltagsrealität …

Wir haben auch eine gemeinsame Zukunft. Mit unserem Umgang prägen wir nicht nur das geistige und soziale Klima in Österreich, wir beeinflussen damit auch die politische Atmosphäre in Europa ...

Toleranz und Respekt im Umgang miteinander sind wichtig und unersetzlich, aber nicht genug: Christen und Muslime sind aufgerufen, einander besser zu verstehen, mehr voneinander zu wissen und zu lernen, mehr aufeinander zu achten und mehr miteinander zu leben.

Jeder Versuch, uns Christen und Muslime gegeneinander auszuspielen, widerspricht dem, was wir aus der Geschichte gelernt haben, es widerspricht unseren gemeinsamen Wünschen und den Erfordernissen, die unsere Heimat an uns stellt.“

Soweit ein Auszug aus der Gründungserklärung der „Plattform Christen und Muslime“[2].

4.    Zum Abschluss meines Vortrags darf ich über einige Perspektiven des christlich-muslimischen Dialogs sprechen.


 

1.      Sinn und Ziel des Dialogs

Lassen Sie mich mit einigen Überlegungen zum Wesen und Sinn des Dialogs beginnen.

Wenn Menschen unterschiedlicher Kultur, unterschiedlicher Überzeugungen oder unterschiedlicher Weltanschauung im Respekt füreinander über diese Unterschiede sprechen und zwar in der Absicht, die Unterschiede klar zu erkennen oder zu vermindern oder womöglich im Einzelfall gar zu beseitigen, dann ist das ein Dialog im Sinne meines Vortrags.

Nicht jedes Gespräch ist also ein Dialog.

Im platonischen Dialog geht es darum, mittels der sogenannten „Hebammenmethode“ (also einer bohrenden Fragetechnik) auf dem Weg der kontroversiellen argumentativen Auseinandersetzung eine noch verborgene Wahrheit ans Tageslicht zu befördern.

Bei einem Dialog zwischen Anhängern verschiedener Offenbarungsreligionen kann es natürlich nicht darum gehen, sich auf eine neue, gewissermaßen „dritte Wahrheit“ zu einigen. Hier ist das Ziel bescheidener. Es geht darum

-          erstens die gegenseitigen Standpunkte besser kennenzulernen,

-          zweitens dabei zu lernen, sogenannte „ewige Wahrheiten“ (also christlich gesprochen: das „Proprium fidei“) von zeitbedingten Formen ihrer Aussage zu unterscheiden,

-          drittens auf diese Weise manche Missverständnisse und Vorurteile auszuräumen,

-          viertens durch den geschärften Blick auf die Unterschiede auch ein besseres Verständnis für die je eigene Wahrheit zu entwickeln. Der wichtigste Beitrag von Christen zum Dialog sei „unsere Kenntnis von Jesus Christus“, hat Papst Benedikt XVI. vor kurzem vor den Bischöfen von Bangladesh betont, die er gleichzeitig zum geduldigen Dialog mit anderen Religionen aufrief.

Ein Dialog hat also verschiedene Voraussetzungen:

-          Respekt für den anderen und die Bereitschaft, ihm genau zuzuhören,

-          dann ein Grundvertrauen in die Sprache als taugliches Verständigungs-Instrument,

-          schließlich ein Wahrheitsbegriff, der eher demütig geprägt sein sollte. Ein hochmütiger Besitzerstolz durch „Wahrheitsinhaber“ kann im Dialogprozess rasch exklusiv und exkludierend wirken. Umgekehrt würde ein Wahrheitsrelativismus, der  -  etwa um des „lieben Friedens“ willen  -  alles in Selbstreflexivität und Historisierung auflöst, auch kein Fundament für stabile Dialogbrücken bieten.

Das ist in der anspruchsvollen Stufe des Dialogs gerade mit Muslimen ein  wichtiger Punkt. Auch dialogfreundliche Muslime  machen ihre Haltung zum Gesprächspartner grundlegend davon abhängig, ob er als gläubig (im Sinne seiner einer eigenen Religion) eingestuft werden kann oder nicht.

Nach muslimischer Auffassung ist der Mensch außerstande, ohne Offenbarung und Rechtleitung Gottes, also nur mithilfe seines Verstandes, den rechten Lebensweg zu finden und zu gehen. Der Politikwissenschaftler Heinrich Schneider sagt in seinem sehr substantiellen Buch „Der christlich-muslimische Dialog“ (Böhlau Verlag 2007), dass für Muslime ernsthafte Diskussionen über die Ordnung des menschlichen Zusammenlebens, in denen man sich ganz aufeinander einlässt, nur unter Gläubigen sinnvoll seien[3].

Es hat bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil gedauert, dass die Katholische Kirche Ja sagte zum Gedanken der Religionsfreiheit und Ja sagte zum respektvollen Dialog mit anderen Weltreligionen.

In der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ vom 28. Oktober 1965 über das Verhältnis zu den nicht-christlichen Religionen heißt es ausdrücklich:

„Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet …“

Zwar sei es die Aufgabe der Kirche, das Kreuz Christi als Zeichen der Liebe Gottes zu verkünden. „Wir können aber“  -  heißt es dann wörtlich  -  „Gott, den Vater aller, nicht anrufen, wenn wir irgendwelchen Menschen, die ja nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind, die brüderliche Haltung verweigern“.

Welche Auffassungsänderung gegenüber früheren Jahrhunderten der christlichen Geschichte!

Im Kapitel 3 von „Nostra Aetate“ heißt es in Bezug auf die Muslime:

„Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie verehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeitanrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt.

Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen u. Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“ 

Hier haben wir ja im Grunde schon eine Programmatik des christlich-muslimischen Dialogs vor Augen:

Die vergangenen Feindschaften beiseite lassen, sich um besseres Verstehen bemühen und gemeinsam für soziale Gerechtigkeit, für sittliche Werte, für Frieden und Freiheit für alle Menschen einzutreten.

(Eine entsprechende Erklärung hoher muslimischer Autoritäten liegt übrigens bis heute nicht vor.)

In Bezug auf die Muslime haben Papst Johannes Paul II. und vielleicht noch eindringlicher der gegenwärtige Papst Benedikt XVI. wegweisende Zeichen gesetzt. Benedikt nannte den Dialog mit den Muslimen bei mehreren Gelegenheiten „lebensnotwendig“  -  und er hat recht. Damit werde ich mich im zweiten Vortragsteil befassen.


