Dialog: Zeit zum Friedenstifen

Schweizer Bischöfe: Türkischer Minister will Religions-Charta

(Freiburg, 16.05.2016 (KAP/KATH.CH) "Islam"-Arbeitsgruppe der Schweizer Bischofskonferenz besuchte Türkei und Religionsbehörde Diyanet

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Der türkische Religionsminister Mehmet Görmez befürwortet eine gemeinsame Charta von Muslimen, Christen und Juden in seinem Land. Sie solle Kriterien für ein friedliches Miteinander der Religionen festlegen, berichtete die Schweizer Presseagentur "kath.ch" am Montag unter Berufung auf die Schweizer Bischofskonferenz. Deren Arbeitskreis "Islam" war am Wochenende von einer Reise in die Türkei zurückgekehrt, wo die siebenköpfige Delegation mit dem Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet zusammengetroffen war.

Görmez habe die Rolle des interreligiösen Dialogs betont, um Missverständnissen und Vorurteilen den Boden zu entziehen. Der Minister und der Großmufti von Istanbul, Rahmi Yaran, bekräftigten den Angaben zufolge, dass die Türkei trotz der stärkeren Sichtbarkeit des Islam an ihrer säkularen Ordnung festhalten werde. Daran werde auch die beabsichtigte Überarbeitung der türkischen Verfassung nichts ändern.

Ökumenische Einstellung gewachsen

Die "Islam"-Arbeitsgruppe des Schweizer Episkopats stellte bei ihren Begegnungen fest, dass die Christen als kleine Minderheit in der Türkei zu einer offenen und fruchtbaren ökumenischen Haltung gefunden haben. So haben die unterschiedlichen christlichen Denominationen der Türkei gemeinsam ein Buch herausgegeben, das unter dem Titel "Common Teaching of Christianity" die gemeinsamen Glaubensgrundlagen aller Christen darlegt. Eine englischsprachige Aus-gabe dieses auf Türkisch verbreiteten Buches ist in Vorbereitung.

Was die katholische Kirche betrifft, so vereinigt deren Bischofskonferenz in der Türkei alle katholischen Kirchen, das heißt neben der "lateinischen" Kirche auch jene der orientalischen und altorientalischen Riten. Während bislang die Christen in der Türkei traditionell nach ethnischen Kriterien organisiert waren, ist die katholische Kirche seit einigen Jahren daran, zu einer türkischen Volkskirche zu werden. Mehr und mehr Gläubige sind türkischsprachig. Immer häufiger werden die Gottesdienste in ihrer Sprache gefeiert.

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Vatikandialog mit Al-Azhar-Großscheich offenbar am 19. März 2016

(24.2.2016) Treffen hat Ziel, angesichts des weltweiten Terrorismus die Zusammenarbeit zwischen Katholiken und sunnitischen Muslimen neu auszurichten - Dialogexperte Pater Samir: Zentralfrage ist Abrücken von der wörtlichen Koranauslegung

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Rom-Berlin, 24.2.2016 (KAP) Papst Franziskus und einer der wichtigsten islamischen Gelehrten planen ein Treffen, um angesichts des weltweiten Terrorismus die Zusammenarbeit zwischen Katholiken und sunnitischen Muslimen neu auszurichten. Am 19. März werde der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität, Scheich Ahmed al-Tayyeb, dazu im Vatikan erwartet, teilte die Universität Münster am Dienstag mit. Vom Vatikan war zunächst keine Bestätigung zu erhalten.

Tayyeb steht seit 2010 an der Spitze der Al-Azhar-Universität, die eines der wichtigsten Lehrinstitute für den sunnitischen Islam weltweit ist. Kontakte der Universität zum Vatikan bestehen seit 1998. Die Gespräche wurden seitens der ägyptischen Hochschule jedoch 2011 abgebrochen. Grund war ein Appell von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) an Ägypten, die koptischen Christen besser vor Terror und Gewalt zu schützen.

Tayyeb reist auf Initiative der Universität Münster am 15. März nach Deutschland. Zunächst soll er in Berlin vor Bundestagsabgeordneten, Vertretern der Religionsgemeinschaften und Wissenschaftlern über das "Friedenspotenzial des Islam" sprechen, bevor er am 16. März das Islamzentrum an der Universität Münster besucht.

