Dialog: Zeit zum Friedenstifen

Gegen Irreführung und Generalverdacht

(18. Dezember 2015) - Die „Plattform Christen und Muslime“ bemüht sich um eine Klarstellung im Streit um die islamischen Kindergärten in Wien.

Mehr…

Um der notwendigen Objektivität willen kann die Durchführung von qualitativ-empirischer Forschung nur von ausgewiesenen und neutralen Sozialwissenschaftler/innen vorgenommen werden, die weder positiv noch negativ in die Sache involviert sind. Eine solche Forschung arbeitet mit thematisch offenen Interviews, die auf freiwilliger Bereitschaft zur Teilnahme beruhen. Hinzu kommt die Verpflichtung, die Interviewpartner/innen anonym zu halten. Daher kann auf diesem Weg eine „detaillierte theologisch-politische Landkarte der Kindergärten“ (Ednan Aslan, Der Standard 17.12.15) nicht erstellt werden.

Zu den Standards empirischer Forschung gehört, dass von den untersuchten Gruppen nicht auf alle Kindergärten geschlossen werden darf. Schon jetzt aber zeigt sich aufgrund der veröffentlichten Vorstudie, wie schnell ganz wenige Ergebnisse, deren Zustande­kommen zudem wegen fehlender Analysekriterien methodisch fragwürdig ist, alle Kindergärten unter einen Generalverdacht stellen.

Dieses Verfahren ist aus der Boulevardpresse bekannt; aber in seriösen Bereichen von Universität und Politik sollte darauf geachtet werden, dass dies nicht geschieht.

Empirische Forschung ist kein Kontrollinstrument. Kontrollen können notwendig und berechtigt sein, doch dafür gibt es Inspektor/innen, die gegebenenfalls eingreifen müssen. Es mag auch nützlich sein, diese Inspektor/innen zu schulen, damit sie Anzeichen von Extremismus besser wahrnehmen können. Aber die weitgehende Unkenntnis von Islam, Koran und den kulturellen Umgangsformen in manchen Herkunftsländern darf nicht dazu führen, einfache Redewendungen oder übliche Gebetstexte zu verdächtigen.

Es muss endlich klargestellt werden, dass es um Kontrolle geht. Kontrollabsichten jedoch mit dafür ungeeigneten wissenschaftlichen Untersuchungen zu bemänteln, wäre eine Irreführung der Öffentlichkeit.

Lesen Sie dazu: Hintergrundinformationen

Weniger…

Wichtiger denn je: Begegnung und Dialog!

(20. November 2015) - Der Terror von Paris bewegt uns in gemeinsamer Trauer und in Solidarität mit den Maßnahmen zur Aufklärung und zum Schutz vor weiteren Verbrechen. Voraussetzung für alle Reaktionen muss die Klarstellung sein, dass Christen wie Muslime das Leben achten.

Die „Plattform Christen und Muslime“ hat sich zur Aufgabe gestellt, Frieden zu stiften, und unterstützt daher alle Bemühungen der Begegnung und des Dialogs.

Mehr…

Der Terror von Paris bewegt uns in gemeinsamer Trauer und in Solidarität mit den Maßnahmen zur Aufklärung und zum Schutz vor weiteren Verbrechen. Voraussetzung für alle Reaktionen muss die Klarstellung sein, dass Christen wie Muslime das Leben achten. Die Terroristen hingegen missbrauchen den Islam, denn ihre Religion verbietet ausdrücklich die Tötung unschuldiger Menschen. Wer Angst schürt, Muslime und Musliminnen pauschal verdächtigt und ihnen die Religionsfreiheit aberkennen will, betreibt das Geschäft der Terroristen. Denn es ist das erkennbare Ziel der  Drahtzieher des Terrors, den Konflikt anzuheizen, unsere europäische Gesellschaft zu spalten und Zwietracht zwischen den Religionen zu säen.

Die „Plattform Christen und Muslime“ hat sich zur Aufgabe gestellt, Frieden zu stiften, und unterstützt daher alle Bemühungen der Begegnung und des Dialogs. Dem bewaffneten Terror muss mit einer Abrüstung der Worte begegnet werden. Der Weg zur Deeskalation führt über die entschlossene Bemühung um gegenseitiges Verständnis und Vertrauen, beginnend im gemeinsamen Alltag von Christen und Muslimen bis in die Führungsetagen der Politik und der Wirtschaft.

Die Begegnung mit den Flüchtlingen, die sich gerade jetzt vor diktatorischen Regimen und dem blutigen Missbrauch des Islams in Sicherheit bringen wollen, bietet dazu eine besondere Chance.

Weniger…

Das Attentat vom 7. Jänner 2015 in Paris

(7. Jänner 2015) - Mit Entsetzen schauen wir auf die Bluttat verbrecherischer extremistischer Gewalttäter, die im Namen des Islams auftraten. Wir fühlen mit den fran­zösischen Opfern, zu denen auch Juden und Muslime zählen. Wie tausende von Menschen, zu denen ebenfalls sehr viele Mus­lime gehören, erklären wir uns mit dem Geist der Brüderlich­keit solidarisch.  .........