 

2.      Die Ausgangslage in Österreich und Europa

Im vergangenen Jänner hatte das Weltwirtschaftsforum in Davos die bisher ausführlichste Studie über das Verhältnis zwischen dem Islam und dem Westen vorgestellt. Das Gallup-Institut befragte dazu mehr als 50.000 Muslime und Nicht-Muslime in 21 Ländern; auch die Medienberichterstattung wurde umfassend ausgewertet.

 

Das Hauptergebnis war nicht überraschend: zwischen dem Westen und dem Islam herrscht ein tiefes gegenseitiges Misstrauen. Bemerkenswerte Ausnahme: 70 Prozent der Amerikaner und 56 Prozent der Israelis empfinden eine verstärkte Interaktion zwischen dem Westen und der islamischen Welt als bereichernd  -  doch 60 Prozent der Europäer sehen darin eine Bedrohung (in einzelnen EU-Ländern sogar bis zu 80 Prozent).

 

Erst vor wenigen Jahren erkannte die deutsche Politik, welche gewaltigen Defizite bei der Integration muslimischer Zuwanderer sie durch jahrzehntelange Gleichgültigkeit zugelassen hatte. Seither versucht man die Versäumnisse mit aller Kraft wettzumachen  -  von einer besseren Ausbildung bis hin zu verschärften Einbürgerungsvorschriften, von der Gründung einer „Islamkonferenz“ 2006 bis zur intensiven Befassung mit Phänomenen wie Zwangsheirat oder gar „Ehrenmorden“.

Die Briten mussten mit Entsetzen feststellen, dass die verheerenden Londoner U-Bahn-Anschläge von 2005 von Einwanderern verübt worden waren (ebenso spätere Attentate). Die Blutbäder in den Madrider Nahverkehrszügen 2004 hatten eingewanderte Marokkaner verursacht. Ein solcher Zuwanderer war auch für den furchtbaren Mord an dem Amsterdamer Filmregisseur Theo van Gogh im Herbst des gleichen Jahres verantwortlich. Tief frustrierte Jugendliche islamischer Prägung hielten zwei Jahre später mit Brandschatzungen die Banlieues von Paris und andere Vorstädte in Atem.

Ähnliches geschah im Frühjahr 2008 in Dänemark, nachdem die Polizei einen Mordplan gegen einen der Karikaturisten der Anti-Mohammed-Karikaturen aufgedeckt hatte. Auch Deutschland entging nur durch glückliche Zufälle mehreren terroristischen Terrorversuchen. Es war übrigens Hamburg, wo mehrere der 9/11-Attentäter, als Studenten getarnt, ihre Flugzeuganschläge auf New York und Washington vorbereitet hatten.

Wenn man an all das erinnert, kann man kaum verwundert darüber sein, dass in Europa das Misstrauen gegenüber dem Islam zunimmt. Und doch muss man im gleichen Augenblick feststellen, dass die übergroße Mehrheit der europäischen Muslime friedlich gesonnen und dialogbereit ist. Jeder Versuch, die schwierige Situation mit angstbesetzten Pauschalurteilen zu bewerten, wird den Konflikt vergrößern statt ihn zu verkleinern.

In der EU leben heute zwischen 15 und 17 Millionen Muslime. Ihre Zahl steigt rasch durch Zuwanderung,  Familienzusammenführung und die höhere Geburtenrate. Heute haben 48 Prozent der Wiener Volksschüler einen „Migrationshintergrund“. Demographen sagen für Österreich im Jahre 2050 einen Anteil der Christen von möglicherweise unter 50 Prozent voraus, der Muslime von bis zu 30 Prozent. Der Islamwissenschaftler Bernard Lewis sieht Europa am Ende dieses Jahrhunderts als „Teil des arabischen Westens“.

Wird das wirklich so kommen? Niemand weiß es. Tatsache ist, dass wir überall auf eine schnell wachsende Sensibilisierung der autochthonen Europäer stoßen. Die Verunsicherung ist enorm. Es darf jedenfalls nicht zum „Clash of civilizations“ kommen, über den Samuel Huntington erstmals 1993 geschrieben hatte -   damals noch mit Fragezeichen.

 

Es ist nicht zu leugnen, dass es weltweit auch viele Muslime gibt, die das Dialogkonzept verwerfen, weil der Islam nach ihrer Meinung als die endgültige Offenbarung Gottes keinen Dialog brauche, sondern zu seiner weltweiten Durchsetzung von Gott bestimmt sei  -  mittels der Anstrengung des Herzens seiner Gläubigen (des „großen Dschihad“) oder notfalls mit dem  „kleinen Dschihad“ im kriegerischen Sinn.

Anders sieht es bei vielen islamischen Glaubensgemeinschaften in Europa aus. Dort sind längst interne Reform- und Reflexionsbemühungen im Gang. Die Dinge sind im Fluss. Man muss sich nur die vergleichsweise „liberalen“ Abschlussdokumente der beiden europäischen Imame-Konferenzen ansehen, die 2003 und 2006 in Graz bzw. Wien stattgefunden haben. Andererseits gibt es bei den Angehörigen der dritten Generation unleugbar eine stärkere Rückwendung zu einer orthodoxen Islam-Auffassung.

 

Wie sieht es heute in Österreich aus? Rund 400.000 Muslime leben hier, etwas weniger als die Hälfte davon österreichische Staatsangehörige. In fünfzehn Jahren wird sich die Zahl verdoppeln. Der Islam ist längst kein „Gastarbeiterglaube“ mehr. Nach der katholischen Kirche ist der Islam bereits zur zweitstärksten Religion in Österreich geworden.

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Vergessen wir übrigens nicht zwei Vorzüge unseres Landes:  erstens die mentalitätsmäßige Neigung vieler Österreicher zum Leben-und-leben-lassen, zum Gespräch und Ausgleich, zur „Humanitas austriaca“. Zweitens die Tatsache, dass 1912 die damalige Monarchie im Gefolge der Annexion von Bosnien und Herzegowina die Muslime als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt und damit seither einen offiziellen Ansprechpartner hat  -  ein ungeheuer wertvolles Faktum! In Deutschland ist das bis heute nicht der Fall.

Ich komme nun zum dritten Teil meines Vortrags:


 

3.      Themen und Probleme im Dialog

Natürlich erleben wir auch in Österreich beim Zusammenleben mit der muslimischen Minderheit viele Probleme. Als erstes nenne ich die schlechten Deutschkenntnisse vieler Muslime  -  es ist das größte Integrationshindernis, vor allem auf dem Arbeitsmarkt und im Bereich der Bildung. Zweiter Problemkreis: Muslime tun sich mit manchen Standards unserer Schulpraxis sehr schwer oder lehnen sie gar ab.