Es ist das zweite Mal überhaupt, dass Tayyeb nach Europa kommt. Vergangenen Juni reiste er zu einer Tagung katholischer und sunnitischer Spitzenvertreter nach Rom. Das Treffen wurde von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio organisiert.

Erst vergangene Woche hatte eine Delegation des Vatikan dem Großscheich eine Einladung des päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog überbracht. Damit nahmen Vatikan und Al-Azhar nach der fünfjährigen Unterbrechung wieder die Gespräche auf. Nach Kairo gereist war der Sekretär des päpstlichen Dialogrates, Bischof Miguel Angel Ayuso Guixot. In dem vom Präsidenten des Dialograts, Kardinal Jean-Louis Tauran, unterzeichneten Einladungsschreiben ist auch die Rede von einer offiziellen Audienz bei Papst Franziskus.

Die Idee, den Großimam der Al-Azhar-Universität in den Vatikan einzuladen, war eine gute Wahl zum rechten Zeitpunkt, kommentierte der ägyptische Jesuit und Islamforscher P. Samir Khalil Samir im Gespräch mit "Radio Vatikan". Der Konflikt zwischen dem Heiligem Stuhl und der Kairoer Islam-Universität sei seinerzeit  entstanden, weil "einige der Worte von Papst Benedikt zum Vorwand genommen wurden, die sich gegen niemanden richteten, aber die Religionsfreiheit verteidigten". Benedikt hatte damals den Terroranschlag auf die Markus-Petrus-Kirche in Alexandrien als "feige Geste des Todes" verurteilt.

Die Einladung an den Großimam sei ein Versuch, "den Dialog mit dem sunnitischen Islam wieder aufzunehmen", so P. Samir: "Die islamische Welt erlebt heute vielleicht ihre tiefste Krise in den letzten Jahrzehnten. Das ist ein echter innerer Zusammenprall, ausgelöst von der Ideologie des sogenannten 'Islamischen Staates'. Das ist eine inakzeptable Ideologie, die der islamischen Welt Unrecht tut." Genau deshalb sei es hilfreich, islamische Theologen zu unterstützen, die sich gegen den IS-Wahn stellten.

Die Grundfrage im islamischen Denken sei heute die Auslegung des Korans. "Die wörtliche Auslegung besonders jener Passagen, die Gewalt betreffen, ist heute unmöglich. Unmöglich ist folglich auch die Anwendung dieser Prinzipien, wie das die IS-Terroristen predigen", stellte P. Samir fest.

Die Universität Al-Azhar stelle sich demgegenüber der wörtlichen Koran-Auslegung entgegen. Wahr sei aber auch, dass sich die IS-Terroristen an Auslegungen und Texte von sunnitischen Imamen hielten, die die wörtliche Koran-Auslegung nicht direkt verurteilten.

"Glaube und Vernunft miteinander in Einklang bringen" 

Er selbst bemühe sich im Gespräch mit muslimischen Gelehrten immer, daran zu erinnern, dass der Islam diesen Streit selbst bereits im Mittelalter beigelegt habe, fuhr P. Samir fort: "Man war zu dem Schluss gekommen: der Text muss interpretiert werden. Und erst seit einem Jahrhundert dominiert die Tendenz, ihn wörtlich zu nehmen. Diese Änderung kam unter dem Einfluss fundamentalistischer Strömungen wie des Wahabismus zustande. Diese Doktrin stammt aus Saudi-Arabien und Qatar, den reichsten Provinzen der islamischen Welt, die aus diesem Grund ihre Ideologie - denn es ist eher Ideologie als Theologie - überall verbreiten und auferlegen können. Deshalb halte ich es für hoch bedeutsam, die Freundschaft mit Al-Azhar zu erhalten, um dieser Bildungsstätte zu helfen und sie zu ermutigen, diesen Tendenzen entgegenzutreten."

Auf diese Weise könne man dazu gelangen, Terrorismus nur noch als Terrorismus anzusehen, "ohne Verbindung zum wahren Islam", so der Jesuit: "Den Islam neu auszulegen, ist heute der Weg. Wir als Christen können diesen Prozess unterstützen, indem wir zeigen, dass auch in unserer Tradition die wörtliche Auslegung der Bibel überwunden wurde".