Mehr…

Mit Entsetzen schauen wir auf die Bluttat verbrecherischer extremistischer Gewalttäter, die im Namen des Islams auftraten. Wir fühlen mit den fran­zösischen Opfern, zu denen auch Juden und Muslime zählen. Wie tausende von Menschen, zu denen ebenfalls sehr viele Mus­lime gehören, erklären wir uns mit dem Geist der Brüderlich­keit solidarisch. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, dass diese Solidarität imstande ist, einer Spaltung der Gesellschaft ent­gegenzuwirken, und wenden uns mit Nachdruck dagegen, wenn alle Muslime sowie die Reli­gion des Islams zu Sündenböcken gestempelt werden. Wer so agiert, arbeitet den Extremisten in die Hände und macht sich mitschuldig.

Hinter den Attentätern steht eine fundamentalistische Geisteshaltung, die sich in allen Religionen findet und radikalisieren kann. Auch aufgeklärte Geister sind nicht immer frei von fundamentalistischem Kampfgeist. Fundamentalisti­scher Extremismus ist nicht nur ein isla­misches, sondern auch ein anti-isla­misches Phäno­men. Fundamentalisten aller couleur set­zen auf das, was Menschen wertvoll ist, um mit einfachen Schlagworten zu punkten. Aber sie reißen Worte aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und unterwerfen sie ihren eigenen zerstörerischen Interessen. Gewalttätiger Extremismus hat viele Ursachen, wie persönliche Krisen, soziale Missstände oder eine über Jahrzehnte verfahrene Politik, und kann nicht nur auf eine Ursache beschränkt werden. Daher warnen wir vor Vereinfachungen und davor, sich das Urteil zu leicht zu machen.

Wir vertreten mit Nachdruck die Meinungs- und Pressefreiheit als ein hohes Gut, das nicht preisgegeben werden darf. Denn wir wissen, wie lange Europa unter kirchlicher und staatlicher Zensur gelitten hat, und wissen, dass andere Länder auf diesem Globus immer noch darunter zu leiden haben. Es muss erlaubt sein, sich mit Religionen kritisch auseinander­setzen, auch in satirischer Form, denn alle Religionen und Weltanschauungen können einen ideologischen Charakter annehmen, der sich von der ursprünglichen menschenfreundlichen Absicht entfernt.

Dennoch: Wir sind nicht Charlie, und vertreten die Meinung, dass es sinnvoll ist und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dient, sich die Freiheit zu nehmen, religiösen Men­schen und dem, was ihnen „heilig“ ist, mit Respekt zu begegnen. Dies trifft besonders für religiöse Minderheiten zu, die ohnehin in der Gesellschaft mit vielen Formen der Ausgren­zung und Diskriminierung und der Zuschreibung des „Fremdseins“ konfrontiert sind. Es geht nicht nur um Pressefreiheit, sondern auch um journalistische Verantwor­tung; und das nicht erst heute.

Wir fordern dazu auf:

  • den gewaltsamen Kreislauf von Aktion und Reaktion zu unterbrechen und sich für  Frie­den und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzusetzen, nicht zuletzt im eigenen Interesse;
  • rhetorische Aufrüstung zu unterlassen, da jedem handgreiflichen Schlag hetzerische Worte vorausgehen;
  • über Religionen nicht zu urteilen, solange keine ausreichenden Kenntnisse vorhanden sind, und den Experten zu vertrauen;
  • religiöse Texte nicht naiv wörtlich zu nehmen, denn das würde bedeuten, den Extre­mis­ten nachzueifern;
  • religiöse Bildung persönlich und gesellschaftlich auf die Tagesordnung zu setzen;
  • sich um gegenseitiges Verstehen zu bemühen, anstatt Sündenböcke zu schaffen;
  • zu respektieren, woran das Herz religiöser Menschen hängt.
Weniger…

Gegen Verfolgung und Ausgrenzung von Christen und ....

Die Welt braucht Frieden zwischen Muslimen und Christen!
Solidarität mit den Opfern

(18. Dezember 2014) Die „Plattform Christen und Muslime“ ist solidarisch mit den Protesten gegen die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Christen in Regionen, die derzeit von radikalen Minderheiten, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen, unter Einsatz furchtbarer Gewalt beherrscht werden. Auch Muslime, Yesiden und viele andere sind Opfer der Radikalen. ........

Mehr…

Die Welt braucht Frieden zwischen Muslimen und Christen!

Solidarität mit den Opfern

Die „Plattform Christen und Muslime“ ist solidarisch mit den Protesten gegen die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Christen in Regionen, die derzeit von radikalen Minderheiten, die den Islam für ihre Zwecke missbrauchen, unter Einsatz furchtbarer Gewalt beherrscht werden. Auch Muslime, Yesiden und viele andere sind Opfer der Radikalen. „Sie haben nicht das geringste Recht, Muslime vertreten zu wollen. So wie sie sich aufführen, pervertieren sie unsere Religion“ (Erklärung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, August 2014).