Generell zeigt sich auch in Österreich, dass die kulturell-ethnische Werteprägung in muslimischen Migrantenfamilien für junge Männer oft zum Handikap bei der Lebensmeisterung wird. Soziologen sprechen vom überhöhten Stellenwert der „Ehre“, einer patriarchalen Autoritätsauffassung, der Neigung zu „Gewaltlösungen“ aus Minderwertigkeitsgefühlen heraus usw.

 

Mit dem Kopftuch gibt es in Österreich Gottseidank keine Rechtsprobleme, auch nicht mit dem rituellen Schächten von Schlachttieren, wohl aber bei drei anderen Fragen.

 

1.    Beim Moscheenbau. Klassische Moscheen mit Kuppel und Minarett gibt es derzeit nur zwei: eine seit 1979 bei der Wiener UNO-City, und eine seit zwei Jahren im tirolerischen Telfs. Nun denkt man auch in Graz, Linz, Bludenz und Bad Vöslau an den Bau einer Moschee. Solche Projekte erfordern viel Feingefühl und die rechtzeitige Einbeziehung der Anwohner im zeitlichen Vorfeld.

2.    Probleme bei der Errichtung islamischer Friedhöfe (die ersten beiden werden derzeit in Altenau in Vorarlberg und in Wien-Liesing errichtet).

3.    Das Wohnproblem.  In manchen Wiener Stadtbezirken hatte zeitweise eine Art Ghettoisierung gedroht, bis sich die Stadt endlich entschloss, Gemeindebauten für Ausländer zu öffnen. Heute ist schätzungsweise ein Drittel der Bewohner der 220.000 Wiener Gemeindewohnungen nicht in Österreich geboren worden.

Lassen Sie mich zu einem ganz zentralen Punkt kommen. Es geht um die Trennung von Staat und Religion. Sie ist in Europa das Ergebnis einer unumkehrbaren Entwicklung vom einstmals alleinigen Wahrheitsanspruch der Kirche über die christlichen Konfessionskriege bis hin zur Aufklärung -  eine leidvolle Entwicklung, deren analoge Wiederholung man den Muslimen nicht wünschen sollte. Und doch liegt hier ein Kernproblem, da in der ganzheitlichen Sicht des Koran eine Trennung von Politik und Religion nicht möglich erscheint.

Der fundamentale Grundsatz lautet: „al-Islâm dîn wa daula“ (der Islam ist Religion und politische Herrschaftsgewalt in einem).

Im Säkularismus ist der Pluralismus der verschiedenen Religionen abgesichert, ohne diese schon prinzipiell ins Private abdrängen zu wollen. Auch im christlich-muslimischen Dialog kann das Thema der Religionsfreiheit letztlich nicht ausgeklammert werden  -  und das ist die Freiheit für eine und von einer Religion. Doch im Islam gibt es keine Mitgliederregister. Muslim ist, wer von einem muslimischen Vater abstammt. Ein Austritt im Sinne einer Abmeldung existiert nicht, ja theoretisch ist Apostasie (Glaubensabfall) ein todeswürdiges Verbrechen.

Religionsfreiheit hängt nach christlicher Auffassung untrennbar mit der Gewissensfreiheit zusammen  -  aber gibt es Gewissensfreiheit im Islam? „Der Islam verlangt die Selbstunterwerfung des Menschen unter den allein souveränen Willen Gottes  -  die Idee einer menschlichen Autonomie ist ein Ärgernis“, konstatiert Heinrich Schneider[4]. Der heutige Kurienkardinal Walter Kasper hat einmal geschrieben: „Die Theonomie setzt menschliche Autonomie voraus, weil Gott seine Ehre und Verherrlichung durch ein freies Geschöpf will“[5].

Letztlich geht es also um die Frage, welche und wie viel Freiheit Gott seinem Geschöpf zugesprochen hat. Hier gibt es zwischen christlicher und islamischer Ansicht klare Gegensätze, und in weiterer Folge klare Unterschiede in der Bewertung der Demokratie  -  auch die Vorstellung der „Volkssouveränität“ ist dem Islam übrigens fremd.

Ein weiteres Thema im christlich-muslimischen Dialog ist die Frage der universellen Menschenrechte. Sie beruhen nach christlicher Überzeugung auf der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen  -  doch der Islam kennt diese Auffassung nicht. Die Organisation Islamischer Konferenzen hat zwar 1990 eine Kairoer Erklärung der Menschenrechte verabschiedet, doch alle dort formulierten Rechte stehen ausdrücklich unter dem Vorbehalt der Scharia, also des islamischen Rechtssystems.

Der Koran und die Hadithen (die gesammelten Lehraussagen Mohammeds) kennen zwar Menschenrechte („Wir haben den Kindern Adams Ehre erwiesen“, Sure 17, 70). Doch sie unterscheiden zwischen Islam-Gläubigen, dann den anderen Buch-Gläubigen (also Juden und Christen), die als Schutzbefohlene („Dhimmis“) mit geringeren Rechten angesehen werden, und schließlich drittens den Ungläubigen, die  -  für Christen eine schmerzliche Auffassung  -  ewig verloren seien.

Ein sehr aktuelles und sehr schwieriges Thema ist auch das der Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter  -  der traditionelle Islam kennt sie nicht. Schließlich sei noch die Frage des unterschiedlichen Rechtsverständnisses erwähnt. Die Scharia zählt nach herrschender Auffassung zum unveränderbaren Wesenskern des Islam, untrennbar mit der göttlichen Offenbarung und der Überlieferung des Propheten verbunden. Dieses Konzept ist nicht kompatibel mit dem europäischen Rechtsverständnis. Muslime werden daher auf Ablehnung stoßen, wenn sie in manchen Ländern Europas versuchen, unter Berufung auf die „westliche“ Religionsfreiheit Teilen der Scharia Geltung zu verschaffen.

Im Kern geht es um die Frage, ob und wie man in Europa unterschiedliche Kulturen und Religionen mit Demokratie, Toleranz und den universellen Menschenrechten vereinbaren kann. Es ist ein historischer Versuch, Gelingen oder Scheitern stehen dahin.

Im übrigen gelingt die Integration auch in Österreich umso besser, je mehr man den hier lebenden Muslimen das Gefühl vermittelt: Ihr seid willkommen, dies ist unsere Heimat, Ihr sollt die gleichen Bildungs- und Karrierechancen haben wie andere. Integration ist nicht nur eine Bringschuld der Zugewanderten, Integration ist auch eine Holschuld der „Alteingesessenen“.

Ich komme zum Schluss meines Vortrags.