Der Schüssel sei es, "Glaube und Vernunft miteinander in Einklang zu bringen". Dies sei auch Ziel Papst Benedikts XVI. gewesen, wie er es in seiner berühmten, vielfach missverstandenen "Regensburger Rede" 2006 getan habe.

(ende) fam/gpu/

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Katholisch-muslmisches Forum: NEIN zur Gewalt im Namen der Religion

(13.11.2014) - Papst empfing Dialogforum

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Vatikanstadt, 13.11.14 (KAP) Das in Rom tagende katholisch-muslimische Forum hat einmütig Gewalt im Namen der Religion verurteilt. "Es ist nie akzeptabel, solche Taten mit religiösen Motiven zu rechtfertigen oder solche Akte mit Religion zu vermengen", hieß es am Donnerstag mit Blick auf die Gräueltaten der IS-Dschihadisten in der gemeinsamen Abschlusserklärung einer dreitägigen Konferenz. Terrorismus, Unterdrückung und Angriffe gegen Unschuldige sowie die Entweihung heiliger Stätten und die Zerstörung von kulturellem Erbe dürfe es zwischen den Religionen nicht geben.

Es war das dritte Treffen von Vertretern des vatikanischen Einheitsrates mit hochrangigen Repräsentanten des Islam. Die Begegnung stand unter dem Motto "Zusammen arbeiten, um anderen zu dienen" und befasste sich mit der Jugendbildung, interreligiösem Dialog und gesellschaftlichem Einsatz.

Angesichts der Spannungen und Konflikte in der Welt müssten Christen und Muslime besser und vertrauensvoller zusammenarbeiten, heißt es in der Schlusserklärung. Große Bedeutung hat aus Sicht des Forums die Erziehung junger Menschen in Familie, Schule, Universität, Kirche oder Moschee. Schulbücher und Lehrpläne sollten ein objektives und respektvolles Bild der anderen Seite zeigen. Der interreligiöse Dialog sei für ein besseres gegenseitiges Verständnis unverzichtbar.

Eindeutig erklärte sich das Forum gegen Vorurteile, Entstellungen, Verdächtigungen und unangemessene Verallgemeinerungen. Alle Teilnehmer wünschten sich eine friedliche Beziehung zwischen den Religionen. Der Dialog brauche auch konkretes Handeln wie Begegnungen unter jungen Leuten und gemeinsame Projekte für das Gemeinwohl.

Die vatikanische Seite wurde geleitet von Kardinal Jean-Louis Tauran, dem Präsidenten des Einheitsrates. Die muslimische Delegation führte Seyyed Hossein Nasr an, Professor für Islamische Studien an der George Washington Universität in Washington. Er vertrat den jordanischen Prinzen Ghazi bin Muhammad, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste.

Am Mittwoch hatte Papst Franziskus die Mitglieder des Forums empfangen. Einzelheiten von der Begegnung wurden nicht bekanntgegeben.

Das katholisch-muslimische Forum trat erstmals 2008 zusammen. Nach den Spannungen um die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. zwei Jahre zuvor hatten der Vatikan und moderate Muslime in diesem Rahmen wieder einen Dialog aufgenommen.

Der Sekretär des Päpstlichen Dialogrates, Miguel Ayuso Guixot, sagte am Donnerstag, auch bei den jetzigen, zweitägigen Gesprächen gehe es um das Thema Gewalt. "Angesichts von Grausamkeiten müssen wir neue Wege finden, um den Dialog im Dienst an den Menschen zu verstärken", sagte er der französischen Zeitung "La Croix". "Die Bilder unerträglicher Unmenschlichkeiten, die wir sehen, verlangen von uns präzise und angemessene Antworten."

Das erste Forum vom November 2008 hatte sich im Vatikan mit dem Thema Gottes- und Nächstenliebe beschäftigt; beim zweiten Forum ging es 2011 in Jordanien um Glauben und Vernunft. Zur islamischen Delegation gehören Gelehrte aus Nordafrika, Indonesien und den USA.