Solche Verbrechen können durch die Berufung auf Religion nicht gerechtfertigt werden. „Denn der wahre Islam und eine angemessene Interpretation des Korans stehen jeder Gewalt entgegen“ (Papst Franziskus, „Evangelii Gaudium“ 2013, Nr. 253.)  „Die religiöse Rechtfertigung von innerem Zwang oder äußerer Gewalt stellt nach unserer Überzeugung einen Missbrauch des Gottesnamens und der Religion dar“ („Evangelische Christen und Muslime in Österreich“ 2011, Präambel).

Schluss mit dem generalisierenden Argwohn gegen Muslime

Muslime sind inzwischen ein selbstverständlicher Teil der Alltagsrealität in Österreich und Europa. Sie dürfen nicht verdächtigt werden, gefährlich und gewaltbereit zu sein, weil ihre Religion im nahöstlichen Bürgerkrieg missbraucht wird. Gefährlich für den Frieden sind vielmehr jene, die Fremden- und Islamfeindlichkeit schüren. Daher appelliert die „Plattform Christen und Muslime“, den mit uns lebenden Muslimen jenes selbstverständliche Grundvertrauen zu schenken, auf das alle Mitbürger ein Anrecht haben.

Einander kennenzulernen und mehr voneinander zu wissen, verhindert Missverständnisse und lässt Vorurteile nicht aufkommen. „Aus unserem christlichen Glauben heraus suchen wir die Begegnung mit Men­schen, die sich zum Islam bekennen, weil wir als Bürger/innen Österreichs jenes Mit­einander suchen, das dem Frieden und der guten Nachbarschaft dient“ („Evangelische Christen und Muslime in Österreich“ 2011, Präambel). Wo immer das auch im kleinen Wirkungskreis geschieht, ist ein Betrag zum Frieden gelungen.

Weihnachtsgruß  und Friedensappell

Unmittelbar vor dem Geburtsfest Jesu, den auch Muslime verehren, wendet sich die "Plattform Christen und Muslime" an die in Österreich lebenden Angehörigen der beiden großen Weltreligionen – im Wissen um die gemeinsame Sehnsucht der überwältigenden Mehrheit christlicher und muslimischer Österreicher und Österreicherinnen nach Frieden und Versöhnung in unserem Land und in der Welt. Wir appellieren an Christen und Muslime, sich solidarisch für den Frieden einzusetzen und erinnern an den Brief der 138 muslimischen Gelehrten an die Verantwort­lichen der christlichen Kirchen (2007):

„Muslime und Christen machen gemeinsam mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung aus. Ohne Frieden und Gerechtigkeit zwischen diesen beiden religiösen Gemeinschaften kann es keinen Frieden von Bedeutung auf der Welt geben. Die Zukunft dieser Welt hängt vom Frieden zwischen Muslimen und Christen ab.“

Weniger…

Gegen Verunglimpfung unseres Co-Vorsitzenden Dipl. Ing. Tarafa Baghajati

(18.10.2014) In der KRONEN-ZEITUNG vom 18. Oktober werden schwere Vorwürfe gegen den Co- Vorsitzenden der Plattform „Christen und Muslime“, Obmann der „Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen“ und Kulturreferent der Religionsgemeinde Wien der IGGiÖ erhoben.

Mehr…

 So wird er u. a. als „Muslimbruder“, Freund von „einem Befürworter von Selbstmordattentaten“, als „mitverantwortlich für gefährliche Zustände in islamischen Schulen und Kindergärten“ sowie als „Verschleierer und Verteidiger einer faschistisch-salafistischen Ideologie“ bezeichnet. Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage. Von Qualitätsjournalismus erwarten wir, dass im Falle jemandem „ein Naheverhältnis zu Fanatikern nachgesagt“ wird, eine solche „Nachsage“ sowie die jeweiligen „Nachsager“ vor einer Veröffentlichung dahingehend überprüft werden, ob deren Aussagen den Tatsachen entsprechen. Qualitätsjournalismus bedeutet auch, andere Meinungen einzuholen und die Person, der etwas nachgesagt wird, zu Wort kommen zu lassen. Die Plattform „Christen und Muslime“ ist schockiert von solchen Anschuldigungen, die einem Rufmord gleichkommen, an einem Vertreter des Islams in Österreich, der sich um die Menschen- und Frauenrechte sowie um den interreligiösen, speziell muslimisch-christlichen Dialog über viele Jahre verdient gemacht hat. Die Plattform, der MuslimInnen sowie ChristInnen angehören, drückt ihre Solidarität mit Tarafa Baghajati aus und dankt der Wiener Landesregierung, dass sie ihm für seine langjährigen Verdienste das Goldene Ehrenzeichen verleihen will.

Univ. Prof. Dr. Susanne Heine Co-Vorsitzende im Namen des Vorstands der Plattform „Christen und Muslime“

Weniger…