 

4.      Perspektiven des christlich-muslimischen Dialogs

Als Papst Benedikt XVI. am 12. September 2006 an seiner alten Universität Regensburg einen Vortrag zum Thema „Glaube, Vernunft und Universität“ hielt, sorgte eine Passage für Aufregung unter den Muslimen. Der Papst zitierte den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos, der 1391 im Winterlager der islamischen Truppen in Ankara einem gebildeten persischen Gesprächspartner sagte: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“.

Papst Benedikt hatte sich zwar dieses Zitat nicht zu eigen gemacht, doch seine Distanzierung in der Rede war etwas zu schwach und zu unauffällig, sodass er sich bald zu Klarstellungen und Entschuldigungen gezwungen sah.

Heute neigt mancher dazu, in der Zitat-Verwendung weniger eine Panne der päpstlichen Formulierungskunst zu sehen als eine Art provokanten Kunstkniff. Denn worum ging es dem Papst in seiner Regensburger Rede? Es ging ihm um das Verhältnis von Glauben und Vernunft bzw. von Glauben und Gewalt. Hinter dieser Thematik steckt auch eine unterschiedliche Gottesvorstellung: Ist Gott als Logos wesensmäßig nie „unvernünftig“ oder ist er in eine für Menschen unerreichbare Transzendenz gerückt, eine Art „Willkür-Gott“ jenseits menschlicher Vernünftigkeit?[6]

Der Papst erwähnte in seiner Rede die Aussage eines islamischen Gelehrten, wonach Gottes Wille an nichts gebunden sei, auch nicht an die Vernunft. Wäre es Gottes Wille, dass wir Götzen anbeten oder lügen, dann hätten wir dem zu folgen, ohne es zu hinterfragen. Demgegenüber bekannte sich Benedikt zum Gedanken, dass religiöser Glaube und das Suchen der menschlichen Vernunft zusammenhängen, dass Gott die schöpferische Vernunft ist, aus der die Welt entstand und die sich in der Welt spiegelt, so dass auch „unsere Vernunft, unser Sinn für das Wahre und Gute ein wirklicher Spiegel Gottes“ ist.

Der Papst wollte darauf hinweisen, dass die Überordnung des Willens über die Vernunft Gläubige dazu verführen kann, bei ihren Bekehrungsbemühungen eher auf Druck als auf Überzeugung zu setzen und sogar Gewaltanwendung zugunsten Gottes zu rechtfertigen.

Was der Papst nicht erwähnte: dass auch das Christentum zeitweise dieser Gefahr erlegen war, und dass es andererseits in der Geschichte des Islam sehr wohl auch andere Denkrichtungen gab, z. B. die Mutaziliten, eine Richtung, die seit dem späten 8. Jahrhundert unter dem Einfluss griechischer Philosophie im Zweistromland entstand.

Die Verwendung des umstrittenen byzantinischen Kaiser-Zitats führte, wie erwähnt, zu einer muslimischen Protestwelle, aber schon nach wenigen Wochen gewissermaßen auch zum Gegenteil: nämlich zum öffentlich bekundeten Interesse von 38 hohen muslimischen Autoritäten aus aller Welt, die Aufforderung des Papstes anzunehmen und in einer Dialog einzutreten.

Wenige Monate später waren aus den 38 bereits 138 muslimische Würdenträger und Gelehrte geworden, die in einem Offenen Brief den Dialog mit dem Vatikan begrüßten. Für November dieses Jahres wurde in Rom ein gemeinsames Symposion zu Fragen der Gottes- und Menschenliebe verabredet (unwahrscheinlich, dass es die christliche Seite dabei wagen wird, die Trinitätsfrage anzusprechen, denn die Lehre von der Dreifaltigkeit betrachten strenggläubige Muslime als Gotteslästerung und Rückkehr zum Polytheismus).

Bereits vor wenigen Wochen hatten sich schließlich vatikanische und schiitische Dialogpartner in Rom auf eine Sieben-Punkte-Erklärung geeinigt. Die wichtigsten Leitsätze lauten: „Glaube und Vernunft widersprechen einander nicht“ sowie „Glaube und Vernunft sind in sich nicht gewalttätig (und sollten nicht) für Gewalt gebraucht werden“. Nun könnte man fragen, was daran revolutionär sein solle.

Die große Bedeutung der vatikanisch-schiitischen Erklärung liegt in zweierlei: erstens, dass sich die beiden Religionen, die geschichtlich auch auf Phasen von Gewaltaffinität zurückblicken müssen, jetzt eindeutig zu einer glaubensbegründeten Absage an Gewalt bekennen; und zweitens, dass die schiitische Delegation offenbar die Unterstützung der iranischen Staats- und Religionsführung hatte.

Vor dem Hintergrund gefährlicher weltpolitischer Spannungen, die im Nahen und Mittleren Osten durchaus zu weiteren kriegerischen Entladungen führen könnten, haben solche christlich-muslimischen Dialogbemühungen höchste Bedeutung.

Als Frucht des Konzils hatte Papst Paul VI. bereits 1964 ein eigenes „Sekretariat für die Nichtchristen“ geschaffen. 1988 kam dann der Päpstliche Rat für den Interreligiösen Dialog hinzu. Auch die von Johannes Paul II. initiierten Friedensgebete von Vertretern der Weltreligionen in Assisi sollte man kurz erwähnen. Das Rad dieser kirchlichen Bemühungen wird nicht mehr zurückgedreht werden können.

Es ist also etwas in Gang gekommen, freilich mit noch sehr begrenzten Ergebnissen (auch Hans Küngs „Projekt Weltethos“ halte ich für verdienstvoll, aber limitiert in seiner Bedeutung). Wir stehen am Anfang eines langen Weges, wahrscheinlich über viele Generationen hinweg und wahrscheinlich mit Rückschlägen. Doch was mit Deklarationen zur Gewaltabsage beginnt, wird um eine gemeinsame Erörterung von Religionsfreiheit und Menschenwürde nicht herumkommen  -  auch in der islamischen Welt nicht.

Ja, man muss noch weitergehen. In der globalisierten und interdependenten Welt von heute ist jeder auch nur gedankliche Ansatz zur gewaltsamen Durchsetzung eigener Positionen schlicht inakzeptabel. Hier geht es nicht mehr nur um das Interesse einzelner Weltanschauungen oder Nationen  -  hier schiebt sich das Überlebensinteresse der Menschheit selbst zunehmend in den Vordergrund.