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Christen und Muslime im Hl. Land zur Al-Aksa-Moschee

(11.11.2014) Gemeinsame Erklärung von Spitzenvertretern der christlichen Kirche im Heiligen Land mit der islamischen Wakf-Behörde nach Solidaritätsbesuch auf dem Jerusalemer Tempelberg

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Jerusalem, 11.11.14 (KAP) Ranghohe Vertreter von Islam und Christentum haben eine Beibehaltung der bestehenden Regelungen für den Zugang zum Tempelberg und in der Stadt Jerusalem gefordert. Die Kirchenführer des Heiligen Landes verlangten in einer am Montagabend verbreiteten gemeinsamen Erklärung mit der islamischen Wakf-Behörde freien Zugang zur Al-Aksa-Moschee für Muslime. Zugleich bestanden sie auf einem "vollen Gebetsrecht" und "exklusiven Besitzrechten an der Al-Aksa-Moschee durch die Muslime weltweit".

In der gemeinsamen Erklärung wird weiter auf die Bedeutung der jordanischen Aufsicht über die Heilige Stätte sowie aller christlichen und muslimischen Heiligen Stätten in Jerusalem und im Heiligen Land hingewiesen. Zugleich betonen die Religionsvertreter den Fortbestand des unter Kalif Omar Ibn al-Khattab (592-644) geschlossenen muslimisch-christlichen Abkommens. Es stehe für eine brüderliche Koexistenz beider Religionen in Jerusalem und sei Garant der Religionsfreiheit für Christen.

Beide Seiten verpflichteten sich in der Erklärung zum Gebet für ein "Ende der Ungerechtigkeit und Wiederherstellung von Sicherheit und Frieden in dieser Stadt, die ein Modell der friedlichen Koexistenz sein müsste".

Nach den jüngsten Ausschreitungen in Jerusalem hatten die Kirchen im Heiligen Land bereits am vergangenen Freitag zu Respekt vor den islamischen Stätten auf dem Tempelberg aufgerufen. Die nunmehrige gemeinsame Erklärung mit der islamischen Wakf-Behörde folgt auf einen Solidaritätsbesuch einer Delegation von Kirchenvertretern am Montag auf dem Tempelberg, der von den Muslimen Haram al-Scharif ("edles Heiligtum") genannt wird. Zur Delegation gehörten unter anderen der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, der griechisch-orthodoxe Patriarch Theophilos III. und der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan. Sie wurden vom Rat der Wakf-Behörde sowie weiteren ranghohen Muslimen empfangen.

In den vergangenen Wochen war es wiederholt zu Gewalttätigkeiten an der Al-Aksa-Moschee und am Felsendom gekommen. Auslöser waren teils Besuche israelischer Nationalisten, teils Angriffe muslimischer Palästinenser. Der Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt gilt Muslimen weltweit als drittheiligste Stätte nach Mekka und Medina.

Juden verehren die Stelle als ehemaligen Standort des zentralen Tempels, der im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde.

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Erstes Seminar des katholisch-muslimischen Forums: Über Gottes- und Nächstenliebe

(8.11.2008) - Erste gemeinsame Erklärung des katholisch-muslimischen Forums im Vatikan vom 4.-6. November 2008.

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Wir veröffentlichen die einzelnen Punkte der gemeinsamen Erklärung, die heute, Donnerstag, am Ende der dreitägigen Arbeitsgespräche des ersten Seminars des neu eingerichteten katholisch-muslimischen Forums im Vatikan vorgestellt worden ist.

Von muslimischer und von katholischer Seite nahmen jeweils 24 Vertreter und fünf Berater an der historischen Begegnung teil. Das katholisch-muslimische Forum wurde vom Päpstlichen Rat für den Interreligiösen Rat und von Vertretern jener 138 islamischen Gelehrten eingerichtet, die sich in einem offenen Brief an Papst Benedikt und die ganze christliche Welt für einen intensiveren Dialog und mehr Zusammenarbeit ausgesprochen hatten. 

1. Für Christen ist die Quelle und das Vorbild für die Liebe zu Gott und zum Nächsten die Liebe Christi zu seinem Vater, zur Menschheit und zu jedem Menschen. „Gott ist die Liebe" (1 Joh 4,16), und „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16). Gottes Liebe ist durch den Heiligen Geist in das menschliche Herz hineingelegt worden.