Das gilt sowohl für christliche Fundamentalisten, die an „Achsen des Bösen“ denken, wie für den Staat Israel, wenn er aus seinem legitimen Verteidigungsinteresse heraus womöglich an präventive Atombombenangriffe auf iranische Nuklearanlagen denken sollte, oder für Muslime, sofern sie uneingeschränkt am Vorbildcharakter Mohammeds festhalten wollen.

In der islamischen Welt ist die Überzeugung, dass sich die Wahrheit des Islam gerade auch im machtpolitischen Erfolg seiner ersten Jahrhunderte bewiesen habe, weithin lebendig geblieben. Zwar wird von Muslimen oft gesagt, bei Mohammeds Vorgehen nach seiner Vertreibung aus Mekka habe es sich um Verteidigungskriege gehandelt, seine Nachfolger hätten nicht zwecks Ausbreitung des Glaubens, sondern zwecks Ausdehnung und Sicherung ihrer Herrschaft Angriffskriege geführt. Doch die meisten westlichen Historiker stellen eine solche nachträgliche Unterscheidung in Frage.

Die berühmte ganzheitliche Formel lautet ja, wie schon erwähnt, „al-Islâm dîn wa daula“ (der Islam ist Religion und Herrschaftsgewalt in einem)  -  die Formel gilt als unverfügbares Prinzip. Mohammed hat zwar gelehrt, dass ein Angriff auf Nicht-Muslime nicht schon deshalb rechtens sei, weil es sich um Ungläubige handele („Kein Zwang im Glauben“, heißt es in Sure 2, 256  -  freilich ziemlich interpretationsfähig). Doch es gab bei Mohammed eine Voraussetzung für den dann doch legitimen Angriff: das war das dreimalige Ignorieren der Einladung („Dawaa“), den Islam anzunehmen.

Die Frage ist, wie obligatorisch das Beispiel Mohammeds für die Muslime heute noch ist. Das ist ein sensibles Thema, bei dem Außenstehende ihre Anfragen respektvoll formulieren sollten. Denn auch hier geht es darum, ob und inwieweit der Islam in seinen Anfängen zeit- und ortsbedingte Züge getragen habe oder ob Koran und Hadithen ewig wahre und nicht hinterfragbare Quellen darstellen. Der Göttinger Islamwissenschaftler Tilman Nagel schreibt jedenfalls: „Ein Beharren auf dem Verpflichtungscharakter Mohammeds, zumal der kriegerischen Züge, ist in einer auf friedliche Koexistenz angewiesenen Welt nicht mehr vertretbar“[7].

Damit bin ich bei einem letzten Hinweis  -  den auf die moderne  wissenschaftliche Exegese heiliger Texte. Auch im Christentum gab es noch vor wenigen Jahrzehnten eine zum Teil äußerst heftige Auseinandersetzung über Möglichkeiten und Grenzen der „historisch-kritischen Exegese“. Sie galt als gefährlich und glaubenszersetzend  -  in der heutigen christlichen Theologie ist sie „State of the art“.

Dass der Islam mit dem Akzeptieren der Geschichtlichkeit menschlicher Sprache Probleme hat, hängt mit seinem Anspruch zusammen, die uneinholbare Letztoffenbarung Gottes zu sein. Der Koran gilt als direktes, unabänderliches Wort Gottes  -  dagegen ist die Bibel im Christentum Menschenwort, wenn auch göttlich inspiriertes. Jene Reformdenker im Islam, die es heute wagen, den Koran historisch-kritisch auszulegen, sind eine absolute Minderheit. Immerhin: es gibt sie, zum Beispiel in der „Schule von Ankara“.

Vor der römischen Kurie deutete der Papst am 22. Dezember 2007 das Ziel des von ihm gewünschten Dialogs  an: „Die muslimische Welt befindet sich heute mit großer Dringlichkeit vor einer ähnlichen Aufgabe, wie sie sich den Christen seit der Zeit der Aufklärung (im 18. Jahrhundert) stellte und auf die das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) als Frucht einer langen, mühsamen Suche konkrete Lösungen für die katholische Kirche gefunden hat“.

Der christlich-muslimische Dialog ist also  -  auch wegen der Ungleichzeitigkeit der Mentalitätsentwicklung (Stichwort „Aufklärung“)   -  eine komplexe Angelegenheit. Auch heruntergebrochen auf die gesellschaftlichen Bedingungen hier in Österreich (also im wesentlichen auf Fragen der Integration) ist der Dialog kein Selbstläufer mit Fortschrittsgarantie für Gutwillige.

Doch der Dialog ist ein Gebot der weltpolitischen Stunde. Zur Menschenwürde gehört es, sich um ein möglichst gutes gegenseitiges Verständnis zu bemühen. Es ist auch ein Gebot des christlichen Glaubens, durch die Art der eigenen Lebenspraxis anderen gegenüber Liebe und Gewaltfreiheit zu bezeugen. Der christlich-muslimische Dialog ist gewiss ein Wagnis. Er ist kein Five o’clock-tea der Konfessionen. Aber was wäre die Alternative?

Der Großmufti von Sarajewo, Mustafa Çeric,  einer der führenden Köpfe eines aufgeschlossenen europäischen Islam, hat vor wenigen Jahren einmal gesagt:  „Wir müssen den Muslimen die Angst vor dem Identitätsverlust nehmen … Früher hatte ich selber große Bedenken gegen Assimilation. Heute finde ich die Integration der Muslime in die europäischen Gesellschaften so wichtig, dass ich sage: wir müssen sie selbst um den Preis der Assimilation vorantreiben. Wir Muslime müssen aufhören, den Islam als eine nahöstliche Stammeskultur zu präsentieren und stattdessen die universale Botschaft des Islam herausstellen. Statt die Unterschiede zu betonen  -  die gar nicht so groß sind  -  müssen Christen, Juden und Muslime lernen, mit ihren Ähnlichkeiten zu leben“.  -  Vielen Dank!


 

Zum Vortragenden:

Dr. Paul Schulmeister, geb. 1942, freier Publizist in Wien, bis Anfang 2004 Deutschland-Korrespondent des ORF, derzeit ehrenamtlicher Präsident des Katholischen Akademikerverbandes Österreichs (KAVÖ).


 

[1] FAZ vom 5. Juni 2008, S. 42.

[2] Gemeinsame Erklärung der Plattform Christen und Muslime vom 7. März 2006.

[3] Heinrich Schneider, „Der christlich-muslimische Dialog. Voraussetzungen – Erfahrungen – Probleme“, Böhlau Verlag 2007, S. 22.

[4] Heinrich Schneider, aaO, S. 38.

[5] Walter Kasper (zitiert bei Heinrich Schneider, S. 38), Autonomie und Theonomie, in: Helmut Weber/Dietmar Mieth (Hrsg.), Anspruch der Wirklichkeit und christlicher Glaube, Düsseldorf 1980, S. 37.

[6] Vgl. Heinrich Schneider, aaO, S. 49ff.

[7] Tilman Nagel, Kämpfen bis zum endgültigen Triumph - über Gewalt im Islam, in: Neue Zürcher Zeitung vom 25. November 2006, S. 30. Die derzeit gründlichste Darstellung dieser Problematik findet sich in Tilman Nagels neuem Standardwerk: Mohammed, Leben und Legende, Oldenbourg Verlag 2008.

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2008-06-13 Bad Vöslau: Mediationsverfahren zum Moscheebau

Bad Vöslau: Moscheedebatte beruhigt sich,Moschee soll nach Mediationsverfahren Ende des Jahres fertiggestellt werden. Bürgermeister Prinz bei Diskussionsveranstaltung der Plattform.

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2008-06-13 BAD VÖSLAU: Mediationsverfahren zum  Moscheebau

Miteinander Reden bringt wahre Probleme zu Tage - und Lösungswege

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Wien, 13.6.08 (KAP) Das Mediationsverfahren für einen Moscheebau in Bad Vöslau kann "Vorbildcharakter für ganz Österreich" haben. Das wurde bei Diskussionsveranstaltung der Plattform "Christen und Muslime" am Donnerstagabend in Wien festgestellt. Für die zum Teil hitzig geführte "Moscheebaudebatte" in Bad Vöslau hatte man sich schließlich auf ein Mediationsverfahren geeinigt. Dieses habe mit einem für alle Beteiligten "tragbaren Kompromissvorschlag" geendet, hieß es bei einem "Jour Fixe" zum Thema "Moscheen und Gebetsräume in Österreich" in der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) in Wien.

Im Juni des Vorjahres war das Projekt eines türkischen Kulturzentrums mit Gebetsraum und Schulungsräumen in Bad Vöslau der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die Kosten wurden damals mit rund einer Million Euro beziffert; Baubeginn war im Frühjahr 2008, die Fertigstellung ist für Herbst dieses Jahres geplant.

Christoph Prinz, Bürgermeister von Bad Vöslau, berichtete bei der jetzigen Veranstaltung aus erster Hand vor Mitgliedern der Islamischen Glaubensgemeinschaft sowie Mitgliedern der Plattform "Christen und Muslime" über die rund zwei Jahre andauernde Debatte in Bad Vöslau. Die Verhandlungen mit dem Betreiber des Bauvorhabens, dem Verein ATIB (Union der türkisch-islamischen Kulturvereine), seien von gegenseitiger Rücksichtnahme und beidseitiger Kompromissbereitschaft geprägt gewesen, so Prinz. So habe ATIB bereits nach kurzer Zeit von dem ursprünglichen Plan wieder Abstand genommen, eine Moschee mit zwei Minaretten von bis zu 30 Meter Höhe bauen zu wollen.

In einem moderierten Mediationsverfahren habe man mehrere Entwürfe durchgesprochen und sich schließlich auf einen Entwurf geeinigt, der einen modernen Bau vorsieht, der von seiner Höhe her den Nachbargebäuden angeglichen ist. Die Minarette werden nach derzeitigem Planungsstand aus Glas gefertigt und überragen den Hauptbau mit rund 14 Meter Höhe nur um wenige Meter.

Wie Prinz weiter berichtete, sei die Debatte von Medien aufgeheizt worden; Folgen waren eine "künstliche Skandalisierung" und eine Unterschriftenaktion gegen den Moscheebau, die schließlich von mehr als 1.300 Menschen unterschrieben wurde. "Für einen Bürgermeister, der den sozialen Frieden ineiner kleinen Gemeinde bewahren muss, ist das eine schwierige Ausgangssituation für Verhandlungen", so Prinz. Das anschließende Mediationsverfahren, an dem alle politischen Parteien sowie eine freie Bürgerliste beteiligt waren, konzentrierte sich laut Prinz schließlich auf die Frage der Optik des Moscheebaus sowie auf die Frage der Integration in Bad Vöslau. "Für uns war das mit einem 'Aha'-Erlebnis verbunden, da wir festgestellt haben, dass wir das Thema Integration in Bad Vöslau ganz neu anpacken müssen", betonte der Bürgermeister. Mittlerweile gebe es bereits erste Projekte zur Verbesserung der Integration wie etwa Sprachkurse.

Die unmittelbare "Moscheedebatte" habe sich in Bad Vöslau mittlerweile beruhigt, so Prinz. "Die Bevölkerung und die Beteiligten können mit dem jetzigen Plan leben", selbst die anfänglich auf verschiedenen Internetplattformen weiter geführte Debatte sei weitgehend verstummt.

"Geht um Präsenz des Islam in Österreich"
In der Debatte waren sich die Beteiligten einig, dass die Frage der Höhe der Minarette sowie die Höhe der Moscheekuppel letztlich nur ein Symptom einer tieferen Fragestellung nach der Präsenz des Islam in Österreich sei. So meinte Mouddar Khouja von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), dass ein Minarett zwar nicht zwingend zu einer Moschee gehöre, da der Bau eines Minaretts geschichtlich mit der Frage der akustischen Vernehmbarkeit des Muezzins zusammenhing, dennoch habe das Minarett heute gerade in Europa einen für Muslime hohen symbolischen Wert. "Ein Minarett demonstriert, dass wir in dieser Gesellschaft angekommen sind", so Khouja, es gehe dabei jedoch "eindeutig nicht um eine Machtdemonstration".

Zustimmung kam auch vom Integrationsbeauftragten der IGGiÖ, Omar Al-Rawi. Minarette drückten die "Sehnsucht der Muslime aus, sichtbar im jeweiligen Land zu sein". Es sei daher "frustrierend", so Al-Rawi, wenn die Eindeutigkeit der Moschee zugunsten des Begriffs des "Kulturzentrums" in den Hintergrund gedrängt werde.

Für ein offeneres Auftreten der Muslime in Österreich sprach sich auch Tarafa Baghajati von der IGGiÖ aus. "Warum müssen wir immer von einem Kulturzentrum sprechen, warum sagen wir nicht eindeutig, was wir wollen: Wir wollen eine Moschee", so Baghajati. Das Mediationsverfahren von Bad Vöslau habe deutlich gezeigt, dass durch einen intensiven Dialog mit allen Beteiligten und durch Einbindung der Bevölkerung Vorurteile abbaubar sind und gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann. Zugleich bedürfe es jedoch auch einer "Entnationalisierung der Moscheen", so Baghajati. Gegenseitige Vorurteile und Verdachtsmomente würden oftmals durch die Verkettung von Religion und Nationalität entstehen, daher liege es an den Muslimen in Österreich, sich "eindeutiger als österreichische Muslime zu deklarieren" und auch den Moscheen den durch Herkunft geprägten "nationalen" Charakter zu nehmen.   