Es ist Gott, der uns zuerst liebt und uns dadurch in die Lage versetzt, ihn zurückzulieben. Liebe schadet dem Nächsten nicht, sondern zielt vielmehr darauf ab, den anderen so zu behandeln, wie man es für sich selbst erhoffen würde (vgl. 1 Kor 13,4-7). Liebe ist die Grundlage und die Zusammenfassung aller Gebote (vgl. Gal 5,14). Die Nächstenliebe kann von der Gottesliebe nicht getrennt werden, ist sie doch Manifestation unserer Gottesliebe. Das ist das neue Gebot: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe" (Joh 15,12). Christliche Liebe, die auf der aufopfernden Liebe Christi fußt, bedeutet Vergebung und schließt niemanden aus; deshalb schließt sie sogar die eigenen Feinde ein. Sie darf nicht nur in Worten bestehen, sondern muss sich auch in Taten äußern (vgl. 1 Joh 4,18). Das ist Beweis für ihre Echtheit.

Für Muslime ist die Liebe, wie es in „Eine gemeinsame Welt - A Common World" festgehalten wurde, eine zeitlose transzendente Kraft, die die Rücksicht der Menschen im Umgang miteinander anleitet und verwandelt. Diese Liebe kommt, wie der heilige und geliebte Prophet Mohammed aufzeigte, vor der menschlichen Liebe, die dem einen wahren Gott entgegengebracht wird. In einem Hadith heißt es, dass das liebende Mitgefühl Gottes für die Menschheit sogar noch größer sei als jenes einer Mutter für ihr Kind (Muslim, Bab al-Tawba: 21); deshalb existiert sie vor und unabhängig von der menschlichen Antwort auf den Einen, der „der Liebevolle" ist. So unermesslich groß sind diese Liebe und dieses Mitgefühl, dass Gott oftmals und an vielen Orten auf vollkommene Art und Weise eingegriffen hat, um die Menschheit zu führen und zu retten, indem er ihr Propheten und Schriften schickte. Das letzte dieser Bücher, der Koran, portraitiert eine Welt voller Zeichen, einen wunderbaren Kosmos göttlicher Kunstfertigkeit, die unsere äußerste Liebe und Ergebenheit weckt, so dass „die, die glauben, Gott noch mehr lieben" (2:165), und der Allerbarmer denen, „die da glauben und gute Werke tun", Liebe zukommen lassen wird (19:96). In einem Hadith lesen wir, dass „nicht einer von euch gläubig" ist, „solange er nicht für seinen Nächsten wünscht, was er für sich selbst wünscht" (al-Buchari, Bab al-Iman: 13).

2. Das menschliche Leben ist ein höchst wertvolles Geschenk, das Gott jeder Person macht. Deshalb sollte es in all seinen Phasen bewahrt und geehrt werden.

3. Die menschliche Würde leitet sich von der Tatsache ab, dass jeder Mensch von einem liebenden Gott aus Liebe erschaffen und mit den Gaben der Vernunft und des freien Willens ausgestattet ist. Deshalb ist er in der Lage, Gott und die anderen zu lieben. Da diese Prinzipien eine feste Grundlage haben, verlangt der Mensch danach, dass seine ursprüngliche Würde beziehungsweise seine menschliche Berufung geachtet wird. Deshalb hat er Anspruch darauf, dass einzelne Personen, Gemeinschaften und Regierungen seiner Identität und seiner Freiheit volle Achtung entgegenbringen, was die Zivilgesetzgebung zu fördern hat, die ja gleiche Rechte und volle Bürgerrechte garantiert.

4. Wir bekräftigen, dass die Schöpfung der Menschheit durch Gott zwei große Aspekte hat: die männliche und die weibliche Person, und wir verpflichten uns gemeinsam dazu, dafür zu sorgen, dass menschliche Würde und Achtung in gleicher Weise auf Männer und Frauen ausgedehnt wird.

5. Echte Nächstenliebe schließt Respekt vor der Person und ihrer Entscheidungen in Gewissens- und Religionsfragen mit ein. Sie beinhaltet das Recht von einzelnen Personen und Gemeinschaften, ihre Religion privat und öffentlich zu praktizieren.

6. Religiöse Minderheiten haben Anspruch darauf, dass sie in ihren religiösen Überzeugungen und Praktiken Achtung erfahren. Sie haben zudem ein Recht auf eigene Kultstätten, und die Gründergestalten und Symbole, die sie für heilig erachten, dürfen nicht Gegenstand von irgendeiner Form von Hohn und Spott werden.

7. Als katholische und muslimische Gläubige sind wir uns der Aufforderung und des Gebots bewusst, in einer mehr und mehr säkularisierten und materialistischen Welt für die transzendente Dimension des Lebens Zeugnis abzulegen - durch eine Spiritualität, die vom Gebet genährt wird.