"Kulturelles Tiefengedächtnis ernst nehmen"
Der Publizist und Präsident des Katholischen Akademikerverbandes Österreichs, Paul Schulmeister, betonte ebenfalls die Möglichkeit, die Struktur des koordinierten und moderierten Mediationsverfahrens "auf möglichst vielen Ebenen" österreichweit einzurichten, um zu einem breiteren gegenseitigen Verständnis beizutragen. Mit Sorge beobachte er eine derzeitige "Verhärtung der Fronten in Österreich", der nur durch "Klarheit der Positionen und beidseitige Empathie" begegnet werden könne. Vorbehalte gegenüber dem Islam sollten offen geäußert und angesprochen werden; die Muslime seien wiederum aufgefordert, diese Vorbehalte, die zum Teil aus dem "österreichischen kulturellen Tiefengedächtnis" stammen und mit Begriffen wie der "Türkenbelagerung" verknüpft sind, ernsthaft aufzugreifen.

Dem katholischen Publizisten Heinz Nußbaumer zufolge stellt die soziale Frage noch immer eines der zentralen Probleme im Blick auf die Akzeptanz des Islam in Österreich dar. In der öffentlichen Wahrnehmung existiere der Islam in den "sozialen Extremformen der Armut oder in Form superreicher Scheichs". Sozial sei der Islam noch nicht in der Mittelschicht und damit auch noch nicht ganz in Europa angekommen, so Nußbaumer. Dieser soziale Aspekt produziere wiederum starke Vorurteile und sei durch Diskussionen allein nicht auszuräumen

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2008-06-11 "140 Jahre Roter Halbmond"

Der Wiener Dr. Abdullah Karl Eduard Hammerschmidt gründete die Schwesternorganisation des Roten Kreuzes 1868 in Istanbul

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Am 11. Juni 1868 gründete der 1801 in Wien geborene Dr. Karl Eduard Hammerschmidt die Schwesternorganisation des Roten Kreuzes im orientalisch-muslimischen Raum, den Roten Halbmond. Als angesehener Arzt und Pionier der Narkose hatte Hammerschmidt im Zuge der Wirren nach der Revolution von 1848 Österreich verlassen. Im Osmanischen Reich fand er in Istanbul eine zweite Heimat, konvertierte zum Islam und nannte sich fortan Abdullah Bey. Zu seinem Gedenken findet folgende Abendveranstaltung statt:

Einladung zur Festveranstaltung  

http://christenundmuslime.vivolum.net/artimg/article-185-img2.jpg 

Zu Ehren von Dr. Abdullah Karl Eduard Hammerschmidt und des 140. Jahrestages der Gründung des Roten Halbmondes  

Zeit: 11. Juni 2008 um 19.00 Uhr

Ort:  Billrothsaal der Gesellschaft der Wiener Ärzte 
        1090 Wien, Frankgasse 8, 1090 Wien

Ehrenschutz: Stadtrat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien, Dr. Andreas Mailath-Pokorny

Programm:

Musikalische Begrüßung:  Kinderchor Hilal
Begrüßung durch Dr. Michael  Lugger, Verein Carima
Grußworte von Dr. Andreas Mailath-Pokorny, Stadtrat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien
Grußworte von Se. Exz. Selim Yenel, Botschafter der Republik Türkei
Musikalisches Zwischenspiel: Duo Hic Adi Yok
Grußworte von Dr. Werner Kerschbaum, stv. Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuz
Festvortrag von Univ. Prof. Dr. Werner List, Präsident des Österreichischen Roten Kreuz Steiermark
Musikalisches Zwischenspiel: Ensemble Bard.Allah
Ansprache von Prof. Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
Ausklang in persönlicher Begegnung (kleine Erfrischungen)
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Eine Veranstaltung in Kooperation von:
Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich
Österreichisches Rotes Kreuz
Botschaft der Republik Türkei in Österreich
Verein Carima

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2008-04-30 Glaube und Vernunft in Christentum und Islam

Vatikanstadt, 30.4.08 (KATHPRESS) Papst Benedikt XVI. hat eine Delegation iranischer Muslime empfangen. Die Delegation stand unter Führung des neuen Chefs der "Islamic Culture and Relations Organization" (ICRO), Mahdi Mostafavi.

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Die iranischen Theologen hatten an einem Kolloquium mit dem Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Dialog teilgenommen. Das bilaterale Treffen im Vatikan befasste sich von Montag bis Mittwoch mit dem Thema "Glaube und Vernunft in Christentum und Islam".

Gewaltfreiheit von Religion bekräftigt
In einer gemeinsamen Schlusserklärung des Kolloquiums bekräftigten iranische und vatikanische Vertreter, dass Religion "in sich gewaltlos" ist. Weder Vernunft noch Glaube dürften für Gewalt benutzt werden. Leider sei dieser Missbrauch in der Vergangenheit geschehen.

Dies könne aber nicht Vernunft oder Glauben in Frage stellen. Glaube und Vernunft seien "Gaben Gottes an die Menschheit" und könnten nicht in Widerspruch zueinander stehen. Der Glaube könne mitunter über der Vernunft stehen, "aber niemals gegen sie", betonten die katholischen und islamischen Theologen.

Beide Seiten verständigten sich auf eine stärkere Zusammenarbeit zur Förderung "echter Religiosität" und der entsprechenden Spiritualität.

Dabei müsse man zu Respekt vor religiösen Symbolen und zur Wahrung moralischer Werte ermutigen. Über bloße Toleranz hinaus sollten Christen und Muslime Unterschiede akzeptieren und Gemeinsamkeiten erkennen. Ausdrücklich verurteilten beide Seiten ein Lächerlichmachen von religiösen Überzeugungen.

Weiter warnten die Theologen vor Generalisierungen im Gespräch über Christen und Muslime. Den unterschiedlichen Bekenntnissen innerhalb beider Religionen sowie den geschichtlichen Kontexten sei Rechnung zu tragen. Zudem dürften religiöse Traditionen nicht auf der Grundlage einzelner Aussagen der jeweiligen Heiligen Schrift beurteilt werden.

Notwendig sei "eine ganzheitliche Sicht wie auch eine angemessene hermeneutische Methode".