8. Wir bekräftigen, dass keine Religion und keiner ihrer Anhänger von der Gesellschaft ausgeschlossen werden darf. Jeder einzelne muss in der Lage sein, seinen unentbehrlichen Beitrag zum Wohl der Gesellschaft zu leisten, insbesondere wenn es um den Dienst an den bedürftigsten Menschen geht.

9. Wir erkennen an, dass die Schöpfung Gottes in ihrer Vielfalt an Kulturen, Zivilisationen, Sprachen und Völkern eine Quelle des Reichtums ist und deshalb niemals Anlass für Spannungen und Konflikte geben darf.

10. Wir sind überzeugt, dass Katholiken und Muslime die Pflicht haben, ihren Gläubigen eine gesunde Erziehung in menschlichen, bürgerlichen, religiösen und moralischen Werten zuteil werden zu lassen und korrekte Informationen über andere Religionen zu verbreiten.

11. Wir bekennen, dass Katholiken und Muslime berufen sind, unter gläubigen Menschen - und für die Menschheit insgesamt - Werkzeuge der Liebe und der Harmonie zu sein, die jeder Form von Unterdrückung, aggressiver Gewalt und Terrorismus abschwören - vor allem jenem, der im Namen der Religion verübt wird -, und die das Prinzip „Gerechtigkeit für alle" hochhalten.

12. Wir rufen die gläubigen Menschen auf, sich für die Entwicklung eines ethischen Finanzsystems einzusetzen, in dem die Regulierungsmechanismen die Situation der Armen und Benachteiligten berücksichtigen, sowohl die Lage einzelner Personen als auch jene von verschuldeten Nationen. Wir appellieren an alle, die es in dieser Welt besser haben, die Misere derer in den Blick zu nehmen, die von der jetzigen Krise in der Nahrungsmittelproduktion und im Nahrungsmittelvertrieb große Not leiden müssen, und wir ersuchen die religiösen Menschen aller Glaubensrichtungen und alle Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten, um die Leiden der Hungernden zu lindern und die Ursachen dafür aus der Welt zu schaffen.

13. Junge Menschen sind die Zukunft der religiösen Gemeinschaften und der Gesellschaft insgesamt. Sie werden immer häufiger in multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften leben. Es ist entscheidend, dass sie in ihren eigenen religiösen Traditionen gut unterrichtet und über die anderen Kulturen und Religionen gut informiert werden.

14. Wir sind darin übereingekommen, die Möglichkeit zu untersuchen, ein ständiges katholisch-muslimisches Komitee einzurichten, um Antworten auf Konflikte und andere Notfälle koordinieren zu können sowie um ein zweites Seminar in einem noch zu bestimmenden Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit zu organisieren.

15. Wir freuen uns auf das zweite Seminar des Katholisch-Muslimischen Forums, das in rund zwei Jahren in einem noch zu bestimmenden Land mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit einberufen werden soll.

[ZENIT-Übersetzung des englischen, vom Heiligen Stuhl veröffentlichten Originals durch Dominik Hartig]

  

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II. Vatikanisches Konzil über den Islam 28.10.1965

Römisch-katholische Kirche zum Islam in der Erklärung "Nostra Aetate" des II. Vatikanischen Konzils vom 28. 10. 1965:

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Die muslimische Religion

3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

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Evangelische Kirche und Islam

Einen Überblick über Statements und Publikationen

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Evangelische Kirche A.B. und H.B. in Österreich
Stellungnahme zum Islamgesetz
[veröffentlicht 05.11.2014]

Univ.-Prof. Dr. Susanne Heine
Vorstellung des Buches „Evangelische Christen und Muslime in Österreich
[veröffentlicht 15.6.2012]
zum Buch im Shop

Generalsynode der Evangelischen Kirche A.B. und H.B. in Österreich
Evangelische Christen und Muslime in Österreich
Eine Orientierungshilfe

[veröffentlicht 26.10.2011]

Synode der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich
Christ/innen und Muslim/innen
[veröffentlicht 30.10.2007]

Stellungnahme der Evangelischen Kirche A.B. und der Evangelischen Kirche.H.B. in Österreich zur Diskussion um den Bau von Moscheen
[veröffentlicht 30.08.2007]

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