Das nächste Kolloquium wird in zwei Jahren in Teheran gehalten werden. Delegationsführer auf vatikanischer Seite war Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Delegationsführer auf iranischer Seite Mahdi Mostafavi, der Präsident des ICRO. Der vatikanischen Delegation gehörten u.a. auch der Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Erzbischof Pier Luigi Celata, und der chaldäisch-katholische Erzbischof von Teheran, Ramzi Garmou, an.

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2008-04-21 IGGIÖ: Stellungnahme nach Äußerungen von BM Hahn zum Kopftuch

Starke Irritation nach Minister Hahns Überlegungen zu einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst

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Das Kopftuch im öffentlichen Dienst verbieten zu wollen hat große Besorgnis und vor allem Irritation hervorgerufen. Zahlreiche Musliminnen meldeten sich inzwischen verunsichert bei uns. Hatte nicht derselbe Minister am Tag der Veröffentlichung seiner Aussagen vor tausenden Frauen mit Kopftuch eine Rede gehalten, am Vorabend als Gast bei einem arabischen Kulturverein noch deklariert, „kein Problem mit dem Kopftuch" zu haben? In seiner Ansprache vor der Muslimischen Jugend drückte Präsident Schakfeh seine Missbilligung nach dem Erwägen eines Kopftuchverbots im öffentlichen Dienst aus und ermutigte die vielen jungen muslimischen Frauen weiter ihren Weg der Partizipation zu gehen.

  

Keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anerkannter Religionsgemeinschaften

In Österreich hatte bisher ein breiter Konsens geherrscht, wie günstig es ist, das Kopftuchtragen als Angelegenheit der persönlichen Entscheidung und der Religionsfreiheit unaufgeregt gelassen zu behandeln. Die verschiedenen Diskurse zum Thema wurden vor allem über den Umweg der Medienberichterstattung aus dem Ausland zu uns gebracht. Ohne unterschiedlichen Auffassungen aus dem Weg zu gehen, war ein sachlich-konstruktiver Stil auch ein Indikator, warum das österreichische Anerkennungsmodell des Islam eine Basis für den institutionalisierten Dialog schafft, der dann ein Stück „Aufklärung" für alle bedeutet. Muslime sollten vor sachlich falschen Interpretationen und Einmischungen in die inneren Angelegenheiten so wie die anderen anerkannten Religionsgemeinschaften geschützt sein. Die Feststellung das Kopftuch sei ein „Zeichen der Unterwerfung" ist solch ein Konstrukt, das Ungleichbehandlung moralisch legitimieren soll. Wenn dann noch „Aufklärung" ins Spiel gebracht wird, um Mädchen und Frauen vom Kopftuchtragen abzubringen, werden muslimische Frauen vollends ins Opferbild gedrängt und bevormundet.

  

Selbstbestimmungsrecht der Frau

Als Islamische Glaubensgemeinschaft setzten wir uns eben nicht nur für Wissen über den religiösen Hintergrund des Kopftuches ein und warum dieses KEIN Symbol für Unterdrückung, Fundamentalismus, Ablehnung der westlichen Gesellschaftsordnung usw. ist. Es war uns ein besonderes Anliegen, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und Mädchen herauszuarbeiten. Damit konnte uns auch ein wichtiger Impuls für den innermuslimischen Diskurs gelingen.

  

Antidiskriminierungsgesetz als Schutz vor Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz

Die österreichische Rechtslage kennt keine „Kopftuchverbote". Seit bald vier Jahren sollte das Antidiskriminierungsgesetz zusätzlich Bewusstsein schaffen, dass es ein Unrecht darstellt, eine Frau wegen ihres Kopftuchs als potentieller Arbeitgeber abzulehnen. Freilich begegnen Frauen, die auf Arbeitssuche sind, immer noch Ressentiments. Sie erleben häufig, dass die Stelle eben „leider schon vergeben" ist.

  

Bewusstseinsbildung durch Sichtbarmachung muslimischer Frauen in der Arbeitswelt

Umso wichtiger ist ein Zeichensetzen auch von öffentlicher und staatlicher Seite. Die Industriellenvereinigung war beispielsweise bereits Kooperationspartner bei der Verleihung der MiA Anerkennungspreise für engagierte Migrantinnen. Diese Veranstaltung war auf Initiative der ÖVP Staatssekretärin Marek entstanden. Frauen mit Kopftuch waren wie selbstverständlich ohne Rechtfertigungsdruck Mitglieder in der Jury und als Kandidatinnen nominiert. Der Bund als größter potentieller Arbeitgeber könnte aktiv werden, um gleichfalls für die Partizipation muslimischer Frauen im Arbeitsbereich Signale zu senden. So nimmt es sich auch reichlich merkwürdig aus, dass Bundesminister Hahn von „Abschottung" im Zusammenhang mit dem Kopftuch spricht. Dies just über jene Frauen zu sagen, die sich um Integration in den Arbeitsmarkt bemühen, muss den Verdacht nähren, schließlich habe man es sich im Klischee von der dummen, unterdrückten Frau, die bestenfalls als Reinigungskraft arbeite, gut eingerichtet.

  

Wo bleibt die Chancengleichheit? Wie soll der Schutz vor religiöser Diskriminierung am Arbeitsplatz in die Köpfe dringen, falls der Staat selbst eine Frau mit Kopftuch prinzipiell ablehnen wollte?  Dann müsste sich ein Arbeitgeber, der laut Gesetz mit Sanktionen zu rechnen hätte, wenn er eine Frau wegen ihres Kopftuches nicht einstellt, sich ja moralisch weiter im Recht fühlen.

  

Aufbrechen von Rollenklischees durch Integration in den Arbeitsmarkt

Integration in den Arbeitsmarkt bricht überkommene Rollenbilder nach innen wie außen auf.  Abgesehen von einer Stärkung im frauenrechtlichen Sinne ist Sichtbarkeit im Staatsdienst ein starker Beweis für die Vereinbarkeit einer Identität als Muslimin mit einem Einstehen für die Werte von Demokratie, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.

  

Mit Ängsten Politik zu machen, ist das genaue Gegenteil von „Aufklärung", wie sie Bundesminister Hahn gerne in den Mund nimmt. Angst schafft ein Sicherheitsbedürfnis, das dann auch Eingriffe in Freiheitsrechte legitimieren soll. In der Debatte um den Islam in Europa sollten wir uns nicht von Ängsten leiten lassen, sondern den bewährten Weg des Dialogs weitergehen.

  

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati

Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Tel. 06991 2381075 oder 01 2595449

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